Japan
Real Madrid s japanese player Takefusa Kubo participates during a training session at the installations of Montreal Impact, in Montreal, Canada, 16 July 2019. Real Madrid training session Montreal !ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG! PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xJohanyxJutrasx AME6763 20190716-636989013420891688

Noch viel lernen er muss. Bild: imago images / Agencia EFE / johany jutras

Barça patzt, Real profitiert – das ist der "japanische Messi" Takefusa Kubo

Takefusa Kubo soll der nächste japanische Sport-Superstar werden. Der Fußballer hat drei Jahre lang in der Akademie des FC Barcelona gelernt. Wegen eines Missverständnisses ist er nun aber beim Rivalen Real Madrid gelandet.

Adrian Bürgler / watson.ch

Am 14. Juni dieses Jahres kam die Meldung: Real Madrid hat den 18-jährigen Japaner Takefusa Kubo für die zweite Mannschaft verpflichtet. Die Ablösesumme soll rund zwei Millionen Euro betragen. In der heutigen Transferwelt, in der regelmäßig Deals im Wert von über 80 Millionen abgeschlossen werden, kaum der Rede wert. Doch der Fall von Takefusa Kubo ist eine Ausnahme.

Real Madrid Japanese player Takefusa Kubo (C) trains at the Montreal Impact, in Montreal, Canada, 11 July 2019. Real Madrid training session in Canada !ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG! PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xJohanyxJutrasx AME5368 20190711-636984654485528535

Läuft sich mit den Großen warm: Takefusa Kubo. Bild: imago images / Agencia EFE / johany jutras

Einerseits, weil der offensive Mittelfeldspieler derzeit im Training der ersten Mannschaft der Madrilenen weilt und dort Fans, Mitspieler und Trainer gleichermaßen begeistert. Mit Aktionen wie diesen:

Andererseits, weil es Real Madrid gelungen ist, das Talent Erzrivale Barcelona unter der Nase wegzuschnappen.

Barcelonas großer Irrtum

Takefusa Kubo wird im Alter von acht Jahren von den Scouts der Katalanen entdeckt. 2011, zwei Jahre später zieht er von Japan nach Spanien und schließt sich Barcelonas berühmter Nachwuchsakademie "La Masia" an.

Dort entwickelt sich Kubo gut. So gut, dass er schon bald als "japanischer Messi" bezeichnet wird. Ein Vergleich, den er selbst übrigens nicht mag: "Ich habe es nicht gerne, wenn man mich im selben Atemzug mit den absoluten Top-Spielern nennt. Ich hoffe, dass ich eines Tages wie Messi spielen kann, doch bis dahin muss ich mich voll konzentrieren und sehr hart arbeiten", erklärte der Japaner während der Copa America.

Takefusa Kubo (rechts) als Junior im Trikot des FC Barcelona.

Dennoch träumen die Fans in Barcelona schon davon, dass Kubo eines Tages in die großen Fußstapfen von Lionel Messi treten wird. Es kommt anders.

2015, in seinem letzten Jahr in der Akademie, spielt er immer weniger. "Es war eine schlechte Zeit", erzählt der offensive Mittelfeldspieler bei seiner Vorstellung in Madrid. "Ich musste zuschauen, wie meine Kollegen spielten und siegten, doch ich konnte mich nicht darüber freuen."

Da kommt es dem Japaner schon fast wie gerufen, dass Barcelona von der Fifa für einen Verstoß gegen die Regeln bei Verpflichtungen von minderjährigen Spielern bestraft wird. Die Katalanen erhalten eine Transfersperre und Spieler, die in der fraglichen Periode verpflichtet wurden, sind nicht mehr für Barça spielberechtigt. Kubo kehrt in seine Heimat zurück und schließt sich der nationalen Fußballgroßmacht FC Tokyo an.

Dort ist er mit 15 Jahren, fünf Monaten und einem Tag der jüngste Debütant in der Geschichte der höchsten japanischen Liga (J1 League). Nicht ganz ein halbes Jahr später erzielt Kubo seinen ersten Profitreffer. So bleibt er während seiner vier Jahre in Japan auf dem Radar der europäischen Topclubs – Barcelona ist an einer Rückkehr interessiert, aber auch auch Paris St-Germain und Real Madrid melden Interesse an.

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"Take" muss noch zulegen. Bild: imago images / eu-images

Und letzteren gelingt der Coup. Barça und Paris gehen laut Informationen der "Marca" davon aus, dass Kubos Vertrag – wie sonst üblich in Japan – erst Ende Januar des nächsten Jahres (also 2020) auslaufen würde. Doch der Agent des Asiaten hat mit Blick auf das Sommer-Transferfenster das Ende des Vertrags auf den Juni 2019 festgelegt. So darf Real direkt mit Spieler und Agent verhandeln und muss nicht den Umweg über den Club gehen. Das Talent landet tatsächlich in Madrid und verkündet: "Ich bin sehr stolz, für den besten Verein der Welt zu spielen."

Kubo gibt nach seiner Unterschrift in Madrid Auskunft – in fließendem Spanisch.

Dass dem FC Barcelona "Take", wie er genannt wird, nach drei Jahren in der eigenen Akademie durch die Lappen geht, bezeichnen Stimmen im Club laut der spanischen Zeitung "AS" als "größten Fehler Barças seit langer Zeit".

Der Spielstil

Auch wenn er den Vergleich nicht besonders mag, Takefusa Kubos Spielstil erinnert tatsächlich etwas an Lionel Messi. Mit 1,75 Metern Körpergröße und 68 Kilogramm Körpergewicht ist der Japaner kein physisch dominanter Spieler. Stattdessen zeichnet er sich durch sein Tempo und seine flinken Dribblings aus. Er kommt oft über die Seite und schleicht sich dann in Richtung Mitte, wo er den Abschluss sucht.

Kubo verfügt zudem über eine hervorragende Übersicht auf dem Spielfeld. Er läuft so, dass er gefährlich anspielbar ist, oder sieht selbst die Passlinien, um seine Teamkollegen in Szene zu setzen.

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Chiles Gary Medel (l.) und Charles Aranguiz versuchen Kubo (r.) zu stoppen. Bild: imago images / Action Plus / leo pinheiro

Natürlich hat der junge Japaner aber auch Schwächen. Wie schon angetönt, ist er eher klein gewachsen und leicht. Das macht es dem Gegner relativ einfach, ihn mit physisch intensivem Spiel vom Ball zu trennen. Alleine im Spiel gegen Chile registrierte Kubo neun Ballverluste, mehr als doppelt so viele wie jeder andere Spieler auf dem Platz.

Takefusa Kubo

Geboren: 4. Juni 2001
Nationalität: Japan
Position: Offensives Mittelfeld
Karrierebilanz:
J1 League – 24 Spiele, 5 Tore, 4 Vorlagen.
J. League Cup – 11 Spiele, 2 Tore.
J3 League – 34 Spiele, 5 Tore, 2 Vorlagen.​

Hype in Japan

Im "Land der aufgehenden Sonne" freut man sich bereits riesig auf den künftigen Superstar. Diesen Sommer gab Takefusa Kubo mit 18 Jahren sein Debüt im Nationalteam und kam auch an der Copa America zum Einsatz, die Japan als Hauptprobe für die Olympischen Spiele nächsten Sommer in Tokio nutzte.

Former FC Tokyo player Takefusa Kubo attends a farewell ceremony after the J1 League match at Ajinomoto stadium in Tokyo, Japan on June 29, 2019. The 18-year-old Japan international will join Spanish giants Real Madrid and initially play for its reserve team, Real Madrid Castilla. Noxthirdxpartyxsales PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY (107057140)

Bild: imago images / AFLOSPORT / motoo naka

"Sie sind schon verrückt nach ihm", erzählt Journalist Kentaro Koyama gegenüber der "AS". "Ich erwarte, dass er in kürzester Zeit genau so beliebt sein wird wie Baseballspieler Ichiro Suzuko oder Tennis-Star Kei Nishikori." Die "Kubo-Mania" geht sogar so weit, das DAZN Japan sich die Übertragungsrechte des International Champions Cup (ICC) gesichert hat, nur weil die Möglichkeit besteht, dass der Youngster dort erstmals für Real auflaufen könnte.

"In Japan ist Real Madrid sehr beliebt", sagt Kubo selbst. Das dürfte sich in den nächsten Jahren noch weiter steigern, sehr zur Freude der "Königlichen". Im Gegensatz zu China oder Korea haben sie nämlich in Japan bislang noch keine grossen Sponsorendeals abgeschlossen. Mit dem grössten Fussballjuwel des Landes in den eigenen Reihen dürfte sich das bald ändern.

Leben und Zukunft in Madrid

In der Vergangenheit hatten japanische Spieler immer wieder Mühe, sich bei europäischen Teams einzufügen. Der unterschiedliche Lebensstil und die Sprache waren große Hürden. Für Takefusa Kubo sollte dieser Schritt allerdings einfacher sein. Dank drei Jahren an der Nachwuchsakademie Barcelonas spricht er fließend Spanisch und ist sich das Leben auf dem fremden Kontinent bereits gewöhnt.

Real Madrid Japanese player Takefusa Kubo (C) trains at the Montreal Impact, in Montreal, Canada, 11 July 2019. Real Madrid training session in Canada !ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG! PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xJohanyxJutrasx AME5366 20190711-636984654501309903

Mittendrin: Takefusa Kubo, links neben ihm Luka Jovic. Bild: imago images / Agencia EFE / johany jutras

"Er weiß, wie die Topclubs in Europa funktionieren", heißt es seitens Real Madrid. Damit sich der Jungstar im Verein etwas wohler fühlt, haben sie auch dessen jüngeren Bruder Eiji Kubo verpflichtet. Der Zwölfjährige wurde in diesem Sommer in "La Fàbrica" aufgenommen. Das hat zur Folge, dass auch der Rest der Familie Kubo nach Madrid ziehen wird.

Momentan wird der Japaner noch auf dem Trainingsgelände des Vereins, der "Ciudad Real Madrid", wohnen und leben. Geplant ist, dass er in der kommenden Saison vorwiegend für Reals zweite Mannschaft, die "Castilla", aufläuft und langsam ans erste Team herangeführt wird, wie das auch schon mit Vinicius Junior gemacht wurde.

Die Saisonvorbereitung bestreitet Kubo aber mit der ersten Mannschaft. Er wird auch mit dem Team an den International Champions Cup reisen und vielleicht erste Testspiele bestreiten. "Die Spieler und die Trainer sind sehr freundlich, ich lebe mich gut ein", gibt das Juwel nach den ersten Trainings Auskunft. Er sei äußerst beeindruckt von der Qualität jedes einzelnen Spielers. Der Japaner wolle die Zeit aber auch genießen, schließlich bekomme nicht jeder eine solche Chance.

"Ich lerne viel – als Fußballer und als Mensch. Ich habe eine großartige Zeit", führt Kubo aus. Experten sehen ihn schon jetzt näher an der ersten Mannschaft als ursprünglich erwartet. Und seine Ziele? Als Fußballer wolle er natürlich immer ganz oben sein. Im Moment sei es ihm aber wichtiger, an sich selbst zu arbeiten, als an die Rolle im Team zu denken: "Ich kenne mein Potential und ich werde versuchen, die Leiter Schritt für Schritt nach oben zu klettern."

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