Deutschland
Aida Kreuzfahrtschiff

Bild: penofoto/imago

Trotz aller Klima-Diskussionen: Hessische Klasse gönnt sich Kreuzfahrt zum Abi

In dieser Woche ist die richtige Bekämpfung der Klimakrise das bestimmende Thema im politischen Berlin. Am Freitag will sich das Kabinett auf ein milliardenschweres Klimapaket einigen. Die Spitzenpolitiker bekommen dabei auch den Druck der Schüler- und Jugendbewegung "Fridays for Future" zu spüren.

Wie die "Hessenschau" berichtet, ist der Plan der Schulleitung bei Schülern und Eltern nicht unumstritten. Gegenüber den Reportern des Hessischen Rundfunks (HR) ärgert sich eine Schülerin: "Das ist das Schlimmste, was man an Emissionen verursachen kann."

Kritik an Kreuzfahrt-Plänen

In sozialen Netzwerken gab es zahlreiche Kommentare zu den Kreuzfahrt-Plänen - auch unter dem Aspekt der Klimaschädlichkeit solcher Reisen. Zu einem Beitrag der "Frankfurter Neuen Presse" schrieb ein Leser: "Die Botschaft heißt: Wenn etwas günstig genug ist, darf einem das Klima auch mal vollkommen egal sein!"

Rund 1250 Kilo CO2 werden bei der Fahrt wohl produziert werden – pro Schüler wohlgemerkt. Ausgerechnet hat das ein Professor für Energietechnik der Uni Kassel. Zur Erinnerung: Um das Zwei-Grad-Ziel der Bundesregierung zu erreichen, dürfte jeder Mensch pro Jahr nur 2000 Kilogramm ausstoßen.

Wollten die Schüler diese Menge an CO2 an anderer Stelle wieder einsparen, so müssten sie etwa 9000 Kilometer mit dem Fahrrad fahren – oder 16 Jahre lang kalt duschen.

Kurios: Einige Schüler sind laut "Hessenschau" selbst bei Fridays for Future aktiv.

Schulleiter kritisiert Debatte

Schüler und Eltern hätten sich mit jeweils nur einer Gegenstimme je Kurs für die Kreuzfahrt ausgesprochen. Kosten soll der Aufenthalt 390 Euro pro Person, sagte Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken. Damit liege die Kreuzfahrt im Maximalbudget von 450 Euro pro Person für eine Abschlussfahrt. Er reagierte mit Unverständnis auf die Debatte und sprach am Dienstag von einer "symbolischen Attacke" und "emotionalen Reaktion" auf ein aufgeladenes Thema.

Studienleiter Michael Winn sagte, Schüler und Lehrer fühlten sich "instrumentalisiert". Winn, der die Fahrt zusammen mit drei weiteren Lehrern begleitet und selbst beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aktiv ist, sagte: "Natürlich ist eine Kreuzfahrt problematisch." Aber die Diskussion werde mit Daten geführt, die "völlig falsch" seien.

Im HR argumentiert ein Schüler für die Kreuzfahrt: "Daran erinnert man sich auch in 20, 30 Jahren noch."

In einer Woche geht die umstrittene Kreuzfahrt los. Wohl auch aus Mangel an populären Alternativen. Dem HR sagte ein Lehrer: "Natürlich können wir über fünf Tage in Würzburg sprechen, wenn wir mit dem Bus hinfahren." Und er fügte hinzu: "Wenn Sie die Schüler zu einer Fahrradtour überreden können – bitte."

(pb)

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