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ARCHIV - 09.03.2020, Hessen, Wiesbaden: Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts f

Sandra Ciesek ist Professorin für Virologie und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie in Frankfurt. Nun sorgt ein "Spiegel"-Interview mit ihr für Aufsehen. Bild: dpa / Frank Rumpenhorst

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Nach großer Debatte um sexistische Interviewfragen: "Spiegel" lenkt ein und zeigt Einsicht

Ein Interview des "Spiegel" sorgt für Kritik und Diskussionen in den sozialen Medien. Das Magazin hat ein Gespräch mit Virologin Sandra Ciesek veröffentlicht, in dem sie als "Quotenfrau" bezeichnet wird. Außerdem klinge ihr Moderationsstil "ein wenig nach Volkshochschule", heißt es in dem Interview. Ciesek ist Professorin für Virologie und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie in Frankfurt. Seit September informiert sie im Wechsel mit Christian Drosten im "NDR"-Podcast "Coronavirus-Update" über das Coronavirus.

Bereits im Mai hatte auch Cieseks Kollege Drosten dem "Spiegel" ein Interview gegeben. In den ersten Absätzen ging es damals um Drostens neue Berühmtheit und seine herausgestellte Rolle bei der Bekämpfung der Pandemie. Fünf Monate später trafen sich dieselben Redakteurinnen nun mit Ciesek – und befragten sie zunächst zu ihrem Geschlecht. Diese Vorgehensweise kritisieren nun Nutzerinnen und Nutzer auf Twitter. Auch prominente Persönlichkeiten wie Luisa Neubauer melden sich zu Wort.

Prominente Kommentare zum Interview bei Twitter

Journalistin Teresa Bücker, Kolumnistin für das "SZ-Magazin" und ehemalige Chefredakteurin von "Edition F", machte ihren Unmut über den Beginn des Interviews deutlich, indem sie auf Twitter mit einem Augenzwinkern dazu aufrief, "freche" Einstiegsfragen an Männer zu sammeln. Damit drehte sie den Spieß einmal um – und erreichte große Resonanz.

In den Kommentaren zu Bückers Tweet äußern sich etliche betroffene Frauen. Sie schildern ihre persönlichen Interview-Erlebnisse und machen Vorschläge, wie Männer entsprechend befragt werden könnten.

Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen:

Klimaaktivistin Luisa Neubauer:

Ärztin und Autorin Natalie Grams:

Bloggerin und Netzaktivistin Katharina Nocun:

Linken-Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg:

Journalistin Hatice Akyün:

Auch Sandra Ciesek selbst äußerte sich zu den betreffenden Stellen des Interviews. Sie sei überwältigt, was das Thema für Wellen schlage, postete sie auf Twitter: "Ich war auch irritiert von den provokanten Fragen und deren Sinn. Einschüchterung? Schlagzeilen? Führt jedenfalls dazu, dass Frau sich weiter aus solchen Dingen zurückzieht. War das die Mission?"

"Es war nie unsere Intention, Frau Cieseks Kompetenz in Frage zu stellen": Das sagt der "Spiegel"

Rafaela von Bredow, eine der beiden Interviewerinnen, reagierte auf die Kritik. Auf Twitter schrieb sie, dass die Virologin im Gespräch nicht angemerkt hätte, dass sie die Fragen unangemessen fände und dies auch nicht bei der schriftlichen Freigabe des Interviews getan habe.

Nach der öffentlichen Kritik aktualisierte der "Spiegel" eine Frage um die Information, dass es sich bei der Formulierung "die Neue an Drostens Seite" um ein Zitat von "Bild"-Zeitung und "Berliner Zeitung" handle.

Das Interview sollte nicht nur auf die ersten drei Fragen reduziert werden. Aus diesem Grund schaltete das Hamburger Nachrichtenmagazin das Gespräch als Reaktion auf die Vorwürfe auch online kostenlos frei.

Gegenüber watson teilt der "Spiegel"-Verlag außerdem mit: "Wir haben in unserer montäglichen Redaktionskonferenz über das 'Spiegel'-Gespräch mit der Professorin Sandra Ciesek und die damit einhergehende Kritik kontrovers diskutiert. Unsere Interviews sind oft hart in der Sache und meist auch im Ton. Das lässt sich im Journalismus nicht verhindern, es ist im Gegenteil gewollt. Aber in diesem Fall können wir nachvollziehen, dass die Einstiegsfragen im Ton als unangemessen empfunden worden sind." Und weiter: "Es war nie unsere Intention, Frau Cieseks Kompetenz in Frage zu stellen, und wir bedauern, dass dies so verstanden wurde."

(hau)

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"Liebig34": Tagesschau erntet Kritik für Berichterstattung – und reagiert

Die Räumung des besetzten Hauses "Liebig34" im Berliner Stadtteil Friedrichshain am Freitag war auch über die Berliner Stadtgrenzen hinaus ein viel beachtetes Ereignis. Das Haus ist ein Symbol der linksradikalen Szene, um das lange heftig gestritten wurde.

1500 Polizisten waren bei der Räumung im Einsatz. Wie die Beamten erklärten, wurden rund 60 Menschen aus dem Haus in der Liebigstraße 34 geführt. Dabei habe es vereinzelt Widerstand gegeben. Ansonsten sei die Räumung aber friedlich verlaufen.

Bei …

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