Deutschland
ARCHIV - 03.09.2020, Hamburg: Die Kabarettistin Lisa Eckhart wartet im Literaturhaus auf ihren Auftritt. Eckhart pr

Lisa Eckhart, hier ein Bild vom September bei der Premiere ihres Romans "Omama" in Hamburg. Bild: dpa / Axel Heimken

Umstrittene Kabarettistin beim "Literarischen Quartett": Kritik am ZDF

Wirbel um das "Literarische Quartett": Zur ZDF-Sendung am Freitagabend ist die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart als eine von drei Gästen eingeladen – im Vorfeld hagelte es Kritik.

Schriftsteller Maxim Biller, der einmal selbst Teil des Ensembles der Sendung war, schreibt in einem Gastbeitrag in der "Süddeutschen Zeitung", der deutsche Jude und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki habe durch die Einladung Eckharts "endgültig den Kampf gegen die Nazis verloren". Reich-Ranicki wurde mit der Ursprungsform der Sendung zum "Literaturpapst".

Lisa Eckhart wurde einem breiten Publikum spätestens im August durch eine Debatte um die sogenannte "Cancel-Culture" bekannt, nachdem sie zum Harbour Front Literaturfestival in Hamburg eingeladen worden war – und wieder ausgeladen, weil zwei andere Eingeladene nicht mit Eckhart auf einer Bühne lesen wollten. Ein alternativer Veranstaltungsort hatte angeblich wegen Drohungen (was sich als Irrtum herausstellte) abgesagt. Nach Protesten wurde Eckhart wieder eingeladen, schlug die Einladung jedoch aus.

Kritiker werfen ihr vor, sie bediene in ihren Programmen antisemitische und rassistische Klischees. Ausgelöst hatte die Diskussion ein Artikel im April von Tom Uhlig in der "Jüdischen Allgemeinen" über verschiedene Auftritte Eckharts. Uhlig ist Mitarbeiter der Bildungsstätte Anne Frank in Hessen.

Die Einladung zum "Literarischen Quartett" kritisierte die Bildungsstätte am Freitag bei Twitter: "Eckhart war durch eine Reihe von Witzen über eine vermeintliche Geldgier der Juden unangenehm aufgefallen, ebenso über rassistische Sprüche, die sie in der Sendung Dieter Nuhrs über Penisgrößen asiatischer und afrikanischer Männer machte."

Kritiker an der Kritik fanden und finden sich ebenfalls reichlich: Die "Cancel-Culture"-Debatte entbrannte nach dem Ein-Aus-Einladungsereignis beim Harbour Front Literaturfestival, man beklagte "Sprech- und Denkverbote". In der Folge bekam Lisa Eckhart in Interviews reichlich Gelegenheit, öffentlich zu sprechen. An diesem Freitag nun ist sie also neben Autorin und Tennisspielerin Andrea Petcović und Schauspieler Ulrich Matthes im "Literarischen Quartett" zu Gast, um über Literatur zu debattieren.

HANDOUT - 03.12.2020, -: Kritikerin Thea Dorn (l-r), Schauspieler Ulrich Matthes, Tennisspielerin und Autorin Andrea Petkovic und die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart sitzen im Studio zur Sendung

Thea Dorn, Ulrich Matthes, Andrea Petkovic und Lisa Eckhart (v.l.): Die Sendung wird am 4. Dezember um 23.30 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Bild: dpa / Jule Roehr

Das ZDF sagte dazu gegenüber watson: "Die Redaktion hat Lisa Eckhart in ihrer Rolle als Schriftstellerin und Germanistin in das 'Literarische Quartett' eingeladen. Dass die Künstlerin mit ihrem konsequent satirischen Bühnenkonzept bewusst polarisiert und damit auch umstritten ist, steht dem nicht entgegen."

Die Gäste werden mit Gastgeberin Thea Dorn über Bücher von Elif Shafak, Don DeLillo, Michel Houellebecq und Minka Pradelski diskutieren.

(andi)

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