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BERLIN, GERMANY - AUGUST 17: Rapper Bushido attends court during the Arafat Abou-Chaker trial on August 17, 2020 in Berlin, Germany. Abou-Chaker, as well his three brothers Yasser, Nasser and Rommel, stand accused of violent intimidation and other acts against Bushido following the rapper's announcement to end his business relationship with Abou-Chaker. (Photo by Rainer Keuenhof - Pool/Getty Images)

Bushido tritt im Prozess gegen seinen ehemaligen Weggefährten Arafat Abou-Chaker (nicht im Bild) als Zeuge und Nebenkläger auf. Bild: Getty Images Europe / Pool

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Bushido spricht über Anna-Maria und Arafat: "Er schrie sie an: 'Du bist der Teufel, du kommst in die Hölle'"

Der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder vor dem Berliner Landgericht geht weiter, wie er am vergangenen Verhandlungstag zu Ende gegangen war: Im Raum steht der Vorwurf, Rapper Bushido, der als Zeuge vor Gericht steht, habe die Unwahrheit gesagt – dann nämlich, als er behauptete, von der Steuer-Razzia bei Abou-Chaker am Morgen des 22. September erst über das Internet erfahren zu haben. Der Verdacht der Verteidigung lautet dagegen, dass er die Information von einem befreundeten "Bild"-Journalisten bekam. Außerdem steht noch die Entscheidung über einen Antrag der Verteidigung aus, das Verfahren einzustellen, nachdem es bei der Razzia offenbar zu Ermittlungsfehlern gekommen war, die dieses Verfahren beeinflussen könnten.

Bushido wieder auf dem Zeugenstuhl

So entwickelte sich das Geschehen am zwölften Verhandlungstag im Gerichtssaal zunächst zu einer absurden Antragsschlacht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. URLs und Quellcodes von Webseiten wurden verlesen, die beweisen sollen, dass zum ausschlaggebenden Zeitpunkt noch keine Artikel über die Razzia in Online-Medien abrufbar waren. Irgendwann war es auch dem Vorsitzenden Richter zu viel. Er schlug vor, mit der Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens zu warten, bis alle Beweise ausgewertet sind. Stattdessen wollte er mit der Zeugenaussage Bushidos weitermachen, um mal wieder "Druck auf den Kessel zu bringen".

So kam es, dass Bushido tatsächlich wieder auf dem Zeugenstuhl Platz nahm, wo er zuletzt "gefühlt vor einem Jahr" saß, wie er scherzhaft und sichtlich erleichtert anmerkte. Als Bushido begann, von der vorübergehenden Trennung von seiner Frau Anna-Maria zu erzählen, erhöhte sich der "Druck auf den Kessel" tatsächlich schlagartig. Der ganze Gerichtssaal lauschte wie gebannt den Worten des Rappers. Er erzählte, wie es im Dezember 2014 zum Zerwürfnis mit seiner Frau kam. Er gestand, ein "unangenehmer Ehemann" gewesen zu sein. Er habe sich nicht um seine Kinder gekümmert und seine Frau in der Zeit "komplett alleine stehen lassen". Als es dann auch noch zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Anna-Maria und Arafat kam, war das der Anfang der langen und schmerzhaften Trennung, so berichtet es Bushido vor Gericht.

Arafat habe in dieser Zeit eine religiöse Wandlung hingelegt, deshalb sei er mit Anna-Maria wegen deren Kleidungsstil und Auftreten aneinander geraten. "Du bist der Teufel, du kommst in die Hölle", soll Arafat sie angeschrien haben. Und Bushido? Der stand laut eigener Aussage während des gesamten Streits stumm daneben und gab Arafat am Ende sogar recht, erzählte er nun reumütig. Die Situation habe sich hochgeschaukelt und am Abend habe sich der Streit zwischen Anna-Maria und Bushido fortgesetzt. "Da hatte ich dann auch die Hand erhoben gegen meine Frau", gestand er. Schon zu einem früheren Zeitpunkt hatte er im Prozess zugegeben, seine Frau geschlagen zu haben.

Nach seiner Trennung flog der Rapper nach Zürich

Am nächsten Morgen sei seine Frau dann mit dem Landeskriminalamt (LKA) aufgekreuzt, erinnerte er sich, nachdem sie ihm bereits gesagt hatte, bei der Polizei gewesen zu sein. Bushido habe Arafat angerufen, dieser sei dazugekommen und es sei zu einer hitzigen Auseinandersetzung im Haus gekommen. Unter Polizeischutz habe Anna-Maria ihre Sachen gepackt und sei mit den Beamten und den Kindern davon gefahren. "Das werde ich mein Leben nicht vergessen", sagte Bushido über den Moment, als er seine Frau mit den Kindern und den LKA-Beamten vom Badezimmerfenster aus wegfahren sah.

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Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder stehen in Berlin vor Gericht. Bild: getty images europe / pool / getty images europe / pool

Die Reaktion Arafats sei kalt gewesen, erzählte Bushido. Dieser habe ihn nur daran erinnert, am Abend rechtzeitig am Flughafen zu sein – eine Clubshow in Zürich stand nämlich an. An dieser Stelle unterbrach der Vorsitzende Richter Bushido: "Sie sind doch dann nicht wirklich geflogen?" Doch, verriet Bushido am Ende.

Bushido überraschte mit emotionaler Aussage

Der Rapper redete vor Gericht frei und pointiert, wusste, wie er die Anwesenden in seinen Bann ziehen kann. Die Trennung von Anna-Maria ging ihm emotional sehr nah, das war auch in diesem Moment offensichtlich. Sogar Arafat, der meistens entweder teilnahmslos wirkte oder sich konzentriert Notizen machte, schaute Bushido jetzt direkt an.

Die folgende Zeit beschrieb Bushido dann auch als die schwierigste seines Lebens. Er habe kaum noch gegessen und alleine in der dunklen Wohnung gesessen. "Das war der Tiefpunkt meines Lebens", erinnerte er sich. Anna-Maria habe den Kontakt zu ihm verweigert, "ich war wirklich am Ende", so Bushido. Ob man ihm seine Geschichte nun in jedem Wort glaubt oder nicht, die Emotionalität und Offenheit, mit der er vor Gericht über seine Beziehung redet, ist beeindruckend – möglicherweise aber auch Teil der Strategie.

Für einen Wendepunkt in der Beziehungskrise sorgte Anna-Maria, als sie Bushido das erste Mal seit der Trennung anrief. Der Grund für den Anruf sollte sie schon bald wieder zusammenbringen: Anna-Maria war schwanger und erwartete von Bushido das vierte gemeinsame Kind. Auch wenn das für ihn eine freudige Nachricht war, folgten schwierige Zeiten, berichtete er nun: Anna-Maria hatte offenbar über eine Abtreibung nachgedacht. Doch schließlich entschied sie sich, das Kind zu bekommen. Was nach dem Ende einer perfekten Lovestory klingt, war jedoch nur der Anfang von weiteren Auseinandersetzungen. Denn Arafat war nach Angaben von Bushido mit der Versöhnung der beiden gar nicht glücklich. "Solltest du dich mit ihr vertragen, bist du ein Hund", soll Arafat ihm gesagt haben.

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Bushido und seine Frau Anna-Maria Bild: Getty Images Europe / Sean Gallup /Getty Images / Getty Images Europe / Sean Gallup /Getty Images

Wie viel hat Arafat mit Shindy verdient?

Dann sollte Bushido vor Gericht über die Geschäftsbeziehungen zwischen ihm und Arafat in den Jahren 2015 bis 2017 erzählen – schließlich soll es in dem Prozess genau darum gehen. Doch so ausführlich und detailliert wie über seine Ehe redete der Musiker nun nicht mehr. 2016 habe es "keine besonderen Ereignisse" gegeben, sagte er, erzählte dann aber doch vom Aufstieg des Rappers Shindys, der in dieser Zeit "exorbitant erfolgreich" gewesen sei.

Trotz des Erfolgs von Shindy habe er aber kaum Geld mit ihm verdient. Denn Shindy war zwar bei der "bushidoersguterjunge GmbH" unter Vertrag, doch bei vielen Vertragsangelegenheiten habe Bushido aber "nie eine Abrechnung gesehen". Die Haupteinnahmen flossen an Arafat, deutete er an. Nachgefragt, wo das Geld sei, habe er aber auch nicht.

Erheiterung über Geschichte mit mutmaßlichem Reichsbürger – Arafat: "Wir genießen die Show "

Für einen Lacher im Gerichtssaal sorgte Bushido mit einer Anekdote über die Geschäfte mit einem Anwalt, der sich als mutmaßlicher Reichsbürger entpuppte. Arafat habe Bushido von einer Geschäftsidee berichten wollen. Er habe ihm dann einen Anwalt vorgestellt, der den beiden versprach, nie wieder Steuern zahlen zu müssen.

Der Anwalt entpuppte sich offenbar als Reichsbürger und sprach von Deutschland als einer GmbH. Das Finanzamt sei demnach keine anzuerkennende Institution, die Steuern einziehen dürfe. Das wolle er dem Finanzamt schriftlich mitteilen. Die sieben Seiten lange Erklärung sollte auch von Bushido in einer kryptischen Signatur unterschrieben werden.

Auch diese Geschichte hatte wenig mit den Geschäftsbeziehungen zu Arafat zu tun, doch Bushido erzählte sie gerne. Denn immer wieder brach der Saal in Gelächter aus – auch die drei Brüder auf der Anklagebank. Als Arafat und seine Brüder sich über Bushidos Aussagen amüsierten, richtete sich der Rapper zum ersten Mal überhaupt direkt an die drei: "Wenn ihr was sagen wollt, müsst ihr schon eure Mikros anmachen." Rommel Abou-Chaker entgegnete lachend: "Wir wollen nichts sagen". Und Arafat ergänzte: "Wir genießen die Show".

Warum Bushido das "unfassbar absurde Schreiben", wie er es nannte, trotz Rücksprache mit seiner Steuerberaterin unterzeichnete, ließ er offen. Auf eine verwunderte Antwort des Finanzamtes reagierte er schlicht nicht mehr.

Am Mittwoch, dem nächsten Verhandlungstag, kommt dann der "stressige Teil" für Bushido, wie es der Vorsitzende Richter ausdrückte. Denn dann muss er sich wieder den Fragen der Verteidigung stellen. Außerdem steht noch die Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens aus. Doch damit ist wohl erst im November zu rechnen.

Darum geht es im Prozess

Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen aufgelöst hatte. Arafat Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido unberechtigt eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

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