Deutschland
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Markus Lanz kann nicht fassen, dass sein Gast den Nutzen von Alltagsmasken anzweifelt. Bild: Screenshot ZDF

Markus Lanz ist fassungslos über Aussage von Mediziner zur Maskenpflicht

Alexandra karg

Wie kommen wir weiterhin sicher durch die Corona-Pandemie? Wie wird unsere Zukunft aussehen? Was für eine Welt wird das sein? Bei "Markus Lanz" ging es am Mittwochabend 2020 um die ganz großen Fragen – und dabei ging es heiß her. Während Philosoph Richard David Precht und Unternehmer Frank Thelen sich um die Zukunft rangen, kriegten Moderator Markus Lanz und Arzt Dr. Klaus Reinhardt sich aufgrund der Corona-Maskenpflicht in die Haare. Autorin Gabriele Krone-Schmalz bliebt da nur der Stuhl zwischen den streitenden Parteien.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz" am Mittwoch:

Markus Lanz und Dr. Klaus Reinhardt starten hitzig in die Sendung

Seit Monaten ist Corona das absolute Top-Thema bei "Markus Lanz". Wer dachte, dieses Thema müsste doch längst ausdiskutiert sein, der wurde in der vergangenen Sendung eines Besseren belehrt. Denn an diesem Mittwochabend wurde die Corona-Krise noch einmal ganz neu aufgerollt und Moderator Markus Lanz und der Mediziner Dr. Klaus Reinhardt verloren sich gleich zu Beginn der Talkshow in einer Grundsatzdiskussion – und das auch noch in mehreren Punkten. Am Ende sollte nicht einmal mehr die Maske ein sicheres Mittel gegen Corona sein. Doch der Reihe nach.

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Dr. Klaus Reinhardt vor einer Grafik, die die Corona-Neuinfektionen der letzten Monate in Deutschland.

Zu Beginn der Sendung vertrat Dr. Klaus Reinhardt, der selbst schon einmal positiv auf Covid-19 getestet wurde, eine absolut entspannte Position bezüglich Corona. Gefragt nach seiner Einschätzung der aktuellen Situation antwortete der Präsident der Bundesärztekammer: "Ich würde die Situation in Deutschland als total kompensiert bezeichnen." Anhand einer Grafik erklärte Reinhardt, die Zahl der Corona-Infektionen sei zwar höher als noch im Frühjahr, jedoch gelange Deutschland in der Intensivmedizin längst noch nicht an seine Grenzen.

Markus Lanz beurteilte die Statistik durchaus kritischer und hakte nach: "Kann man das so sagen? Oder war die Zahl der Infizierten im Frühjahr mutmaßlich sehr, sehr viel höher?" Der Moderator erklärte: "Ich höre immer wieder von Experten: Wahrscheinlich hatten wir im Frühjahr Faktor zehn, also etwa zehnmal so viele Fälle wie angenommen." Im Frühjahr habe man jedoch weniger getestet, hielt Reinhardt entgegen. Im Verhältnis zu den Tests sei die Positivrate, also die Zahl der Infizierten, noch mäßig, hier stehe es 10 Prozent zu 3,6 Prozent.

Lanz macht die Corona-Kurve Angst – dem Mediziner nicht

Lanz beruhigten diese Zahlen offenbar nicht – im Gegenteil. Mit Blick auf eine weitere Grafik wollte der Moderator den Mediziner überzeugen: "Herr Reinhardt, wenn Sie da drauf schauen. Diese Kurve, wenn wir jetzt mal ganz nach rechts schauen, dann sehen wir hinten einen sehr hohen Ausschlag." Lanz erklärte: "Diese Kurve macht mir Angst, wenn ich das so sehe."

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Moderator Markus Lanz ist besorgt über die Entwicklung der Corona-Zahlen. bild: screenshot zdf

Doch Dr. Klaus Reinhardt blieb seiner nüchternen Einschätzung treu: "Das ist die Zahl der Neuinfektionen. Die sagt nichts darüber aus, wie viele Neu-Erkrankte sich darunter befinden und die sagt auch nichts darüber aus, wie viele Schwer-Erkrankte sich darunter befinden. Dass die Kurve ansteigt, sollte uns aufmerksam machen." Reinhardt ist sich sicher: "Es gibt keinen Grund, panisch zu sein."

Der Vorschlag des Mediziners Reinhardt: Um die Todeszahlen niedrig zu halten, müssten sich in der Gesellschaft junge Menschen eher von Risikopatienten fernhalten und ältere Menschen vorsichtiger verhalten. Markus Lanz reagierte skeptisch: "Wir sind eine alte Gesellschaft. Wir können das doch überhaupt nicht separieren. Das funktioniert doch nicht." Doch, meint Reinhardt: "Menschen mit einem bestimmten Risiko müssen sich vielleicht vorsichtiger verhalten im Umgang – ich denke, das kann man auch erwarten. Ein älterer Mensch kann sich eben nicht so benehmen, wie jemand mit 30."

Mediziner hält nichts von Maskenpflicht – Lanz fassungslos

In den ersten zehn Minuten dieser "Markus Lanz"-Sendung war die Diskussion bereits ordentlich in Fahrt gekommen. Dabei wartete das echte Streitthema der Sendung noch: die Maskenpflicht. "Ich bin nicht davon überzeugt", erklärte Dr. Klaus Reinhardt seine Meinung gegenüber dem Tragen von Masken selbstbewusst. Für den Nutzen von Alltagsmasken in jeder Lebenslage gebe es laut dem Mediziner "keine wissenschaftliche Evidenz".

Mit Verweis auf überzeugende Studien bemerkte Markus Lanz ungläubig:

"Hier sitzt gerade der Präsident der Bundesärztekammer und sagt, es gibt keine Evidenz für Masken – ich halte das noch einmal fest."

Reinhardt, der in der Sendung mit einem Plädoyer dafür angekündigt wurde, man solle in der Corona-Debatte auf seine Sprache achten, rechtfertigt sich mit den Worten: "Ich möchte auf keinen Fall für diesen Maskenkrieg – in Anführungszeichen – instrumentalisiert werden." "Wieso Krieg?", frage Lanz wie aus der Pistole geschossen und führte die Rhetorik fort.

Reinhardt wolle sich, so bekundete er daraufhin, nicht in eine Reihe mit Masken-Gegnern stellen. Masken in dichtem Gedränge, ja, jedoch nicht, falls der nötige Abstand eingehalten werden könne. Der Mediziner erklärte: "Ich sehe schon auch Probleme dabei und ich finde, dass wir darüber nachdenken dürfen in der Gesellschaft, ob die Vermummung ein Standard werden muss."

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Klaus Dr. Reinhardt (rechts) sieht Masken in der Behandlung von Patienten kritisch Bild: Screenshot ZDF

Lanz reagiert spöttisch auf Aussagen von Mediziner Dr. Reinhardt

Lanz stellt polemisch fest: "Das ist ja wohl eine philosophische Frage." Mit Verweis auf den Gast Richard David Precht wies der Moderator Reinhardt in seiner Rolle zurecht: "Entschuldigen Sie, Sie sind Mediziner. Der Philosoph sitzt hier."

Als Dr. Klaus Reinhardt in seinen Argumenten nun auch noch in die 1970er Jahre zurückging und das damals beschlossene Vermummungsverbot mit dem derzeit angeordneten Vermummungsgebot verglich, konnte Markus Lanz sich offensichtlich bald nicht mehr halten. "Aber in den 70er-Jahren, nochmal, ging es nicht darum, ob man sich mit Corona anstecken kann, oder nicht."

Als der Mediziner Reinhardt nun auf die Bedeutung der Mimik in der Behandlung von Patienten verwies, fragte Lanz spöttisch: "Darf ich fragen, Herr Reinhardt, wo haben Sie sich mit Corona angesteckt? – Ich ahne warum." Reinhardt, der den Seitenhieb schnell begriff, fragte rhetorisch und mit einem Schmunzeln: "Weil ich keine Maske getragen hab?" Fast schadenfroh bemerkte der Präsident der Bundesärztekammer: "Ich konnte zu dem Zeitpunkt keine Maske tragen, denn wir hatten keine." Er beendet die Diskussion damit vorerst mit einem Lacher in der Runde.

Lanz setzt nochmal nach: "Seien Sie mir nicht böse"

Vorerst, denn für Markus Lanz war die Masken-Diskussion längst noch nicht zu Ende. Richard David Precht pflichtete dem Mediziner Reinhardt bei und sprach in Bezug auf den Nutzen von Masken von einem "Karneval der Meinung" in der Wissenschaft. Und Markus Lanz ließ es sich nicht nehmen, noch einmal auf den Ernst der Lage und die Verantwortung des Mediziners in seiner Position als Präsident der Bundesärztekammer zu verweisen: "Herr Reinhardt, seien Sie mir nicht böse, aber so wie sie sich gerade ausgedrückt haben, kann man sie mindestens missverstehen und das kann man morgen auf der Demo nehmen und sagen, das mit den Masken ist echt schwierig."

Dr. Klaus Reinhardt blieb an dieser Stelle nichts übrig, als etwas zurückzurudern und seinen Punkt noch einmal klarzumachen: Masken ja, jedoch sollten die Regelungen im Verhältnis zur Infektionsvermeidung stehen.

Mit ihrem Buch "Respekt geht anders – Betrachtungen über unser zerstrittenes Land" passte die Neuerscheinung der Autorin Gabriele Krone-Schmalz wie die Faust aufs Auge in diese Sendung. Fast zu sehr, könnte man meinen, denn mit ihrem Buch über Streit- und Debattenkultur ging die Historikerin und Journalistin glatt selbst in der Debatte unter.

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Autorin Gabriele Krone-Schmalz ging in der Sendung etwas unter. Bild: Screenshot ZDF

Markus Lanz ging die Buch-Besprechung zunächst halbernst an und bekannte: "Wenn man gleichzeitig von allen Seiten beschimpft wird, ist doch alles ok." Nachdem Krone-Schmalz daraufhin für das "anständig Streiten" plädiert und der Philosoph Richard David Precht Gender-gerechte Sprache mit einem mäßigen Witz abgefrühstückt hat, ("Nationalsozialist*innen – daran sieht man, dass das alberne Konsequenzen haben kann") waren sich bald alle einig: Wir sollten mehr streiten und dabei kompromissbereiter sein!

Mit den Worten "Frank Thelen, wir streiten weiter!" leitete Markus Lanz auch bald zur nächsten Diskussion über. Es ging um nichts weniger als unsere Zukunft. Und auch hier standen sich zwei starke Positionen gegenüber: Deutschlands bekanntester Philosoph, Richard David Precht plädierte für sozial verträgliche Innovation, während Unternehmer Frank Thelen die Digitalisierung als echten Heilsbringer sieht. Zwar weniger lang, jedoch nicht weniger deutlich gestaltete sich die Diskussion zwischen Precht und Thelen.

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Frank Thelen ist ein begeisterter Fan von digitalen Zukunftsvisionen Bild: Screenshot ZDF

Precht über Amazon-Boss Bezos: "Dieser Mensch ist ein Psychopath"

Startup-Investor Frank Thelen machte in seinen Aussagen deutlich, dass er nichts als die Innovation voranbringen wolle, E-Commerce für die Zukunft hält und von einem "europäischen Champion" im Wettbewerb mit Google, Amazon und Facebook sowie von einem Hyperloop als gängiges Fortbewegungsmittel träumt. Der Philosoph Precht hält dagegen die globalen Steuermänner der Zukunft nicht für unverzichtbare Genies – im Gegenteil. Über Amazon-Gründer Jeff Bezos sagte Precht: "Dieser Mensch ist ein Psychopath, das ist meine private Meinung." Doch das sei nicht die entscheidende Frage. Entscheidend sei, dass Konzerne wie Amazon einen freien Markt erstickt hätten und das widerspreche Prechts "liberaler Seele".

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Nicht einer Meinung: Richard David Precht (inks) und Frank Thelen. Bild: Screenshot ZDF

Als Frank Thelen weiter noch behauptete, Tesla-Gründer Elon Musk agiere nicht nach den Interessen der Wirtschaft und Geld sei ihm völlig egal, denn er glaube "wirklich an die Vision" und wolle die Welt jeden Tag zu einem besseren Planeten machen, konnte selbst Markus Lanz nicht mehr an sich halten. "Mir kommen gleich die Tränen", spottete der Moderator. Auch Richard David Precht tat derartige Komplimente und Behauptungen schlicht als "Fanboy-Worte" ab. Am Ende dieser hitzigen und debattenreichen Talkshow stand eine etwas traurige Diagnose für unsere Zukunft, als Markus Lanz mit Blick auf die Macht der weltweiten Milliardenunternehmen im Vergleich zum einstigen Innovationsstandort Deutschland feststellte: „Was sind wir heute? Erbärmliche Datenlieferanten im Silicon Valley Imperium.“ Zumindest schienen sich am Ende darüber alle einig zu sein.

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