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Katharina Fegebank ist die Spitzenkandidatin der Grünen in Hamburg, Peter Tschentscher von der SPD der regierende Bürgermeister. Bild: Getty Images/iStockphoto/imago images / Chris Emil Janßen/watson

Kommt es zur grünen Revolution in Hamburg? Alle Szenarien zur Bürgerschaftswahl

Johannes Bebermeier / t-online

Umfrageergebnisse sind keine Wahlergebnisse. So lautet eine alte Weisheit im politischen Betrieb. Doch Szenarien, die nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg am heutigen Sonntag eintreten könnten, lassen sich schon beschreiben.

Wer könnte gewinnen? Wer will mit wem regieren? Und was heißt das für die Parteien?

Die Ausgangslage

Hamburg ist traditionell eine der letzten verbliebenen Hochburgen der SPD . Nach dem Zweiten Weltkrieg regierten die Sozialdemokraten die Hansestadt insgesamt mehr als 60 Jahre lang.

Derzeit regiert der SPD-Politiker Peter Tschentscher mit den Grünen. Es ist seine erste Wahl im Amt des Ersten Bürgermeisters, nachdem er 2018 von Olaf Scholz übernommen hatte. Scholz war damals als Finanzminister in die Bundesregierung gewechselt.

Die rot-grüne Regierung ist bei vielen Hamburgern beliebt, Tschentscher hat auch persönlich hohe Zustimmungswerte. Sowohl die SPD als auch die Grünen würden gern weiter zusammen regieren. Beide wollen jedoch nach der Wahl den Regierungschef stellen. Die Grünen-Politikerin Katharina Fegebank hatte diesen Anspruch bei dieser Wahl erstmals formuliert.

Lange Zeit sah es in den Umfragen auch recht gut aus für die Grünen, sie lagen zum Teil gleichauf mit der SPD. In den jüngsten Erhebungen liegt die SPD aber wieder deutlich vorn. Die CDU ist derzeit klar abgeschlagen und liegt knapp vor der Linken. AfD und FDP müssen um den Einzug in die Bürgerschaft zittern.

Mögliche Regierungen

Im Gegensatz zur Situation in vielen anderen Bundesländern dürfte es in Hamburg nach der Wahl keine Probleme geben, eine stabile Mehrheit zu finden. Das liegt vor allem daran, dass die AfD vergleichsweise schwach ist. Die einzige Frage ist, welche Parteien nach der Wahl zusammenfinden.

Die drohenden Folgen

Die SPD kann in Hamburg zeigen, dass sie noch Wahlen mit Werten deutlich über 30 Prozent gewinnen kann. Das wäre in der derzeitigen Lage der deutschen Sozialdemokratie ein großer Erfolg. Auch wenn die SPD an ihre gut 45 Prozent aus dem Jahr 2015 nicht herankommen wird. Wie viel Rückenwind ein starkes Ergebnis der Bundes-SPD verschaffen kann, bleibt abzuwarten. Die Hamburger Genossen hatten bewusst auf Wahlkampfunterstützung der SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans verzichtet, weil sie sich keinen Vorteil davon versprachen.

Die Grünen werden ihr Ergebnis im Vergleich zur vorherigen Wahl wohl deutlich steigern, vielleicht sogar verdoppeln können. Hamburg würde für die Grünen die Serie guter Wahlergebnisse fortsetzen, die bei den Wahlen in Ostdeutschland etwas unterbrochen worden war. Wenn Katharina Fegebank es schaffen würde, tatsächlich Erste Bürgermeisterin zu werden, wäre das für die Partei eine Sensation: die zweite grüne Landesregierung neben Baden-Württemberg. Sonderlich wahrscheinlich erscheint das derzeit aber nicht.

Für die FDP geht es um den Verbleib in der Bürgerschaft. Es wird sich zeigen, wie sehr der Partei der Tabubruch von Thüringen geschadet hat, wo sich der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ. Auch die Bundespartei dürfte das deshalb genau verfolgen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de.

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