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Farmer holds in hands wooden box with vegetables produce on the background of the garden. Fresh and organic food.

Zur Zeit kann im Garten eine Menge frisches Gemüse geerntet werden. Bild: iStockphoto / Julia_Sudnitskaya

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Karotten statt Tomatenmark: Mit diesem Gemüse schonst du die Umwelt

Wer Gemüse isst, tut sich und der Umwelt etwas Gutes – schließlich ist es gesund, fettarm, und hat im Vergleich zu tierischen Produkten und Fleisch fast immer die bessere Klimabilanz. Klar, es landet direkt auf unserem Teller, anstatt erst an Tiere verfüttert zu werden, die bei der Verdauung auch noch umweltschädliches Methan ausstoßen. Außerdem wird weniger Land und Wasser benötigt.

Welch großen Unterschied es für das Klima macht, was wir essen, zeigt eine Studie des ifeu-Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, das die ökologischen Fußabdrücke von Lebensmitteln in Deutschland untersuchte. Während beim Anbau und Transport von einem Kilo Kartoffeln beispielsweise 0,2 Kilogramm CO2 freigesetzt werden, sind es bei einem Kilo Feta-Käse 7 Kilogramm und bei einem Kilo Rinderhack 9,3 Kilogramm CO2. Einberechnet wurden dabei Emissionen beim Anbau und Transport, die Verpackung und die benötigte Kühlenergie. Für den Fußabdruck wurden alle Treibhausgasemissionen berücksichtigt: Neben CO2 wurden auch Methan und Lachgas einbezogen und in CO2-Äquivalente umgerechnet.

Gemüse ist also grundsätzlich erst einmal gut fürs Klima. Allerdings zeigt die Studie auch: Gemüse ist nicht gleich Gemüse. Es macht sehr wohl einen Unterschied, welche Sorte davon auf unserem Teller landet, wo es herkommt und in welcher Form wir es einkaufen. Denn ganz unabhängig von der Gemüsesorte zeigt die Studie: Frisches Gemüse hat durchweg einen kleineren CO2-Fußabdruck als in konservierter Form.

Gemüse aus Deutschland ist nicht immer besser

Das Problem: Tiefgefrorenes Gemüse braucht viel Kühlenergie, in Glas gepacktes Gemüse ist dagegen schwer – und sorgt deshalb beim Transport für hohe Emissionen. Dass Dosen und Gläser recycelt werden können, macht da keinen großen Unterschied mehr. "Die Recyclingrate von Glas liegt bei 90 Prozent. Das klingt zunächst super, aber der Energieaufwand zum Recyceln liegt ungefähr bei der Größenordnung von der Neuherstellung eines Getränkekartons – der auch noch zu 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht", sagt Frank Wellenreuther vom Heidelberger ifeu-Institut der "Geo". Noch besser ist es natürlich, frisches Gemüse zu kaufen, das gar nicht erst abgepackt werden muss.

Und: Regionalem Gemüse sollten wir den Vorrang geben. So zeigte eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, dass regionale Lebensmittel die weltweiten Emissionen aus dem Lebensmitteltransport um den Faktor zehn reduzieren könnten. Nur weil es aus Deutschland stammt, ist Gemüse aber nicht automatisch klimafreundlich – Stichwort Treibhäuser. Wird darin im Winter Gemüse aufgezogen, das eigentlich gar nicht Saison hat, ist der Energieaufwand beim Beheizen enorm und die CO2-Bilanz entsprechend schlecht.

Natürlich wollen wir aber auch im Winter Gemüse essen. Die Lösung: Frisches regionales Gemüse kaufen, wenn es Saison hat, und dann durch Trocknen, Einkochen, Fermentieren oder Einlegen in Salz oder Essig haltbar machen.

Unterschiede zwischen den einzelnen Gemüsesorten gibt es übrigens auch – und die sind nicht einmal klein. Mit welchem Gemüse ihr das Klima besonders schont, erfahrt ihr hier:

Tomate

Tomate ist nicht gleich Tomate – je nachdem, woher sie kommt und wann und in welcher Form du sie kaufst, gibt es große Unterschiede in puncto Klimabilanz. Saisonale Tomaten aus Deutschland kommen zum Beispiel in der ifeu-Studie nur auf 0,3 Kilo CO2-Äquivalent. "Winter-Tomaten", die zwar in Deutschland aufgezogen wurden, dafür aber ein beheiztes Gewächshaus benötigten, haben dagegen ganze 2,9 Kilo auf ihrer CO2-Bilanz stehen. In diesem Fall wäre es sogar klimafreundlicher, passierte Tomaten aus dem Karton (1,6 Kilogramm CO2) oder der Dose (1,8 Kilo) zu kaufen. Tomatenmark hat mit 4,3 Kilo eine noch miesere Bilanz. Die beste Wahl, wenn in Deutschland gerade keine Tomaten reif sind: Tomaten, die in Südeuropa im Freien angebaut werden (0,4 Kilo CO2).

Karotte

Sie passt perfekt in jede Gemüsepfanne, enthält viel Vitamin C, Kalium und Eisen, hat kaum Kalorien – und ist auch noch super klimafreundlich. Die Karotte gewinnt das Rennen um den Titel als CO2-ärmstes Gemüse mit nur 0,1 Kilogramm CO2 pro Kilo Karotte. Wie praktisch, dass sie gerade Saison haben.

Avocado

Ja, Avocados sind verdammt lecker, gelten wegen ihrer ungesättigten Fettsäuren als Superfood und machen jedes Insta-Foto zu Foodporn. Nur eines sind sie sicher nicht: umweltfreundlich. Der CO2-Fußabdruck ist mit durchschnittlich 0,6 Kilogramm nicht mustergültig, aber doch noch einigermaßen passabel für eine weitgereiste Frucht – denn genau genommen handelte es sich nicht um Gemüse. Doch das ist noch gar nichts im Vergleich zum Wasserverbrauch der Avocado. Denn für ein Kilogramm – das entspricht etwa vier Avocados – werden etwa 1000 Liter Wasser benötigt. In Chile braucht es für den Anbau einer einzigen Avocado im Schnitt sogar 70 Liter Wasser, was zum Austrocknen ganzer Flüsse führte. Und in Mexiko haben die Drogenkartelle den Avocadoanbau und -handel als lukratives Geschäftsmodell entdeckt.

Blumenkohl

Gut, als Avocado-Ersatz auf dem Frischkäsebrot macht sich Blumenkohl vielleicht nicht so gut. Aber in Sachen Klimabilanz ist der Kohl mit nur 0,2 Kilo CO2-Äquivalent auf ein Kilo Kohl ziemlich mustergültig. Und da das ursprünglich aus Kleinasien stammende Gemüse im Anbau wenig empfindlich und mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet ist, fällt regional kaufen auch nicht schwer.

Rote Beete

Bei der Roten Beete zeigt sich einmal mehr: auf die Form des Gemüses kommt es an. Frische Rote Beete hinterlässt mit 0,2 einen kleinen CO2-Fußabdruck, eingelegt im Glas verursacht sie das sechsfache davon an Treibhausgasen.

Champignons

Frische Champignons schlagen mit 1,3 Kilogramm CO2-Äquivalent für ein Gemüse sehr stark zu Buche – sie belasten das Klima damit sogar mehr als die Avocado. Dabei ist es auch egal, ob ihr zu hellen oder dunklen Champignons greift. Noch schädlicher sind allerdings wieder Champignons aus der Dose: Hierfür wurden 2,4 Kilo CO2 freigesetzt.

Am besten immer saisonal

Am besten ist es immer, wenn das auf den Tisch kommt, was zurzeit vor Ort wächst. Und da wir uns gerade im Juli befinden, ist das eine ganze Menge: Auberginen werden gerade ebenso frisch geerntet wie Blumenkohl, Bohnen, Brokkoli, Champignons, Gurken, Kartoffeln, Kohlrabi, Karotten, Paprika, Rote Beete, Tomaten, Weißkohl, Zucchini und Zwiebeln. Verzicht sieht anders aus.

(ftk)

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