Cute blonde boy eating large hamburger at fast food restaurant. Unhealthy meal for kids. Junk food. Overweight problem child.

Beim Restaurantbesuch mit dem Kind landet das Essen nur selten da, wo es hingehört. Bild: iStockphoto / SbytovaMN

Warum Restaurantbesuche mit Kind reine Geldverschwendung sind

"Schonungslos ehrlich" – die Mama-Kolumne ohne Insta-Filter

Eine Sache, die ich sehr vermisse? Restaurantbesuche. Exotische Gerichte aus einer Menükarte wählen, die man sich selbst nie kochen würde. Eine Vorspeise bestellen. Irgendein fancy Getränk dazu nehmen. Nachspeise ja, nein, oder doch einen Espresso Macchiato? Bedient werden. Keine Geschirrspülmaschine einräumen. Nicht abwaschen. Keine Essensreste aus dem Kinderstuhl und dem darunterliegenden Teppich kratzen.

Scheinbar bringt mich diese Pandemie dazu, Situationen zu verklären. Denn Restaurantbesuche dieser Art, die ich ausschließlich mit Erwachsenen verbringe, waren – auch ohne Lockdown – äußerst selten geworden. Meistens sah das ganz anders aus. Nachdem unsere Gehirne nach einem gewissen Zeitraum den letzten stressigen Versuch, mit Kleinkind essen zu gehen, erfolgreich ausgeblendet hatten, wagten wir es wieder. Das Bedürfnis, auf Einkaufen, Kochen, Abwasch und Putzerei zu verzichten, war zu groß geworden. Also betraten wir zuversichtlich ein Restaurant.

Beim Essen wird auch der Salzstreuer ganz schnell zum Spielzeug

Schon geht es los: Mit Blick auf unser Kind bekommen wir einen Platz in der Ecke zugewiesen. Ich finde es ok, nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit zu sitzen, aber wenn es dann doch der letzte Tisch vor dem Toiletten-Zugang ist, obwohl noch einige frei zu sein scheinen, frage ich nach. Angeblich hat nur dieser Tisch Platz für einen Kinderstuhl. Bei den anderen wäre er im Weg. Da wir auch noch den zusammengeklappten Buggy verstauen müssen, gebe ich mich geschlagen.

Wir sitzen. Wir bestellen das Essen. Und in dem Moment, in dem wir darauf warten, fällt mir ein, dass ich natürlich wieder vergessen habe, das halbe Kinderspielzimmer einzupacken. Ich bewundere Mütter, die grundsätzlich einen Rucksack mit Malbuch, Stiften, Tierfiguren, Matchbox-Autos oder sonstigen Beschäftigungstherapien dabei haben. Also sucht sich unser Sohn sein Spielzeug selbst: Den Salz- oder Pfefferstreuer, der schneller auf dem Tisch entleert wird als ich danach greifen kann. Oder die Servietten, nur dass wir eben nicht beim Griechen sitzen, wo es möglicherweise keinen stören würde, wenn sie eine nach der anderen durch die Luft gewirbelt werden und auf dem Boden landen.

"Wir geben unserem Sohn ein paar unserer Beilagen. Er beißt zweimal rein und beschließt, dass es ihm nicht schmeckt."

Nachdem wir ihm alles weggenommen haben, langweilt er sich. Also runter vom Sitz und durchs Restaurant rennen, zum Beispiel in die Küche. Einer von uns muss mit. Und je nach Restaurantgröße ist schnell klar: Das wird nichts. Also raus mit dem Kind vor die Tür. Und ich? Bleibe zurück und greife automatisch zum Handy. Doch dann kommt das Essen und ich kann die beiden nicht sehen. Also fange ich schon mal an, das Fenster im Blick. Irgendwann entdecke ich meinen Mann, ich winke wie verrückt. Mache wilde Handbewegungen und Zeichen, dass er reinkommen soll.

Der Restaurantbesuch muss in Betreuungschichten eingeteilt werden

Wir geben unserem Sohn ein paar unserer Beilagen. Er beißt zweimal rein und beschließt, dass es ihm nicht schmeckt. Er fängt an, im Essen zu matschen, es auf dem Tisch zu verteilen. Wir unterbinden das, er wird wütend und laut. Der Klassiker passiert: Sein Glas fällt um. Alle schauen her, war ja zu erwarten. Wir wischen das Wasser mit den zerfetzten Servietten auf, die ich vom Boden retten konnte.

"Ich werfe einen Blick unter den Tisch und erschrecke. Die Hälfte der Beilagen liegt unter dem Kindersitz verteilt."

Ich schlinge schnell ein paar Löffel runter, um die nächste Betreuungsschicht zu übernehmen. Mein Mann isst alleine weiter und findet es ungemütlich. Ich komme später wieder rein und esse den kaltgewordenen Rest mit Kind auf dem Schoß. Mein Sohn langt in mein Essen, es nervt einfach nur.

Okay, wir geben auf. Hier ist das iPhone, Netflix Kids, und jetzt ciao. Ja, wir sind eine von den Familien, über die wir uns früher immer wunderten, weil die Kinder während des Essens mit Tablets und Smartphones ruhiggestellt wurden. Entschuldigung, aber wenn ich 70 Euro für ein Mittagessen zahle, möchte ich davon etwas haben.

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Unsere Autorin berichtet über die unschönen Seiten des Mutterdaseins – schonungslos ehrlich. Bild: Emmy Lupin Studio

Unsere Autorin...

... wurde mit Anfang 30 Mutter. Und kommt noch immer nicht damit klar, dass ihr altes, schönes Leben seitdem vorbei ist. Sie ist wütend, dass Eltern nie den Mut hatten, zu erzählen, was es wirklich bedeutet, ein Kind zu haben. Aus diesem Grund legt sie alle zwei Wochen den Finger in die Wunde – und berichtet schonungslos. Und weil sie weiß, dass Mütter sehr giftig werden können, wenn es um ihr Heiligstes geht, bleibt sie lieber anonym. Die täglichen Entrüstungsstürme ihres Sohnes reichen ihr völlig aus.

Ich werfe einen Blick unter den Tisch und erschrecke. Die Hälfte der Beilagen liegt unter dem Kindersitz verteilt. Ich schäme mich dafür, möchte aber auch nicht nach Kehrblech und Besen fragen und unter dem Tisch rumkriechen. Mit einer der nassen Servietten versuche ich, die gröbsten Reste aufzulesen.

Das Restaurant verlasse ich auch manchmal, weil ich mich schäme

Nachtisch? Nein, danke! Wir sind wirklich totaaaal satt. Heißt übersetzt: Wir verschwinden mal lieber bevor es hier noch komplett eskaliert und wir für die Renovierung aufkommen müssen.

Ich gebe viel Trinkgeld, um mein schlechtes Gewissen zu besänftigen. Spätestens im Auto, das fünf Blocks weiter steht, weil man in dieser verdammten Stadt einfach keinen Parkplatz findet, sind wir uns einig: Das nächste Mal lassen wir wieder Essen liefern! Das Kind kann dann jederzeit in seiner Spielecke im Wohnzimmer verschwinden. Und wir genießen ungestört unser Essen – natürlich direkt aus den Pappschalen, damit bloß kein Geschirr anfällt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Soeana 17.05.2021 11:22
    Highlight Highlight Inzwischen meckert sie nur noch um zu meckern. Kleine Kinder matschen nunmal. Warum sollte ein 18 Monate altes Kind (laut Kolumne ist das Kind etwa 3 bis 3,5. Vor Corona also unter 2!) das im Restaurant plötzlich nicht mehr machen wenn es das zu Hause immer macht? So sind Kinder in dem Alter
  • Alter Mann 16.05.2021 17:42
    Highlight Highlight Ich persönlich finde die heutige Kochart sowieso völlig übertrieben. Das hat natürlich mit dem Überangebot an Lebensmitteln zu tun und mit der Unfähigkeit vieler Köche sich durch gesundes, normales Essen zu profilieren. Dazu kommt noch dass die Gäste am liebsten die Hälfte stehen lassen weil das wahrscheinlich Hipp ist. Es wird auch gelehrt das das Auge mitisst, ich persönlich hasse Augen die Zähne haben und deren Sehnerven bis in den Darm gehen. Aber jedem das seine.
  • Alter Mann 16.05.2021 17:37
    Highlight Highlight Nun da ich schon oft genug gezwungenermassen im Restaurant gegessen habe, verstehe ich überhaupt nicht wieso es ein Vergnügen ist im Restaurant zu essen. Für mich war es das nie. Wenn ich dann noch die Story hier lese dann verstehe ich dies doppelt nicht. Mit meinen Enkeln gehe ich höchsten zu Mc oder so was ähnlichem. Ich ziehe es vor für sie zu kochen oder auch noch besser aufs Land zu fahren wo es Bauernhöfe gibt, welche etwas uriges kochen und die Kinder etwas vernünftiges zu essen bekommen. Da brauche ich an keine Spielsachen zu denken.

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