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Putin bei seiner Rede zur Lage der Nation diese Woche. Bild: imago images / ZUMA Press

Wie Putin mit einer "Schattenarmee" im Libyen-Konflikt mitmischt

Im Libyen-Konflikt kommt Moskau eine zentrale Rolle zu, wenn es darum geht, bei der Suche nach einem Friedensplan voranzukommen. An dem für Sonntag geplanten Libyen-Gipfel in Berlin soll daher auch Russlands Präsident Wladimir Putin teilnehmen.

Der Kreml ist in dem Krisenstaat aber nicht nur machtpolitisch ein Akteur, an dem der Westen nicht vorbeikommt. Auch militärisch ist Moskau dort präsent und unterstützt General Chalifa Haftar in seinem Kampf gegen die Einheitsregierung unter Fajes al-Sarradsch in Tripolis – sogar mit Söldnern.

Moskau bestreitet zwar immer wieder, dass Russland mit Söldnern in dem nordafrikanischen Land im Kampfeinsatz sei. Doch selbst für die UNO ist es einem Bericht vom Dezember zufolge ein offenes Geheimnis, dass die sogenannte Gruppe Wagner – wie schon in Syrien – seit einiger Zeit auch in Libyen aktiv ist.

Woher stammen die Söldner?

Seit September befinden sich nach Angaben des Libyen-Experten Wolfram Lacher etwa 1400 russische Söldner in Libyen. 200 bis 300 von ihnen kämpfen demnach im Großraum Tripolis, der Rest befindet sich auf Militärbasen und Ölfeldern.

Ursprung der Söldnertruppe ist nach Angaben der Internetseite "Fontanka", welche die Rolle privater Sicherheitsfirmen im Syrienkonflikt dokumentierte, das sogenannte Slawische Corps. Nach dessen Auflösung bildeten dessen ehemalige Mitglieder das Kernstück einer neuen Söldnertruppe unter der Leitung des ehemaligen Mitglieds Dmitri Utkin, Spitzname Wagner.

Utkin und die sogenannte Gruppe Wagner tauchen auf einer schwarzen Liste des US-Finanzministeriums auf, weil sie Soldaten in die Ost-Ukraine geschickt haben sollen, um an der Seite der pro-russischen Separatisten zu kämpfen. Laut Fontanka war die Gruppe Wagner ab Ende 2015 auch in Syrien aktiv.

Wer finanziert die Söldnergruppe?

Wagner wird Medienberichten zufolge vom Unternehmer und Putin-Verbündeten Jewgeni Prigoschin aus St. Petersburg finanziert. Prigoschin hat mit zahlreichen Aufträgen aus dem russischen Verteidigungsministerium ein Vermögen gemacht und steht wegen mutmaßlicher Einflussnahme auf die US-Wahlen 2016 mithilfe von Troll-Bots ebenfalls auf der schwarzen Liste des US-Finanzministeriums.

Prigoschin gründete nach Angaben eines ehemaligen Wagner-Söldners die Firma Ewro Polis, die im Auftrag der syrischen Regierung Öl- und Gaseinrichtungen sicherte und dafür mit 25 Prozent an der künftigen Produktion beteiligt wurde. Demnach zahlte Ewro Polis in Syrien jedem Wagner-Söldner zwischen 3500 und 5000 Dollar (2800 bis 4000 Euro) im Monat.

Was macht Russland in Libyen?

Eine als Konfliktinformations-Team (CIT) bekannte Bloggergruppe nannte das private Sicherheits-Militärunternehmen Wagner "Russlands Schattenarmee" in Syrien. Im Februar 2018 wurden Medienberichten zufolge hunderte russische Söldner und syrische Milizionäre bei dem Versuch getötet, das von US-Truppen kontrollierte Conoco-Ölfeld in Syrien einzunehmen. Russland äußerte sich nie offiziell zu dem Vorfall, doch sollen die Wagner-Söldner im Auftrag des staatlichen syrischen Ölkonzerns agiert haben. Die US-Luftwaffe schlug den Angriff in in der Provinz Deir Essor zurück.

Auch in Libyen gibt es große Ölfelder, die von den gegnerischen Seiten in dem Konflikt beansprucht werden. Derzeit haben sich vor allem die Einheiten von General Haftar die Kontrolle über die wichtige Einnahmequelle im Osten und in der Mitte des Landes gesichert.

Moskau sieht in Libyen ein machtpolitisches Vakuum. Für Russland sei eine Präsenz in Libyen eine kostengünstige und sogar lukrative Möglichkeit, die Nato und die EU zu schwächen, sagt der Experte Jalel Harchaoui der Nachrichtenagentur AFP. Aus Moskauer Sicht verkörpere Libyen das "Scheitern des Westens". Mit seinem Engagement in Libyen wolle Moskau dem Westen zeigen, dass es dort erfolgreich sei, wo Europa gescheitert sei, sagt Harchaoui.

Die Libyen-Konferenz in Berlin am Sonntag soll der internationalen Einmischung in dem Konflikt in dem nordafrikanischen Krisenstaat ein Ende bereiten – und einen Weg aufzeigen, das Bürgerkriegsland zu befrieden.

(ll/afp

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