Coronavirus
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Carola Holzner arbeitet seit einiger Zeit in 24-Stunden-Schichten. Bild: Stern TV/Screenshot

"Stern TV": Oberärztin spricht über Klinik-Alltag und Corona-Skeptiker

Seit Wochen steigen die Corona-Zahlen, nächste Woche folgt, wenn auch etwas abgespeckt, ein zweiter Lockdown. Kultursegmente wie Kinos werden geschlossen, Bars und Restaurants müssen ihren Gastbetrieb einstellen – Essen zur Abholung ist okay. Infektionszahlen sollen so gesenkt und Krankenhäuser damit künftig entlastet werden. Denn aktuell ist viel zu tun.

Das zeigt etwa ein Beitrag von "Stern TV". Darin begleitete ein Fernsehteam die Oberärztin der Essener Uniklinik, Carola Holzner, für einen Tag – und der ist, wenig überraschend, geprägt vom Coronavirus. Dabei geht es jedoch nicht ausschließlich um die damit verbundene Krankheit Covid-19, doch mehr dazu später.

Aus dem Alltag einer Klinik-Ärztin

Kurz nachdem Holzner das Krankenhaus betritt, taucht auch schon der erste Verdachtsfall auf.

"In den letzten zwei Wochen merkt man einen Anstieg. Die Anzahl der Patienten, die sich vorstellen, weil sie sichergehen wollen, Symptome haben oder wirklich krank sind, nimmt jetzt zu."

Carola Holzner

Der Verdachtsfall ist negativ. Trotzdem kosten auch solche Fälle Zeit, die an anderer Stelle fehlen könnte. Nötig sind die Maßnahmen dennoch. Wie gesagt, die Zahlen steigen, übersehen die Ärzte einen Fall, wäre das fatal.

Die Stadt Essen, ein Corona-Hotspot

Im Uniklinikum Essen werden zum Zeitpunkt der Aufnahme 80 Corona-Infizierte behandelt. In der nordrhein-westfälischen Stadt hat es zwischen dem 21. und 27. Oktober 744 Neuinfektionen gegeben, damit liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bei 127,7 – Essen ist also ein Corona-Hotspot. Aktuell gelten in Nordrhein-Westfalen derzeit über 36.245 Personen als aktiv an Covid-19 erkrankt.

Der starke Anstieg in Essen kam plötzlich. So hieß es Anfang Oktober noch, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner unter 50 liege. Im Uniklinikum waren zu dem Zeitpunkt 20 Corona-Patienten stationiert. "Wir haben mittlerweile Kapazitätsgrenzen erreicht, was das Isolieren einzelner Patienten betrifft", sagt Carola Holzner.

Wenn die Leugner auftauchen

Neben der Arbeit mit den Corona-Fällen sowie Patienten mit anderen Erkrankungen erreichen die Ärztin auch Mails von Corona-Skeptikern. "Hören Sie auf mit dieser von der Politik verordneten Panikmache. Ich bin kein Verschwörer nur ein Mensch mit Verstand, der Ihnen anscheinend fehlt", heißt es darin etwa. Auf Facebook macht Holzner unter dem Namen "Doc Caro" ihrem Ärger darüber Luft, ruft Maskenverweigerer auf, sich an die Regeln zu halten.

Mails von Skeptikern, Covid-19-Patienten und der weitere Klinik-Alltag: Für Holzner sind 24-Stunden-Schichten keine Seltenheit. Ein Ende ist bisher noch nicht in Sicht. Hinschmeißen will die Oberärztin aber nicht.

"Ich werde weitermachen. Ich bin Ärztin geworden, weil ich Menschen helfen möchte, unabhängig von ihrer Erkrankung."

Carola Holzner

Konditionell hofft sie, dass sie durchhält. Denn auch für sie ist die Situation neu. Auf die Frage, ob es genug Intensivbetten gibt, sagt sie, dass man das nicht einfach auf eine Zahl herunterbrechen könne. Denn nicht nur die Intensivbettenanzahl ist entscheidend, sondern auch die Menge des Pflegepersonals, das die Patienten dort behandelt. Und davon gibt es laut Holzner derzeit zu wenig.

Zu den Skeptikern, die etwa anmerken, dass im Vergleich zum Frühjahr viel weniger Patienten stationär behandelt werden, sagt sie: "Für mich zählt der Patient in der Notaufnahme, nicht die Zahlen. Und ich sehe, dass die Anzahl der Patienten angestiegen ist. Ich sehe die Patienten, ich behandle die Patienten, wie die Statistiken ausfallen, ist mir egal."

(tkr)

"Ich bin es leid": Virologin Brinkmann mit leidenschaftlichem Appell

Auf der Bundespressekonferenz am Dienstag sprachen unter anderem Jens Spahn und der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade. Spahn sprach im Zusammenhang mit Corona von einer "Mammutaufgabe" für Regierung und Gesellschaft.

Zu Gast auf der Bundespressekonferenz war auch Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie kam erstmal einige Minuten zu spät, weil ihr Zug Verspätung hatte. Dafür legte sie dann umso vehementer los.

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