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Ein Berliner Künstler kann angeblich Google Maps austricksen – er will dem Kartendienst einen Stauf vorgegaukelt haben. Bild: imago images / Arnulf Hettrich / Screenshot Google Maps / montage watson

Mit 99 Smartphones: Künstler will Google Maps ausgetrickst haben

Ein Kunstschaffender aus Berlin demonstriert mit einem Handkarren und 99 Smartphones, wie man angeblich den Verkehrsfluss manipulieren kann. Doch ist der Trick echt?

Daniel Schurter / watson.ch

Ein Berliner Künstler sorgt seit dem Wochenende mit 99 Smartphones für Aufregung. Diese legte er in einen kleinen Anhänger und marschierte damit langsam durch eine Nebenstraße der deutschen Hauptstadt.

Hier erfährst du das Wichtigste zum Projekt #googlemapshacks.

Was ist das für ein Google-Maps-Hack?

Die Idee klingt bestechend; Mensch gaukelt Google Maps vor, dass sich eine größere Anzahl Smartphone-User nur im Schritt-Tempo auf einer Straße bewegen. Dann nimmt der Karten- und Navigationsdienst an, dass dort ein Stau herrsche, und leitet andere Verkehrsteilnehmer um, so dass man am Ort des angeblichen Staus allein auf der Straße ist.

Dazu nehme man einen Handkarren und lege 99 Smartphones (nicht im Flugmodus, mit Verbindung zu Google) rein. Dann zieht man den Karren durch eine Stadt und kann beim Kartendienst mitverfolgen, wie sich der Straßenabschnitt, auf dem man sich bewegt, in Echtzeit rot färbt – so markiert der Kartendienst verstopfte Straßen farblich.

Wer hat's ausprobiert?

Angeblich ein deutscher Kunstschaffender, der mit seiner Aktion in Europa und Übersee für Schlagzeilen sorgt.

Simon Weckert beschreibt sich selbst bei Twitter als "Künstler aus Berlin mit dem Schwerpunkt in der digitalen Welt – mit allem, was mit Code und Elektronik zu tun hat, unter der Reflexion aktueller gesellschaftlicher Aspekte".

Seine ungewöhnliche Aktion im (sehenswerten) Video:

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Video: YouTube/Simon Weckert

Die Idee sei ihm auf einer Demonstration gekommen, als er einen Blick auf Google Maps geworfen habe.

Sein Beschreibung des "Google-Maps-Hacks":

"99 Smartphones werden in einem Handkarren transportiert, um einen virtuellen Stau in Google Maps zu erzeugen. Durch diese Aktivität ist es möglich, eine grüne Straße rot zu machen, was sich in der physischen Welt auswirkt, indem die Autos auf einer anderen Route navigieren, um nicht im Stau stecken zu bleiben."

Nach Publikwerden der Aktion werden bei Twitter auch Zweifel geäußert, ob das überhaupt funktioniere. Sicher ist: Wer die modernen Kartendienste kontrolliert, hat viel Macht. Im Prinzip können die Betreiber solcher Online-Dienste das Nutzerverhalten beeinflussen und manipulieren. Die Bewegungsdaten sind zudem (in Massen) wertvoll und können zu verschiedensten Zwecken ausgewertet werden.

Der Aktionskünstler zitiert den Architekten und Designer Moritz Ahlert:

"Mit seinen Geo-Tools hat Google eine Plattform geschaffen, die es Nutzern und Unternehmen ermöglicht, auf neuartige Weise mit Karten zu interagieren. Das bedeutet, dass Machtfragen im Diskurs der Kartographie neu formuliert werden müssen. Doch in welchem Verhältnis stehen die Kunst des Ermöglichens und die Techniken der Überwachung, Kontrolle und Regulierung in den Karten von Google?"

Funktioniert das wirklich?

Warum soll Googles künstliche Intelligenz, bzw. Navigations- und Kartensoftware, 99 Smartphones, die praktisch am gleichen Ort sind und sich langsam vorwärts bewegen, für motorisierte Verkehrsteilnehmer halten?

Bei Twitter melden sich skeptische Stimmen, die bezweifeln, dass der #googlemapshacks funktioniere.

Eine Userin vermutet, Google würde erkennen, wenn sich 99 Smartphones am gleichen Punkt befinden (und sich im Fußgängertempo in die genau gleiche Richtung bewegen), und dann würden die entsprechenden Signale herausgefiltert.

Der Künstler betont in einem Interview, dass er für sein Projekt nur Android-Smartphones verwendet habe.

"So wie bei jedem anderen Android-Smartphone auch uploaden wir unsere Daten, meist unbewusst. In meinem Fall ist die Geolocation der Daten von Interesse, die über drei Verfahren ermittelt werden können. WiFi, GPS und Mobile Data (Triangulations-Berechnung). Somit ist es möglich, den Standort zu ermitteln."

Bei Google Maps könne man sogar sehen, ob eine Ampel funktioniere. Um bei seinem Experiment die Straße wirklich "komplett rot" zu bekommen, habe er ein bis zwei Stunden an jeder Stelle verbracht und sei mit seinem Karren "wie ein voll beladener Reisebus" hin und her gefahren.

Diese Userin findet, die Smartphone-Displays sehen nicht echt aus

Zu gut, um wahr zu sein? Dieser angebliche Google-Ingenieur aus Kanada glaubt, der Google-Maps-Hack funktioniere

Hoffentlich ergreife Google Maßnahmen, um so etwas in Zukunft zu verhindern, kommentiert der US-Techblog 9to5Google, da dies "wahrscheinlich von jemandem mit den richtigen Ressourcen missbraucht werden könnte".

Ganz sicher nicht funktionieren würde der Trick auf einer vielbefahrenen Straße, weil Google dann von anderen Smartphones widersprüchliche Signale erhielte.

Wie reagiert Google?

Google hat watson auf Anfrage folgende allgemeine Stellungnahme zukommen lassen:

"Google ist bestrebt, möglichst umfassende, genaue und benutzerfreundliche Karten bereitzustellen. Verkehrsinformationen stammen aus verschiedenen Quellen, darunter aggregierte und anonymisierte Daten von Personen, die Standortdienste aktiviert haben, und Beiträgen von der Google-Maps-Community. Verkehrsdaten werden kontinuierlich aktualisiert und wir veröffentlichen Ergebnisse nur, wenn wir ein hohes Maß an Vertrauen in ihre Richtigkeit haben."

Matthias Meyer, Google Schweiz

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