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Arbeiten macht nicht immer Spaß, echt wahr. Bild: getty / fizkes

Keinen Bock auf Lernen oder Arbeit? Watson hat fünf Apps getestet, die dich motivieren könnten

Arbeit, Pause, Arbeit, Schlafen und von vorn. Hier und da gibt es Ausreißer, doch im Groben beschreibt das recht genau die optimale Arbeitsstruktur – geht man nach den Köpfen übermotivierter CEOs. Freizeit ist okay, solange wir Bücher zur Arbeitsoptimierung oder Charakterentwicklung lesen. Wer erfolgreich sein will, muss die beste Version seiner selbst sein.

Doch trotz all den Selbstverbesserungstipps und motivierenden Ansprachen schaffe ich es gelegentlich nicht, zum fleißigen Bienchen zu werden. Ich lenke mich ab, erledige meine Aufgaben auf den letzten Drücker. Ein Verhalten, das sich durch meine Vita zieht. Fertig werde ich in der Regel pünktlich, trotzdem schaffe ich es häufig nicht, mich dauerhaft zu fokussieren. Ich bin mir sicher, mit diesem Problem bin ich nicht allein. Youtube reizt mit Videos, Twitter mit Witzen, Nachrichtenapps mit… könnt ihr euch ja denken.

Nachdem ich hörte, dass Elon Musk in Krisenzeiten sogar in einem seiner Tesla-Werke schläft, um mehr zu schaffen, habe ich mein Verhalten überdacht. Ich besorgte mir Apps zur Arbeitsoptimierung und arbeitete eine Weile mit ihnen. Und weil sich das so schön anbietet, bekommt ihr hier einen ausführlichen Testbericht mit eigener Bewertung: ein Fünf-Elon-Musks-System. Einer ist schlecht, fünf sind sehr gut.

Forest: Pflanz einen Baum

Bevor ich mit meiner Arbeit loslege, lege ich bei der App Forest ein Zeitlimit fest und setze einen Samen in ein virtuelles Feld. Während meiner Arbeitszeit soll daraus ein hübscher Baum wachsen. Naja, sofern ich konzentriert arbeite, sagt die App.

Ich versuche es, lege mein Handy an die Seite, gehe meiner Arbeit nach. Der Timer steht auf 30 Minuten, die App bleibt offen. Motiviert bin ich. Nach 15 Minuten greife ich doch zum Handy, checke meine Nachrichten. Die App habe ich ausgeblendet, läuft ja im Hintergrund weiter. Als ich wieder das Fenster mit meinem Baum öffnen will, finde ich nur einen kahlen Ast. Versagt.

Zweiter Versuch. Wieder 30 Minuten, diesmal keine Nachrichten, kein Twitter, kein Spaß. Nur Arbeit. Während ich versuche, etwas zu Papier zu bringen, schaue ich immer wieder, wie sich mein Baum entwickelt. Aus dem kleinen Samen wächst ein Setzling, der Stamm wird immer dicker, Äste sprießen (schön!). Nach einer halben Stunde betrachte ich mein Werk. Sieht gut aus, also der Baum. Meine Arbeit habe ich nicht erledigt, dafür aber beobachtet, wie sich aus einem kleinen Samen eine prachtvolle Pflanze entwickelt. Ist auch was.

So gut war's

Schöne Idee, aber nichts für Menschen, die sich leicht ablenken lassen. Auf dem Bildschirm passieren immer wieder Kleinigkeiten und die Verantwortung, die mir die App aufbrummte, sorgt für einen Interessenskonflikt. Der Baum war schlicht interessanter. Selten schaute ich so viel aufs Handy. Dafür gibt's zwei von fünf Elon Musks!

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Bild: Imago/getty/watson

Pomodoro: Tomaten auf den Augen

25 Minuten Arbeit, fünf Minuten Pause. Ein einfaches Prinzip, auf dem die App Pomodoro basiert. Ein Timer zeigt mir, wie viel Zeit vergangen ist und nach vier Runden folgt eine Pause von 15 Minuten. Eine ganze Menge. Wie ich verschnaufe, ist mir überlassen. Ich werde also keinen Baum töten, sobald ich ein wenig rumsurfe. Mein Gewissen freut sich, mein grüner Daumen auch.

Das Prinzip basiert, wie der Name schon sagt, auf der Pomodoro-Technik, entwickelt in den Achtzigern vom italienischen Berater Francesco Cirillo. Eine Aufgabe von vornherein in festgelegten Zeitblöcken zu bearbeiten, soll den Vorteil haben, große Projekte Stück für Stück zu erledigen. Innere Widerstände sollen so reduziert werden, kontinuierlicher Fortschritt ermöglicht.

So gut war's

Eigentlich cool. Meine Gier nach Ablenkung wird gestillt, die Arbeit erledige ich trotzdem. So schaffe ich es, einen doch recht großen Text zu schreiben und mir bereits im Voraus die Angst vor dem Aufwand zu nehmen.

Aber braucht es für die Technik wirklich eine App? Immerhin ist eine ähnliche bereits vorinstalliert – der Timer. Erfüllt denselben Zweck, lediglich Tomaten fehlen. Zumindest konnte ich durch die App lernen, was die Pomodoro-Technik ist, ohne ein staubtrockenes Management-Magazin zu lesen. Vier von fünf Elon Musks!

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Productivity Challenge Timer: Pomodoro auf Steroiden

Die App Productivity Challence Timer funktioniert nach dem Pomodoro-Prinzip, bloß, dass ich noch ein paar Optionen mehr habe. Ich erstelle ein Projekt und lege dabei Arbeitszeit und Pausen selbst fest. Kaum ist eine Einheit durch, umschmeichelt eine aufleuchtende Erfolgsmeldung meine Dopaminrezeptoren: "Du hast einen Block geschafft, gut gemacht!"

So gut war's

Wohlige Glücksgefühle durchströmen meinen Körper, die Arbeit ist erledigt, herrlich. Das kann mein Timer nicht. Fünf von fünf Elon Musks!

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Checky: Zertifizierte Handysucht

Mein Smartphone bestimmt meinen Arbeitsrhythmus. Kaum blinkt etwas auf, lasse ich alles liegen, greife zu, schaue nach. Mein Freundeskreis ist zwar schreibfaul, weshalb das Nachrichtenbombardement ausbleibt, dafür habe ich aber dutzende Nachrichtenapps. Es folgt Push, nach Push, nach Push. Steigende Infektionszahlen, neues Eminem-Album, Drosten zur Corona-Pandemie. Immer spannend, immer ablenkend. Ständig entsperre ich das Handy. Die App Checky zählt mit, mehr nicht.

Hilfreich sein könnte sie trotzdem. Erinnert mich an eine Ex-Freundin, die stets mitzählte, wie viele Zigaretten ich am Tag rauchte. Nach wochenlangem "Sieben, Fünf, Drei" griff ich erst heimlich zur Kippe und hörte anschließend auf. Für den Moment. Mittlerweile rauche ich wieder, wenn auch weniger häufig.

So gut war's

So ähnlich verhält es sich auch bei der App. Über mehrere Tage prüfte ich mein Entsperr-Verhalten, probierte es zu drosseln. Es sank von 67 Entsperrungen auf unter 30. Fürs Gewissen: Laut einer Studie der Universität Bonn entsperrt der Durchschnittsdeutsche sein Handy 88-mal am Tag. Selbst in meiner Hochphase lag ich noch darunter.

Leider konnte ich das optimierte Verhalten nicht aufrechterhalten. Nach einer einwöchigen Checky-Pause startete ich die App erneut und kam auf 62 Entsperrungen. Allerdings auch, um berufsrelevante Mails zu lesen oder ein wenig zu recherchieren. Wie oft ich mein Handy entsperre, sagt nichts über mein Nutzungsverhalten aus. Zwei von fünf Elon Musks!

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Bild: Imago/getty/watson

Digitale Nutzungsdauer: Wer’s genauer mag

Checky ist mir zu unpräzise. Um mein Nutzungsverhalten auf den Arbeitsalltag abzustimmen, muss ich wissen, womit mich ablenke. In den Einstellungen meines Smartphones, Android, kann ich nachschauen, welche Apps ich wie lange öffne. Überraschung: Es ist Youtube. Nicht etwa zu Recherchezwecken, ich höre Musik, schaue Trainingsvideos, Ted Talks, Gaming-Clips. Homeoffice machts’s möglich. Interessant, aber auch abschreckend.

So gut war's

Die App zeigt mir Stellschrauben auf, an denen ich drehen kann, um mein Nutzungs- auf das Arbeitsverhalten abzustimmen. Pausen sind okay, vielleicht aber in Maßen. Das zu erlernen, braucht Zeit. Insofern ist es vielleicht nicht die beste Wahl zur projektbezogen Arbeitsoptimierung (verzeiht das Marketingsprech), zur langfristigen aber schon. Drei von fünf Elon Musks!

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War nett, aber...

Zusammenfassend kann ich sagen: Respekt, dass du bis hierher gelesen hast. Gibt es doch ausreichend Wege, um sich abzulenken – ich weiß, wovon ich rede.

Dieser Test ist rein subjektiv. Für mich funktionieren manche dieser Apps gut, dauerhaft nutzen werde ich sie jedoch nicht. Passt nicht zu meinem Arbeitsverhalten.

Andere brauchen sie vielleicht als kleine Starthilfe. Das Internet mit all seinen Inhalten verwandelte Arbeitsprozesse in ein Prokrastinations-Minenfeld. Ein falscher Schritt sprengt den Fokus weg und lässt einen in Fünf-Minuten-Katzenclip-Best-Offs versumpfen. Klar, nicht jeder braucht den Workload des Tesla-CEOs. Trotzdem lassen sich Stresssituationen durch ein wenig Disziplin umgehen.

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