Deutschland
Silvia Breher, Christine Lieberknecht, Kristina Schröder oder Julia Klöckner spielen in der ersten Liga bei der CDU. Jens Spahn ist bereits raus und steht mit Armin Laschet. Norbert Röttgen und Friedrich Merz, den viele in der Wirtschaft wollen, werfen auch den Hut in den Ring. Der Machtkampf 2020 in der CDU ist, gerade nach Hamburg, in vollem Gange.
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Warum nur Männer? Silvia Breher, Christine Lieberknecht, Kristina Schröder und Julia Klöckner könnten ebenfalls für den CDU-Vorsitz kandidieren. Bild: watson-montage / imago images / andre lenthe / jacob schröter / getty images / Maja hitij / Sean Gallup

Meinung

Parteivorsitz: Diese vier Frauen hat die CDU nicht auf dem Schirm

Nach der Wahlschlappe der CDU in Hamburg ist es jetzt amtlich: Am 25. April soll auf einem Sonderparteitag über den künftigen CDU-Vorsitz entschieden werden. Auch die Kandidaten haben sich nun erklärt. Bereits vergangene Woche machte Nobert Röttgen seine Kandidatur bekannt. Am Dienstag zogen Armin Laschet, der mit Spahn als Stellvertreter antritt, und Friedrich Merz nach.

Was bei den bisher Genannten auffällt: Es sind nur männliche Kandidaten. Keine einzige Frau findet sich unter den wahrscheinlichen Bewerbern.

Warum?

Es scheint ausgemacht, dass nach zwei Parteivorsitzenden wieder einmal die Männer dran sind. Das muss aber nicht sein. Seit fast 20 Jahren ist die CDU-Parteispitze weiblich und warum sollte sich das ändern?

Hier sind vier Vorschläge für weibliche CDU-Politikerinnen, die gut geeignet wären, um für das Amt der Parteivorsitzenden zu kandidieren.

Kristina Schröder

2020 wird sich die Suche sicher nicht leichter gestalten als 2018 mit Annegret Kramp Karrenbauer

Kristina Schröder war vier Jahre lang Familienministerin Bild: imago images / Sven Simon

Wenn man so will die weibliche Version von Friedrich Merz: Innerhalb der CDU eher Konservativ, seit einiger Zeit nicht mehr in der Bundespolitik aktiv und mit eigener Kolumne in einer bekannten deutschen Tageszeitung.

Mit 14 Jahren trat Kristina Schröder in die CDU ein und machte Karriere im Eiltempo: Bundestagsabgeordnete mit 25, Ministerin mit 32. Kristina Schröder galt lange als absolute Überfliegerin in der CDU-Bundestagsfraktion, bis sie die Politik zugunsten ihrerer Familie zurückstellte.

Als Abgeordnete und Ministerin wurde sie wegen ihres jungen Alters gerne als "Merkels Mädchen" bezeichnet. Inzwischen hat sie viel Erfahrung in 15 Jahren Abgeordnetentätigkeit sammeln können. Außerdem war sie von 2009 bis 2013 Familienministerin: Wo das hinführen kann, zeigt Angela Merkel, die das Amt von 1991 bis 1994 innehatte.

Kristina Schröder könnte mit ihren konservativen Positionen den rechten Flügel der CDU für sich gewinnen und den Richtungswechsel einläuten, der von vielen innerhalb der Partei gefordert wird. Vielleicht wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für ein Comeback?

Gegenüber watson teilt Kristina Schröder mit: "Ich habe mich 2017 sehr bewusst für den Ausstieg aus der aktiven Politik entschieden. Ich wurde mit 25 Jahren Bundestagsabgeordnete. Ein Bundestagsmandat war für mich immer nur ein Mandat auf Zeit und wer früh anfängt, muss auch früh wieder aufhören. Ich bin 42, es fällt mir schwer, jetzt Aussagen darüber zu treffen, was ich mit 62 mache. Aber derzeit kann ich mir einen Wiedereinstieg in die Politik nicht vorstellen."

Wir finden: Schade!

Julia Klöckner

Klöckner, die wohl bekannteste unter unseren 4 Partei-Frauen

Julia Klöckner ist Landwirtschaftsministerin und wurde schon mehrfach als Nachfolgerin von Angela Merkel gehandelt Bild: imago images / Andre Lenthe

Die ehemalige Weinkönigin aus Rheinland-Pfalz gehört zu den stellvertretenden Parteivorsitzenden der CDU. Als Landwirtschaftsministerin zog sie einige Kritik auf sich, weil sie ein Video mit dem Chef-Lobbyisten von Nestlé Deutschland veröffentlicht hatte, in dem sie deren Strategie zur Reduktion von Zucker lobte. Auch ihre weiteren Projekte, wie die Lebensmittelampel und Maßnahmen zur Zucker-Reduktion, kamen bisher noch nicht wirklich vorwärts.

Trotzdem gehört die ehemalige Chefredakteurin des Sommelier-Magazins zu den einflussreichsten CDU-Politikern innerhalb der Koalition. Als es 2018 nach der überraschenden Abwahl des Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder zu Jubel und öffentlichen High-Fives zwischen den putschenden CDU-Abgeordneten kam, war es Julia Klöckner die ihre Parteikollegen – notfalls auch persönlich – zur Disziplin mahnte.

2018 hatte sie noch abgelehnt für den Parteivorsitz zu kandidieren mit der Begründung, dass Ministeramt und Parteivorsitz zeitlich nicht unter einen Hut zu kriegen sind. Dieses Argument dürfte inzwischen nicht mehr gelten. Denn: Auch Annegret Kramp-Karrenbauer hat aktuell neben dem Parteivorsitz noch das Amt des Verteidigungsministers inne.

Zugegeben, Julia Klöckner hat bei größeren Wahlen bislang wenig Glück gehabt. In Rheinland-Pfalz unterlag sie 2011 und überraschend auch 2016 der SPD bei den Landtagswahlen. Aber mangelnder Wahlerfolg hat auch Norbert Röttgen nicht davon abgehalten, zu kandidieren.

Christine Lieberknecht

Baldiger Parteitag soll Klarheit schaffen

Christine Lieberknecht war von 2009 bis 2014 Ministerpräsidentin von Thüringen Bild: imago images / Jacob Schröter

"Erst das Land, dann die Partei, dann die Person" heißt eine alte CDU-Weisheit, die gerne dem ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel zugeschrieben wird. Im Gegensatz zu vielen anderen in ihrer Landtagsfraktion in Erfurt hat Christine Lieberknecht diesen Satz offenbar verinnerlicht.

In der verzwickten Situation, in der sich der Thüringer Landtag befand, plädierte sie dafür, mit der Linken zusammenzuarbeiten – um das Chaos zu beenden, von dem am Ende nur die AfD profitierte. Das zeigt, dass sie staatsmännische bzw. staatsfrauliche Verantwortung übernimmt und pragmatisch denkt.

Sie hat in Thüringen fünf Jahre lang als erste Ministerpräsidentin des Landes regiert und gezeigt, dass sie – Im Gegensatz zu Mike Mohring – Wahlen gewinnen kann. Eine Frau aus dem Osten als CDU-Parteivorsitzende wäre nicht neu, aber ein gutes Korrektiv für die männlich-westdeutsch dominierte CDU.

Silvia Breher

Parteitag Wahl Tagesschau 2020

Silvia Breher ist bisher eher unbekannt außerhalb von CDU-Kreisen Bild: Maja Hitij/Getty Images

Wenige dürften sie kennen, aber sie gehört zu den absoluten Überfliegern der CDU. Bei der Bundestagswahl 2017 hat sie mit 57,7 Prozent der Erststimmen ihren Wahlkreis in Cloppenburg-Vechta gewonnen. Deutschlandweit das beste Ergebnis.

Gerade zum ersten Mal in den Bundestag gewählt, trat Breher im November 2019 die Nachfolge von Ursula von der Leyen als stellvertretende CDU-Vorsitzende an. Bisher hat sie sich vor allem zu Familienpolitik und dem angekündigten Rücktritt von Mike Mohring und Annegret Kramp-Karrenbauer geäußert. In Zukunft könnte sie aber auch eine heiße Kandidatin für einen Ministerposten sein.

Aus dem Stand direkt zur Parteivorsitzenden wird sie es dieses Jahr wohl nicht schaffen, aber eine Kandidatur würde ihren Anspruch festigen, dauerhaft an der Spitze der CDU mitmischen zu wollen. Außerdem ist sie ein bisher unverbrauchtes Gesicht, das keine Verantwortung für die bisherige Arbeit der Großen Koalition trägt. Bei Neuwahlen wäre sie eine frische, junge Alternative.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • stahlbau-grauerwolf 26.02.2020 12:24
    Highlight Highlight wer da auch immer als Parteivorsitzender der CDU
    fungieren wird, die CDU/CSU wird wenig Fuß fassen
    können im Osten.
    Die Versäumnisse dieser Partei und anderer basieren
    auf die innerdeutsche Politik im sog. Osten nach 1989
    sowie Ihre anhaltende starre Haltung gegenüber den
    Linken
    Links ist nicht gleich Rechts
    Für Rechtshaltung habe ich volles Verständnis, denn ich
    habe die NS-Zeit noch voll erlebt.
    Nie wieder!
    Ändert diese Partei sich nicht zu LInks wird sie einstellig werden.
  • dmark 25.02.2020 13:30
    Highlight Highlight Gegenfrage - warum immer das Thema "Frauen"?
    Außerdem glaube ich, dass viele der CDU-Wähler nach etlichen Jahren Merkel oder auch v.d. Leyen die Nase gestrichen voll hat von Frauen.
    Was hat es gebracht?
  • Watsiene 25.02.2020 13:22
    Highlight Highlight Ich bin selber eine Frau, habe aber allmählich die Nase davon voll, dass inzwischenl in der Politik an so vielen wichtigen Stellen Frauen sitzen. Dieses pseudo-einfühlsame und heuchlerische Geschwafel geht mir sowas von auf den Geist. Die SPD hat es vorgemacht und massenweise Wählerstimmen verloren. Tut mir leid, es sagen zu müssen, aber nur mit einem "starken Mann" kann die CDU sich positionieren und auch Wähler vom rechten Rand zurückgewinnen. Da ist es mir fast egal, ob Merz, Laschet oder Röttgen.
    • stahlbau-grauerwolf 25.02.2020 14:35
      Highlight Highlight Watsiene, Sie stammen wohl aus den 50zigern
      Jahren.
      Frau an den Herd, Kinder in die Schule, der Mann hat das Sgen und bestimmen wos langgeht.
      Tolle Waltanschauung, nur total daneben und
      total veraltet.
      Nein, da sollten Sie mal total umdenken.
    • Thorsten 27.02.2020 07:48
      Highlight Highlight Sie haben ja massig viel Vertrauen in ihr eigenes Geschlecht!
  • stahlbau-grauerwolf 25.02.2020 13:10
    Highlight Highlight wenn überhaupt eine Frau aus da mitspielen sollte,
    dann , jawohl, aus dem sog. Osten, Frau Lieberknecht.
    Eine Frau der ich es am ehesten zutraue mit viel
    Sachverstand, die den sog Osten kennt und besser
    versteht
    Den anderen beiden Damen traue ich nicht über den
    Weg; da wird nur geschwafelt.
    • Bbauer 26.02.2020 15:13
      Highlight Highlight @...wolf: Die Frauen aus den 50 ern haben hinterm Herd die Familie regiert, ihren Kindern Werte vermitteln können und auch den Eltern einen verdienten Ruhestand ermöglicht. Ziehe ich heute noch den Hut vor !!
      Ein Vorsitzender/de sollte vor allem Durchsetzungsfähig sein, und nicht beim ersten Stürmchen alles in Frage stellen. Daran krankt die derzeitige Politik. Abgesehen davon sind viele Volksvertreter ohne fachliche Eignung in ihren Ämtern, geht auch gar nicht !

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