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Nervous Woman Holding Armrests Tight In Airplane

Wer möchte nicht gerne im Flieger thronen wie ein König? Rücksicht auf den Sitznachbarn ist jedoch wichtiger als Komfort. Bild: Getty Images/iStockphoto

Ärger im Flugzeug: Wer bekommt die Armlehnen?

Fliegen ist irgendwie schön, irgendwie aber auch anstrengend. Denn sobald wir im Flugzeug sitzen, stoßen wir auf einige moralische Fragen. Darf ich beide Armlehnen benutzen? Darf mein Sitznachbar das? Und warum zum Teufel schlägt mir der Vordermann seine Rückenlehne zwischen die Beine? So könnte es noch eine Weile weitergehen.

Es folgen wüste Streitgespräche, möglicherweise Handgreiflichkeiten. Und wie bei so ziemlich jedem Konflikt liegt es auch hier an mangelnder Kommunikation. Um ihn also zu vermeiden, hilft es sich unseren kleinen Flugzeug-Knigge durchzulesen. Viel Spaß.

Armlehnen: Sprechen statt Revierkampf

Wem gehören die Armlehnen? Niemandem. Die Armlehnen sind ein rechtsfreier Raum – zumindest überlassen die Fluggesellschaften sie ihren Passagieren. Bevor es aber in eine Art Revierkampf ausartet, in dem Ellbogen aufeinander knallen wie die Hörner zweier Ziegenböcke, sollten wir uns lieber auf die Kunst des Teilens konzentrieren. Immerhin sitzen wir im Flugzeug, nicht im Autoscooter.

Doch teilen wird zu einer schwierigen Angelegenheit, wenn wir unseren Sitznachbarn nicht kennen. Wir müssen uns also arrangieren. Besonders, weil in der Economy-Class für zwei Menschen nur drei Armlehnen beziehungsweise für drei vier zur Verfügung stehen.

Bei Zweiersitzen können die Sitznachbarn die Lehnen zwischen sich einfach ignorieren. Eine haben sie ja ohnehin. Andernfalls können sie sich noch absprechen. Letztlich fühlt sich so niemand auf den Schlips getreten, pardon, um die Armlehne betrogen. Bei Dreiersitzen können hingegen der Linke und der Rechte ihre Armlehnen dem armen Tropf auf dem Mittelsitz überlassen. Eingequetscht zwischen zwei Unbekannten ohne die schöne Aussicht oder der Ausweichmöglichkeit auf dem Gang, ist der Flug schon unangenehm genug.

Übrigens: Nicht nur die Lehnen sorgen für ein hohes Konfliktpotential. Auch das Eindringen in das Hoheitsgebiet des Sitznachbarn kann zu Streit führen. Liest du etwa gern Zeitung, dann breite sie nicht über drei Plätze aus, wie du es vielleicht am Frühstückstisch tust. Falte sie auf ein Drittel, Viertel oder Achtel. Oder bastle dir einen Hut – Hauptsache, du nervst deinen Nachbarn nicht.

Neuer Sitzplatz: Wenn es zu viel wird

Zeigt sich der Sitznachbar nicht einsichtig, ist körperlich erschreckend überlegen und nimmt entsprechend gefühlt den Platz einer gesamten Reihe für sich ein, kann ein Platzwechsel möglicherweise nicht schaden. Nach einem kurzen Gang zum Servicepersonal könnte sich das Problem um den unangenehmen Sitznachbar in Wohlgefallen auslösen.

Leider gibt es kein Anrecht auf einen neuen Platz. Ist aber einer frei und der Flugbegleiter oder die Flugbegleiterin in guter Stimmung, findest du dich vielleicht in einer etwas angenehmeren Umgebung wieder.

Rückenlehnen: Meist nur für einen bequem

Wir können unsere Rückenlehnen verstellen, doch tun müssen wir das nicht. So verlockend es auch scheint, in einer Art Liege durch die Lüfte zu gleiten, so quälend ist es für diejenigen, die hinter den Lehnen sitzen. Lässt unser Vordermann seine Lehne etwa nach hinten schnellen, arrangiert er nicht selten unser Mittagsmenü neu – auf unserem Schoß. Das gilt aber eher für Billiglinien. Teurere Anbieter haben mittlerweile auch größere Abstände zwischen den Sitzreihen.

Blaue Flecken an den Knien sind ebenfalls eine nicht seltene Folge. Entsprechend sollte immer abgesprochen werden, ob es okay ist, die Lehne zu verstellen. Sollte das nicht der Fall sein, müssen wir das respektieren. Landet eine Lehne dann doch zwischen unseren Beinen, schadet Kommunikation ebenfalls nicht.

Wütend vor sich hinmurmeln oder laut wettern, sind nicht zielführend. Immerhin sitzt der Vordermann am längeren Hebel. Keiner kann ihn zwingen, seinen Sitz zu verstellen. Deshalb wäre es besser, darauf zu achten, dass er uns wohlgesonnen ist.

Ob Rücken-, Armlehne oder ein neuer Platz, an sich ist es einfach: sprechen, sprechen, sprechen. Immerhin sitzen wir doch alle im gleichen Boot Flieger.

(tkr)

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