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So einsam ist es auf Schweizer Pisten schon lange nicht mehr. Die Jungfraubahnen wollen ab 2021 maximal 17.000 Skifahrer gleichzeitig auf den Pisten. Bild: imago images / Westend61

Wie ein Schweizer Skigebiet mit Overtourism umgeht

"Skipässe ausverkauft": Die Jungfraubahnen in der Schweiz führen wegen neuen Liften eine Obergrenze für Wintersportler ein. Für Tourismus-Kenner ist der Schritt logisch. Andere Schweizer Destinationen habe andere Strategien, um Overtourism auf den Skipisten zu verhindern.

Adrian Müller / watson.ch

Dank atemberaubenden Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau ist Grindelwald-Wengen eines der meistbesuchten der Schweiz. Damit nicht genug: Mit Inbetriebnahme der Hochleistungs-Gondelbahn auf den Männlichen am 14. Dezember und dem Eiger-Express (Dezember 2020) steigt die Kapazität weiter an.

Die Kehrseite der Medaille: An Spitzentagen drängen sich dermaßen viele Wintersportler auf den Pisten, dass entspanntes Skifahren nur schwer möglich ist.

Nun weist sich das Wintersport-Mekka im Berner Oberland selbst in die Schranken. Auf den Pisten oberhalb von Wengen und Grindelwald sollen ab 2021 maximal 17.000 Menschen pro Tag herumfahren, wie der "Sonntagsblick" zuerst berichtete. Übersteigt der Ansturm diese Zahl, werden keine Skipässe mehr verkauft.

Auf watson-Anfrage erklärt Kathrin Nägeli von den Jungfraubahnen, dass an absoluten Spitzentagen selbst mit den bereits vorhanden Bergbahnen über 20.000 Menschen ins Skigebiet transportiert wurden. "Das ist zu viel, die Leute sollen das Erlebnis genießen können und ausreichend Platz finden."

Die Jungfrau-Verantwortlichen geben unumwunden zu, dass das angekündigte Besucherlimit ebenso eine Marketing-Aktion ist. "Je knapper ein Gut, desto wertvoller ist es", so Direktor Urs Kessler. Dementsprechend wäre es denkbar, dass die Preise an Spitzentagen steigen. Die Jungfraubahnen winken ab. "Wir haben uns gegen dynamische Preise entscheiden, prüfen aber laufend weitere Tarifmodelle", so Nägeli.

Limite auf dem Jungfraujoch

Bereits 2009 haben die Jungfraubahnen für das Jungfraujoch eine Besucherlimite von 5500 Personen pro Tag eingeführt. Laut Direktor Urs Kessler war das Joch in den letzten Jahren im Schnitt an 25 Tagen ausverkauft.

Davos setzt auf unterschiedliche Positionierung

Besucherlimits gegen Wintersport-Overtourism: Das Beispiel Grindelwald ist nur eine Möglichkeit für die Winterdestinationen, die Skifahrermassen zu steuern. Davos Klosters setzt auf die unterschiedliche Positionierung der einzelnen Skigebiete. Während die Region Rinerhorn etwa besonders für Familien ausgelegt ist, ziehe es Après-Ski-Liebhaber eher aufs Jakobshorn.

"Eine Limitierung kommt für uns nicht in Frage. Spezifische Angebote für verschiedene Gäste auf den Bergen ist für uns wichtiger", sagt Martina Walsoe, Leiterin Marketing & Kommunikation der Davos Klosters Bergbahnen.

"Es gibt zu viele Touristiker, die Overtourism verdrängen."

André Lüthi, Chef Globetrotter

Nichtsdestotrotz macht das Zauberwort Kontingentierung in Zeiten von Instagram-Overtourism auch in der Schweiz vermehrt die Runde. "Man muss in den touristischen Hotspots eine Regulation herbeiführen, die allen etwas bringt", sagte Globetrotter-Chef André Lüthi jüngst in der Hotelrevue.

Gerade in der Schweiz gebe es immer noch zu viele Touristiker, die denken, Overtourism sei in der Schweiz noch kein Thema. Es werde zu oft verdrängt und schöngeredet. "Ja, wir haben in Luzern bislang noch keine Zustände wie in Dubvronik. Aber das rollt auf uns zu."

Bei Schweiz Tourismus zeigt man sich punkto Overtourism gelassen. "Wir kennen lediglich einige zeitliche und lokale Engpässe", sagt Sprecher Andé Aschwanden zu watson. Zu den Besucherlimiten in der Jungfrau-Region sagt er, dass eine Kapazitätsbegrenzung in anderen Skigebieten wie den Flumserbegen oder Laax üblich sei.

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