Deutschland
BERLIN, GERMANY - MARCH 18: People, including one woman wearing a protective face mask against the coronavirus, wait to enter a branch of bank Postbank on March 18 in Berlin, Germany. Everyday life in Germany has become fundamentally altered as authorities tighten measures to stem the spread of the coronavirus. Public venues such as bars, clubs, museums, cinemas, schools, daycare centers and non-essential shops have closed. Many businesses are resorting to home office work for their employees. And travel across the border to most neighboring countries is severely restricted.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Bis der Alltag wieder einkehrt, könnte es eine Weile dauern, schätzen Experten. Bild: Getty Images Europe / Sean Gallup

So lange könnte die Corona-Krise dauern: Das sagen Virologen

Die Zeiten, in denen wir beim Coronavirus von einer normalen Grippe sprachen, scheinen ewig her. Seit Tagen schon sitzt zu Hause, wer kann. Man arbeitet vom Küchentisch oder Sofa aus, meidet körperlichen Kontakt. Der letzte Handschlag mit Fremden oder Bekannten: Tage oder gar Wochen her.

Bund und Länder haben im Kampf gegen das Virus Ausgangsbeschränkungen verhängt. In der Öffentlichkeit gilt ein Kontaktverbot, der Aufenthalt ist draußen nur alleine, mit Familienmitgliedern oder mit einer weiteren Person, die nicht im Haushalt wohnt, erlaubt. Etwas Bewegung an der frischen Luft und Besuchen von Lebenspartnern sind weiterhin nicht verboten. Dennoch sind viele Menschen aufgrund der bisherigen und bevorstehenden psychischen Belastung besorgt.

Zurecht fragen sich viele Menschen nun: Wie lange kann das so weiter gehen? Wie lange sollen wir Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkung, Kita- und Schulschließung, Vermeidung sozialer Kontakte durchhalten?

Die Virologen können nicht eindeutig vorhersagen, wie lange uns Covid-19 beschäftigt

Bei der Antwort auf diese recht komplexe Frage gehen die Experten-Meinungen teils auseinander. Kein Wunder, schließlich haben wir es mit einer vollkommen neuen Situation zu tun.

Virologe Christian Drosten, der Mann der Stunde, den wir in Pressekonferenzen regelmäßig neben Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sehen, glaubt: Der Ausnahmezustand könnte uns das gesamte Jahr über begleiten. Allerdings nicht konstant in dieser Form. Im Interview mit "Zeit Online" sagte der Experte:

"Wir müssen vielleicht davon ausgehen, dass wir gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen müssen."

Christian Drosten

Das bedeutet nicht, dass wir uns ein Jahr zu Hause verbarrikadieren müssen. Drosten dazu: "Aber man wird wahrscheinlich nicht alle Maßnahmen genauso weiterführen, wie man sie jetzt gestartet hat."

Möglicherweise werde man bereits um Ostern herum die Wirkung der bisherigen Maßnahmen beurteilen können. Im Zweifelsfall könne man nachjustieren.

Kekulé zeigt sich optimistischer

Im MDR-Podcast "Kekulés Corona-Kompass" vom Donnerstag schätzt Virologe Alexander Kekulé von der Uniklinik Halle in Hinblick auf die nicht-pharmazeutischen Maßnahmen, die bisher in Deutschland getroffen worden sind:

"Vielleicht schaffen wir, das in sechs Wochen hinzukriegen."

Generell spricht sich Kekulé übrigens gegen eine Ausgangssperre aus, wie sie in China angeordnet wurde. In der Podcast-Folge von Freitag begründet er seine Meinung wie folgt:

"Es ist meines Erachtens nach nicht richtig, dass westliche Demokratien sich das Verfahren eines totalitären Staates zu eigen machen, sondern wir brauchen eine eigene, demokratische, westliche Herangehensweise an dieses Problem."

Auch Drosten sprach sich in seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update" gegen eine Ausgangssperre aus, da es keine wissenschaftlichen Daten gebe, die deren eindeutige Wirksamkeit belegen. Werden die Politiker sich also weiterhin an den Expertenmeinungen orientieren, ist unabhängig von der Dauer des Ausnahmezustands zumindest damit zu rechnen, dass die Maßnahmen nicht dauerhaft und allzu drastisch sind.

Fußballfans müssen wahrscheinlich ein Jahr warten, bis sie wieder auf ihre Kosten kommen

Für Fußball-Fans gibt es in diesem Zusammenhang allerdings eher schlechte Nachrichten: Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit erwartet, dass wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in diesem Jahr Profifußball gespielt wird. "Ich gehe fest davon aus, dass es erst wieder im nächsten Jahr stattfinden kann in dem Umfang", sagte der Mediziner des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg im "Sportclub" des NDR-Fernsehens.

Gerade, was Großveranstaltungen wie Fußballspiele angeht, könnte es wohl längern dauern, bis wieder Normalität einkehrt.

Wie sich die Lage weiterentwickeln wird, ist momentan schwer abzuschätzen, sowohl für Virologen als auch Politiker. Dass uns das Coronavirus noch eine lange Zeit beschäftigen wird, ist wohl abzusehen. Wie stark, wird sich noch zeigen.

(ak/mit Materialen von dpa)

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