Coronavirus
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Ist dieses Virus einem Fledermaus-Labor im Zentrum der chinesischen Stadt Wuhan entflohen? Bild: t-online

Coronavirus: Forscher verdächtigt Labor neben Wuhans Fischmarkt

Es galt als Verschwörungstheorie, dass ein chinesisches Labor etwas mit dem Ausbruch des Coronavirus zu tun haben könnte. Jetzt könnte doch etwas daran sein – aber anders als gedacht.

Lars Wienand / t-online

Zwei chinesische Wissenschaftler halten es für möglich, dass ein Labor im Zentrum von Wuhan den Ausbruch des Coronavirus Covid-19 ausgelöst hat. Nur rund 300 Meter von dem Fischgroßmarkt mit den ersten Fällen wird demnach an Viren in Fledermäusen geforscht, um auf Ausbrüche besser vorbereitet zu sein. Rätsel gibt auf, dass der Text der Wissenschaftler wieder von der Internetseite verschwunden ist. Das chinesische Forschungsministerium hat parallel höhere Standards für die Arbeit mit Viren in Laboren verkündet.

Ein Teil der Forschungsarbeit im Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention in einem neuen Hochhaus in Wuhans Jianghan-Distrikt beginnt Hunderte Kilometer entfernt in fast völliger Dunkelheit. Forscher nutzen dort Höhlen mit Fledermäusen als Jagdgrund, erst im Dezember hat ein Shanghaier TV-Sender ein Video veröffentlicht: Unter schwierigen Bedingungen mit Schutzanzügen suchen Virenjäger nach Spuren noch unbekannter Krankheitserreger. Analysiert werden diese dann in Wuhan.

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Hochriskant: In Höhlen im Gebirge suchen Forscher nach Fledermäusen, weil die Tiere Brutstätte von Viren sind. Proben stehen nun in Verdacht, in Wuhan den Ausbruch mitverursacht zu haben. Bild: Screenshot China Science Communication/SMG Kankanews

So könnte sich erklären, wie der Fischgroßmarkt von Wuhan zum mutmaßlichen Ausbruchsort der Krankheit wurde. Ein Großteil der ersten Infizierten war zuvor dort gewesen. Das dort auch nachgewiesene Virus war zuvor in ähnlicher Form nur in 900 Kilometer entfernt lebenden Hufeisennasen-Fledermäusen der Art Rhinolophus affinis festgestellt worden. Auf dem Fischmarkt gibt es aber solche Fledermäuse nach allen bisherigen Erkenntnissen nicht. Ein anderes Tier könnte Zwischenwirt sein, ist eine Theorie.

600 gefangene Fledermäuse in der Nachbarschaft

Der Biologe Botao Xiao hat eine weitere Erklärung. Der Professor der renommierten South China University of Technology ging mit einem Co-Autor der Frage nach, ob und wo in Wuhan mit Viren in Fledermäusen geforscht wird. Tatsächlich stieß er auf zwei Labore. In dem Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention werde nur 300 Meter von dem Fischmarkt entfernt mit Fledermausproben gearbeitet.

Dort habe es auch 600 gefangene Fledermäuse aus den Höhlen gegeben, unter anderem auch der Art Rhinolophus affinis. Den Tieren wurden Proben entnommen. "Die Gewebeproben und kontaminierten Abfälle waren eine Quelle von Pathogenen", so Xiao.

Fledermäuse haben ein einzigartiges Immunsystem, das auf Viren sehr schnell und wirkungsvoll anspricht. In ihnen entstehen so aber Viren, die sich sehr schnell reproduzieren und hoch übertragbar sind. Tollwut, SARS, Ebola – die Erreger finden sich jeweils in Fledermäusen. Ihre Höhlen sind eine reiche Fundgrube für Virologen. Im Video aus dem Dezember ist zu sehen, wie der Wuhaner Forscher Tian Junhua in der Brutstätte der Viren Beute macht.

"Wenn wir mit unbedeckter Haut hineingehen würden, können wir leicht mit dem Kot von Fledermäusen in Kontakt kommen, der alles kontaminiert", sagt Junhua in dem Video. "Es ist also sehr riskant hier. Man hat die Angst vor Ansteckung und geht entsprechend vorsichtig vor. Wenn man auf ein Virus stößt, ist man ihm auch höchstwahrscheinlich direkt ausgesetzt." 2016 meldeten chinesische Medien, dass vor allem dank ihm in fünf Jahren rund 1'500 Viren entdeckt wurden.

Forscher ging mehrfach in Quarantäne

2016 meldeten chinesische Medien, dass vor allem dank Junhua in fünf Jahren rund 1.500 Viren entdeckt wurden.

Mehrfach hat er sich aus Vorsicht wegen Hautkontakts mit Fledermaus-Blut, Urin und Kot selbst in Quarantäne eingewiesen, berichteten chinesische Zeitungen. Wurde nun im Labor in der Millionenstadt Wuhan mit dem Risiko zu leichtfertig umgegangen?

Biologe Botao Xiao schreibt, er halte ein Sicherheitsleck für plausibel. Demnach sei das Virus aus dem Labor gelangt, erste Patienten seien so angesteckt worden. Für den Nachweis seien aber weitere Studien nötig. Er wirft aber auch die Frage nach Vorschriften auf, solche Laboratorien an Orte weit weg vom Stadtzentrum und anderen dicht besiedelten Orten zu verlegen.

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Desinfektionseinsatz auf dem Fischgroßmarkt von Wuhan: Ende 2019 tauchten die ersten Bilder und Meldungen von einer neuen unbekannten Lungenkrankheit auf. Bild: Screenshot Twitter/Radio Free Asia

Neben dem Zentrum für Seuchenbekämpfung und -Prävention gibt es zwölf Kilometer entfernt ein weiteres Labor, das Viren von Fledermäusen untersucht. 30 Kilometer entfernt ist ein Labor der höchsten Sicherheitsstufe vier. In der ersten Zeit nach dem Ausbruch gab es auch Verschwörungstheorien, das Virus könne dort bei Experimenten für Biowaffen entstanden sein. Dafür gibt es aber keinerlei Anhaltspunkte.

Keine Erklärung für Verschwinden des Beitrags

Für die Verbindung des Behördenlabors in Nachbarschaft des Fischmarkts liefert auch Biologe Botao Xiao keine belastbaren Beweise. Der nach den Angaben dort von der National Natural Science Foundation of China geförderte Beitrag war am Samstag wieder verschwunden. Veröffentlicht worden war er am Freitag ohne eine Begutachtung durch andere Wissenschaftler (Peer-Review) auf researchgate.net. Xiao, der auch in Harvard in den USA geforscht hat, hat dort in der Vergangenheit mehrfach publiziert. Am Samstag verschwand aber auch sein komplettes Profi dort.

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"The possible origins of 2019-nCoV coronavirus": Der Beitrag auf der Plattform researchgate.net ist verschwunden, das Profil des Biologen Botao Xiao ebenso. Bild: Screenshot researchgate.net

Auf eine Anfrage von t-online.de antwortete er zunächst nicht, auch andere Medien bekamen keine Auskunft. researchgate.net beantwortete eine Anfrage von t-online.de zur Löschung zunächst nicht. Das Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention beantwortete eine Anfrage auch nicht.

Chinas Wissenschaftsministerium erklärte unterdessen am Samstag chinesischen Medien zufolge, die Sicherheit in Laboratorien, die mit Viren arbeiteten, müsse erhöht werden. Dazu seien auch neue Richtlinien herausgegeben worden. Das ist aber keine Bestätigung dafür, dass es in einem Labor in Wuhan eine Panne gegeben haben könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de.

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