24.02.2021, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt mit einer FFP2-Maske teil. Das Bundeskabinett befasst sich in seiner 131. Sitzung unter anderem mit der Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkr

Sollte sich Angela Merkel öffentlich impfen lassen? Bild: dpa / Kay Nietfeld

Exklusiv

FDP-Fraktionsvize fordert öffentliche Impfung Merkels – Linke sind dagegen

US-Präsident Joe Biden hat es getan, Vizepräsidentin Kamala Harris auch, der israelische Premier Benjamin Netanjahu ebenso: Sie haben sich vor laufenden Kameras gegen Covid-19 impfen lassen. Sollten prominente Politiker das auch in Deutschland tun?

Watson hat dazu bei der Bundeskanzlerin, dem Bundespräsidenten, Bundesministern und den Ministerpräsidenten der Länder nachgefragt – mit eindeutigem Ergebnis: Niemand will nach eigenen Angaben eher drankommen, als die Impfverordnung das momentan vorsieht. Aber zwei prominente SPD-Politiker wollen sich öffentlich impfen lassen, sobald sie an der Reihe sind: Bundesfinanzminister und Kanzlerkandidat Olaf Scholz und Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

Wie sehen das die Chefs der größten demokratischen Parteien? Wir haben nachgefragt.

FDP-Fraktionsvize Theurer: Merkel und Steinmeier sollen mit gutem Beispiel vorangehen

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Michael Theurer, hatte schon vergangene Woche gegenüber der "Bild" gefordert, Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sollten sich "zeitnah" öffentlich impfen lassen.

Gegenüber watson erneuert Theurer seine Forderung – auch mit Blick auf die Ankündigung der SPD-Regierungsvertreter Scholz und Dreyer, sich öffentlich impfen zu lassen.

Theurer sagt wörtlich:

"Dass Frau Dreyer und Herr Scholz sich impfen lassen wollen, sollte auch Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier ermuntern, mit gutem Beispiel voranzugehen und sich öffentlich impfen zu lassen. Daher bleibe ich bei meiner Forderung. Das wäre ein wichtiger Beitrag, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. "

20.02.2021, Baden-W

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer fordert, dass Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier sich frühzeitig öffentlich impfen lassen. Bild: dpa / Christoph Schmidt

Der FDP-Fraktionsvize begründet seine Forderung insbesondere mit den vielen verfügbaren Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca, die derzeit noch nicht verimpft worden sind. Er erklärt dazu:

"Das gilt umso mehr, da viele Menschen den zugelassenen und damit sicheren und hochwirksamen Impfstoff von Astrazeneca ablehnen. Das kann sich Deutschland nicht leisten und das kann die Kanzlerin nach den eklatanten Fehlern der Bundesregierung nicht einfach so laufen lassen, wenn das Impfen und die kostenlosen Schnelltests nicht funktionieren.“

Theurer selbst würde sich ebenfalls öffentlich impfen lassen. Er erklärt dazu gegenüber watson:

"Ja, ich bin bereit, mich öffentlich impfen zu lassen, zum Beispiel mit dem Impfstoff von Astrazeneca. Mein Vorschlag in Hinblick auf Bundeskanzlerin und Bundespräsident zielt aber auf die öffentliche Vorbild-Wirkung höchster Würdenträger – das soll ja helfen, die Impfbereitschaft zu erhöhen. Meine Reichweite schätze ich da schon richtig ein."

Linken-Chefs: "Braucht mehr als ein paar Politikerinnen, die sich vor der Kamera impfen lassen"

 Deutschland, Berlin, Bundestag, Fraktion LINKE., Katja Kipping, Bernd Riexinger, 12.11.2019 *** Germany, Berlin, Bundestag, LEFT Group, Katja Kipping, Bernd Riexinger, 12 11 2019

Die Linken-Chefs Katja Kipping und Bernd Riexinger in Vor-Corona-Zeiten, November 2019. Bild: www.imago-images.de / Christian Thiel via www.imago-images.de

Deutlich skeptischer sehen die Parteichefs der Linken die Forderung nach öffentlichen Impfungen prominenter Politiker.

Katja Kipping erklärt dazu gegenüber watson:

"Ich finde, solange noch nicht genug Impfstoff vorhanden ist, sollten Politikerinnen und Politiker sich hier nicht vordrängen. Stattdessen setze ich mich eher dafür ein, dass die Lizenzen der Impfstoffe endlich freigegeben werden, damit sich alle impfen können, die das wollen."

Ihr Ko-Vorsitzender Bernd Riexinger sieht das ähnlich. Er meint:

"Ich halte nicht viel davon, dass Politikerinnen und Politiker sich impfen lassen, während Pflegekräfte, Verkäuferinnen oder Erzieher weiter darauf warten müssen, dass Herr Spahn endlich die nötigen Impfdosen organisiert."

Beide Parteichefs – deren Amtszeit aller Voraussicht nach mit dem Linken-Bundesparteitag am Wochenende zu Ende geht, auf dem neue Vorsitzende gewählt werden – betonen, dass sie sich impfen lassen. Den großen Auftritt sucht dabei nach eigenen Angaben wohl keiner von beiden.

Riexinger erklärt: "Ich werde mich impfen lassen, sobald das möglich ist, das wird allerdings noch eine Weile dauern." Und Kipping sagt fast wortgleich dasselbe. Sie ergänzt:

"Herr Spahn macht mit Blick auf die Impfungen wirklich eine schlechte Figur, da braucht es mehr als ein paar Politikerinnen, die sich vor der Kamera impfen lassen."

Grüne erklären knapp: "Baerbock und Habeck lassen sich impfen"

 Pressekonferenz mit Annalena Baerbock und Robert Habeck, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN , Deutschland, Berlin, Klausur des Bundesvorstandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Berlin *** Press conference with Annalena Baerbock and Robert Habeck, Federal Chairwoman of BÜNDNIS 90 DIE GRÜNNEN , Germany, Berlin, Closure of the Federal Executive Committee of BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN in Berlin

Die Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck. Bild: imago images / M. Popow

Die Erklärung der Grünen-Chefs zu einer baldigen öffentlichen Impfung prominenter Politiker ist knapp. Die Pressestelle der Partei antwortet nur:

"Annalena Baerbock und Robert Habeck lassen sich impfen, sobald sie dran sind."

Die Parteichefs von CDU, CSU und SPD haben sich auf Anfrage von watson bisher nicht zu einer möglichen öffentlichen Impfung geäußert.

Kassel: Das sind die Videos und Bilder, wegen der die Polizei in der Kritik steht

Der Polizeieinsatz bei der "Querdenken"-Demonstration in Kassel am Samstag steht weiter in der Kritik. Mehr als 20.000 Menschen hatten gegen die Corona-Eindämmungsmaßnahmen demonstriert und dabei massiv die gerichtlich bestätigten Auflagen der Stadt missachtet.

Trotz dieser Verstöße beendete die Polizei das Demonstrationsgeschehen nicht, unterband auch nicht die illegale Versammlung im Anschluss. Für besondere Empörung sorgte zudem, dass auf Videos zu sehen ist, wie die Beamten stattdessen …

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