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Bild: imago/ watson-montage

Hat die AfD einen kritischen Beitrag des ZDF verhindert? Der Sender sagt nein

Er könnte den 78-jährigen AfD-Parteichef Alexander Gauland beerben: Der Lausitzer AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla gilt als möglicher Kandidat für den Chefposten neben Jörg Meuthen.

Denn: Auf dem am Wochenende stattfindenden Bundesparteitag der AfD in Braunschweig wird der Vorstand neu gewählt. Die AfD-Spitze soll sich bezüglich der Nachfolge Gaulands auf Chrupalla geeinigt haben – wohl auch, um mögliche Kandidaten des völkisch-nationalistischen Flügels zu verhindern.

Das ZDF-Politmagazin "Frontal 21" wollte dem neuen Vielleicht-Chef im Vorfeld des Parteitages einen kritischen Beitrag widmen. Dieser sollte laut Ankündigung eigentlich am vergangenen Dienstag ausgestrahlt werden. Doch daraus wurde nichts. Der Beitrag wurde nicht gesendet.

AfD-kritischer Beitrag verhindert?

Selbst die Ankündigung des Chrupalla-kritischen Beitrags von "Frontal 21" unter dem Titel "Gauland-Nachfolge – Machtkampf bei der AfD" ist in der ZDF-Mediathek nicht mehr zu finden. "Der von Ihnen gewünschte Inhalt ist nicht mehr vorhanden", heißt es dort.

Der Nichtausstrahlung vorausgegangen war offenbar eine Unterlassungsaufforderung des AfD-Mannes an das ZDF, wie ein "Tagesspiegel"-Journalist berichtete. Der hatte via Twitter die Unterlassungs-und Verpflichtungserklärung gepostet und den Vorgang öffentlich gemacht.

Was sagt das ZDF?

Auf watson-Nachfrage bestreitet das ZDF, den Beitrag aufgrund der Unterlassungsaufforderung gestrichen zu haben. "Spekulationen, die AfD oder Tino Chrupalla hätten eine Berichterstattung des ZDF verhindert, sind falsch", heißt es von Seiten des Senders.

Auch habe das ZDF die veröffentlichte Unterlassungserklärung nicht unterschrieben. Das ZDF erklärt die Nichtausstrahlung damit, dass schlicht die Recherchen zum Beitrag noch laufen würden.

"Richtig ist", erklärt der Sender, "dass das ZDF einen Online-Text zurückgezogen und sich verpflichtet hat, eine Stellungnahme von Tino Chrupalla abzuwarten und ggf. zu berücksichtigen, also ohne Abschluss der Recherchen die Ankündigung nicht mehr zu publizieren."

In der zurückgezogenen Ankündigung des "Frontal 21"-Beitrags stand, dass ehemalige Parteikollegen und Weggefährten gegenüber Chrupalla schwere Vorwürfe erhoben hätten. Chrupalla hatte 2017 den Vorsitz im AfD-Kreisverband Görlitz übernommen.

Was sagt Chrupalla?

Chrupalla selbst kritisiert auf watson-Nachfrage, dass die Frist, die ihm das ZDF gesetzt habe, um zu den Vorwürfen im "Frontal 21"-Beitrag Stellung zu nehmen, von Senderseite nicht eingehalten worden sei. "Ich habe dem ZDF fristgerecht geantwortet", teilt er gegenüber watson mit. Weil die Vorwürfe gegen seine Person aber zum Teil im Ankündigungstext vor Ablauf der Frist veröffentlicht worden seien, habe er das ZDF abgemahnt.

(ts)

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