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Papst vs. Salvini: Franziskus lässt im Kampf gegen den Rechtspopulismus auch schon mal das Licht anschalten. Bild: imago/watson-montage

Kardinal schaltet Strom in besetztem Haus an – und setzt Zeichen gegen Rechtspopulismus

Ein Kardinal bricht das Gesetz und schaltet in einem besetzten Haus in Rom den Strom wieder an. Egal, ob der Almosenmeister des Vatikans ein Gesetzesbrecher oder ein Robin Hood der Armen ist. Die Geschichte sagt viel über die politische Agenda von Papst Franziskus.

Als der Kardinal das Licht anmachte, dachten die Hausbewohner, Gott persönlich sei am Werk. Quasi so wie es in der Bibel steht: "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht". So geschah es in einem besetzten Haus im Zentrum von Rom. Doch es war nicht Gottes Hand, sondern die des Almosenmeisters des Papstes, der in den Kellerraum ging, die Sicherungsplomben entfernte und das besetzte Haus zum Leuchten brachte.

Nun mag es noch keine große Nachricht sein, wenn der oberste Armutsbeauftragte des Vatikans Bedürftigen hilft. Doch der polnische Kardinal Konrad Krajewski hat sich über das Gesetz hinweggesetzt – und zugleich ein deutliches politisches Zeichen gesetzt. Der gesetzesbrechende Geistliche ist zum Symbol für Solidarität und Menschlichkeit in einem Land aufgestiegen, in dem vor allem der rechte Innenminister Matteo Salvini mit Hetze gegen Migranten den Ton angibt.

Um dieses Haus geht es:

In dem Haus "Spin Time" wohnen mehr als 400 Menschen, viele Familien, viele Ausländer, darunter rund 100 Kinder. Sie haben die Rechnungen für Strom und Wasser nicht bezahlt. Deshalb hat ihnen der Netzbetreiber letzte Woche Strom und warmes Wasser abgestellt.

Überall in Rom – ja in ganz Italien – gibt es diese Häuser, sie heißen auch "centri sociali" und sind so etwas wie soziale Treffpunkte. Oft sind sie organisiert von linken Aktivisten. Manchmal schlimm heruntergekommen, manchmal aber auch fast wohnlich. Vor allem den Rechtspopulisten in der Regierung sind sie ein Dorn im Auge.

Für viele ist die Geste des Vatikans nun eindeutig ein Zeichen, dass sich der Chef des Hauses – nämlich Papst Franziskus – endgültig aktiv in die Politik einmischt.

Die römische Zeitung "Il Messaggero" sieht in der Strom-Aktion gar einen "Spiegel eines ganzen Pontifikats". Franziskus predigt seit seinem Amtsantritt eine Kirche für die Armen. Nahe am Menschen. Geld, Machtgier und Protz auch in der Kirche verpönt er. Und vor allem setzt er sich ein ums andere Mal für Migranten und gegen Nationalismus und Rassismus ein. Die Kirche müsse dem "populistischen Narrativ von Hass und Furcht" eine positive Botschaft entgegensetzen, lautet das Motto des Argentiniers.

Um diese Botschaft zu untermauern, traf er vorige Woche auch Sinti und Roma im Vatikan. Die waren zuletzt in der römischen Peripherie mit Hitlergruß und mit heftigen Protesten vertrieben worden. Salvini will sie "mit dem Bagger" am liebsten gleich ganz wegschaufeln und nennt sie auch schon mal "Würmer". In Italien ist die Wortwahl nicht mal mehr ein Skandal.

"Die wahren Bürger zweiter Klasse sind diejenigen, die Menschen beiseiteschieben: Das sind Bürger zweiter Klasse, weil sie nicht zu umarmen wissen."

Der Papst beim Roma-Treffen.

Später protestierten Anhänger der neofaschistischen Partei Forza Nuova in der Nähe des Petersplatzes gegen Franziskus.

Auch hinter dem Elektriker-Einsatz des Kardinals stecke Franziskus, um eine Botschaft in die Welt zu senden, sagte der Kirchenhistoriker Francesco Margiotta Broglio dem "Messaggero". Und der zweite Mann im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, erklärte, mit der Aktion solle "die Aufmerksamkeit auf ein reales Problem gelenkt werden, das Menschen, Kinder, Alte betrifft".

Salvini - der sich gern als gläubiger Katholik mit Rosenkranz zeigt – beeindruckte das Signal von oben wenig. "Wenn sie im Vatikan die Rechnungen für alle Italiener in Schwierigkeiten zahlen wollen, sollen sie uns die Kontonummer geben", sagte er. "Illegalität zu unterstützen, ist nie eine gute Botschaft."

Was dem Almosenmeister nun für Konsequenzen drohen, steht noch nicht fest. Krajewski erklärte jedenfalls, dass er jede Strafe zahlen werde.

(ts/dpa)

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