Caucasian Senior female doctor explaining and giving advice to Asian patient in medical room together. Mature physician and Young woman wear protective face masks talking together in hospital.

Eine Hausärztin spricht mit einer Patientin über die Behandlung. Seit Ostern dürfen Hausärzte auch Impfstoffe verabreichen. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / eggeeggjiew

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Hausärztin über Impfstart: "Wir hoffen darauf, dass wir bald auch junge Menschen impfen können"

Die lang ersehnte Corona-Impfung ist nun in den Hausarztpraxen angekommen: Nachdem seit kurz nach Weihnachten bereits in Impfzentren und durch mobile Teams die obersten Prioritätsgruppen geimpft werden, dürfen nun auch Hausärzte ihre Patienten mit Impfstoff versorgen. Dadurch wurde am Donnerstag bereits der Rekord geknackt: Über 500.000 Menschen wurde ein Präparat zur Immunisierung gegen Corona an einem Tag gespritzt.

Während in anderen Ländern wie Großbritannien oder den USA schon längere Zeit im Akkord geimpft wird, läuft die Kampagne in Deutschland schleppend an. "Der Impfstart in den Praxen war leider viel zu spät", sagt auch Heidi Weber, Internistin aus der Eifel in Rheinland-Pfalz, gegenüber watson. "Wir hatten gehofft, dass wir schneller mit den Impfungen beginnen könnten. Auch haben wir nun 50 Prozent weniger Impfdosen bekommen, als ursprünglich vereinbart."

Etwa 24 Impfdosen pro Praxis wurden in der ersten Woche ausgegeben, die recht zeitnah verimpft werden müssen. Denn verlässt der Impfstoff die Kühlkette einmal, muss er innerhalb weniger Tage genutzt werden. "In den Hausarztpraxen werden bis spätestens Freitag alle gelieferten Impfdosen verimpft sein", bestätigt auch die Allgemeinmedizinerin Barbara Römer gegenüber watson. Ab Ende April sollen mehr Dosen geliefert werden.

Bei den Patienten herrschte große Freude

Weber hat bereits Anfang März begonnen, ihre Patienten zu impfen: Dabei hat sie das Vakzin Angehörigen der ersten Impfgruppe verabreicht, die weder im Pflegeheim wohnen, noch selbst ein Impfzentrum aufsuchen können, sondern von Angehörigen zu Hause gepflegt werden.

Bei den Patienten herrschte damals schon große Freude, berichtet Weber: "Gerade den älteren Patienten hat die soziale Isolation sehr zugesetzt und sie waren froh, bald wieder ihre Enkelkinder in den Arm nehmen zu dürfen", sagt die Ärztin. "Sie wissen, sie haben nicht mehr viel Zeit, um die Kinder aufwachsen zu sehen. Deswegen ist die Corona-Impfung ein wahrer Sonnenschein für sie." Mittlerweile haben Webers Patienten, die im März ihre erste Dosis erhalten hatten, auch die zweite Impfung bekommen.

"Ab kommender Woche werden wir bevorzugt den Impfstoff von Astrazeneca bekommen, weil sich nun 60 bis 70-Jährige für die Impfung melden können", so Weber weiter. Gerade um diesen Impfstoff sind in jüngster Zeit heftige Diskussionen entbrannt, nachdem vor allem bei jüngeren Menschen in sehr seltenen Fällen Thrombosen kurz nach der Impfung aufgetreten sind. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff deswegen auf über 60-Jährige angepasst. Laut Weber sind allerdings die meisten Menschen auch dieser Altersgruppe froh, nun geimpft werden zu können: "Die wenigsten sagen, dass sie Astrazeneca nicht vertrauen."

Um auf Nummer sicher zu gehen, werden Weber sowie ihre Mitarbeiter, wie wahrscheinlich andere Arztpraxen auch, sich dazu entschließen, die Vorgeschichte ihrer Patienten noch einmal eingehend zu überprüfen "und einen anderen Impfstoff auswählen, wenn möglich, sollten wir Zweifel bei der Verabreichung von Astrazeneca haben." Bisher gab es allerdings noch keine Komplikationen nach den Impfungen.

Home healthcare nurse giving injection to elderly woman.

Auch in den Hausarztpraxen werden zuerst noch ältere Patienten geimpft. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Bojan89

Bis zu 250 Patienten haben sich pro Tag für einen Impftermin gemeldet

Der Andrang für die Impfung in den Praxen war recht groß. "Wir erstellen bereits seit einigen Wochen Wartelisten für Impfwillige", so Römer. "Wir priorisieren diese bei der Terminvergabe je nach aktuell gültiger Priorisierungsgruppe und zusätzlich gemäß unserer individuellen ärztlichen Einschätzung." Weil die Wartelisten so lang sind, ist es laut Römer kein Problem, einen spontan abgesagten Termin durch einen mit einem anderen Patienten zu ersetzen. "Es wird keine Dosis verworfen", sagt Römer.

Auch Weber hat in ihrer Praxis eine Warteliste angefertigt und telefoniert die Patienten durch, um ihnen einen Termin anzubieten. "An einem Tag haben sich etwa 250 Patienten für einen Impftermin gemeldet", berichtet Weber. Allerdings gibt sie zu bedenken: "Wir haben immer noch keine Aussicht darauf, bald genügend Impfstoff für alle Impfwilligen zu haben."

Römer kritisiert außerdem, dass die Hausarztpraxen nur vier bis fünf Tage vorher über die tatsächliche Menge des Impfstoffs informiert werden, der geliefert werden kann, "sodass nur ein sehr enges Zeitfenster besteht für die Einbestellung von Patienten." Das erhöht den Arbeitsaufwand vor allem für medizinische Fachangestellte massiv. "Eine längerfristige Planung von Impfterminen ist derzeit unmöglich", sagt Römer. "Hier wird sich die Situation erst entspannen, wenn unbegrenzte Mengen an Impfstoffen auf dem Markt verfügbar sind. Die nächsten Wochen werden daher für die Praxisteams nochmals eine maximal arbeitsintensive Zeit."

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Bald könnten Hausärzte auch junge Menschen impfen. (Symboldbild) Bild: E+ / valentinrussanov

Auch junge Menschen sollten bald geimpft werden

"Wir hoffen darauf, dass wir möglichst bald auch junge Menschen impfen können", sagt Weber. "Schließlich sind sie es, die arbeiten gehen, kleine Kinder und generell die meisten sozialen Kontakte haben."

Gleichzeitig seien auch junge Menschen durch neue Virus-Varianten gefährdet. "In unserer Praxis erleben wir immer wieder junge Menschen, die mit schweren Corona-Symptomen zu uns kommen und lange Zeit an den Folgen der Krankheit zu leiden haben", berichtet Weber:

"Sie fühlen sich schlapp, können über Monate hinweg nicht einmal eine halbe Stunde spazieren gehen… Ich hatte zum Beispiel eine 23-jährige Krankenschwester als Patientin, ohne Vorerkrankungen, Nichtraucherin – die nach ihrer Covid-19-Erkrankung keine zwei Kilometer am Stück gehen konnte. Ich treffe Menschen, die erst Mitte 20 sind und deren Lungen in einem Zustand sind, in dem eigentlich gar kein Sauerstoffaustausch mehr möglich ist."

Die Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung sind noch nicht ausreichend erforscht. Zu unterschätzen sind sie allerdings auch für junge Menschen nicht, zumal immer mehr Fälle bekannt werden von Corona-Ansteckungen bei jüngeren Altersgruppen.

Eine Corona-Impfung ist die naheliegende Lösung, um sowohl ältere als auch jüngere Menschen zu schützen. Vollständig darauf verlassen können wir uns allerdings nicht, mahnt Weber: "Eine Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz, wir dürfen also nicht unvorsichtig werden. Es gibt mit Sicherheit auch Virus-Varianten, die das Vakzin nicht abdeckt, wir wissen es noch nicht genau. Deswegen werden die AHA-Regeln sicherlich weiterhin erhalten bleiben."

Sie könne sich allerdings vorstellen, dass es in naher Zukunft möglich sein wird, nach Vorzeigen des Impfpasses beispielsweise ins Kino oder ins Theater zu gehen. "Eine Impfung ist aber kein Freischein für alles", betont Weber. Schließlich ist noch nicht ausreichend belegt, dass Geimpfte das Virus nicht doch übertragen können beispielsweise oder wegen einer Mutante dennoch an Covid-19 erkranken, wenn auch weniger schwerwiegend. Ganz so wie vor der Pandemie wird der Alltag wahrscheinlich trotz Impfung aus Sicht Webers vorerst nicht werden. Aber sie ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

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