Leben
A terrified young woman in an underground parking garage being followed by a sinister man

Bild: E+

Jugendliche verprügelt Lehrer – kein Einzelfall

In Freiburg (Fribourg in der Schweiz) hat kurz vor Ostern eine Schülerin ihren Lehrer zu Boden geschlagen. Kein Einzelfall, die Gewalt in Klassenzimmern nimmt laut Experten zu – auch in Deutschland. Ein Lehrerverband will die Problematik nun in einer Studie untersuchen.

Camille Kündig

Die Schülerin stürmt ins Klassenzimmer, packt den Lehrer, wirft ihn zu Boden, und schlägt immer weiter auf ihn ein – bis ihre Klassenkameraden einschreiten.

Das ist kurz vor Ostern in einer Sekundarschule in Freiburg in der Schweiz passiert. Der 50-jährige Lehrer erleidet leichte Verletzungen an der Stirn. Psychisch macht ihm der Angriff stark zu schaffen. Er ist bis heute krank geschrieben, wie die Regionalzeitung "La Liberté" berichtet.

Die Schülerin war bereits vor dem Vorfall der Schule verwiesen worden, weil sie mehrfach den Unterricht geschwänzt hatte. An besagtem Tag wollte sie sich dennoch ins Klassenzimmer setzen – was der Lehrer nicht erlaubte.

Bespuckt, geschubst und geschlagen

Ähnliche Vorfälle sorgten in den vergangenen drei Jahren immer wieder für Schlagzeilen: Ein 17-Jähriger prügelte an einer Luzerner Berufsschule seine Lehrerin krankenhausreif. Ein Schüler in Schaffhausen drohte seinem Lehrer mit dem Tod. Und im schweizerischen Dietikon ging gar eine Mutter auf eine Lehrerin los.

Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, ist alarmiert: "Die Schüler spucken ihre Lehrer an, schubsten sie oder teilen sogar Schläge aus. Uns erreichen immer mehr entsprechende Meldungen von unseren Sektionen in der ganzen Schweiz." Er will nun eine Studie zur Gewalt-Problematik in Auftrag geben. Denn konkrete Zahlen zur Gewalt von Schülern an Lehrern gibt es bisher nicht.

Innerhalb einer repräsentativen Studie aus dem Jahr 2018 sprach jede vierte deutsche Schule (26 Prozent) von Vorfällen, in denen Schüler auf ihren Lehrer losgegangen sind. Fast in der Hälfte der Schulen (48 Prozent) gab es Fälle von psychischer Gewalt – also Fälle, bei denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden.

Beat Zemp glaubt, dass es eine hohe Dunkelziffer in diesem Belangen gibt: "Gewalt an Lehrpersonen bleibt ein Tabuthema, da Lehrpersonen aus falscher Scham und Unsicherheit es wohl oft nicht melden."

Sprache und Ton in der Gesellschaft schuld?

Die Attacken auf die Lehrer fänden bereits im jungen Alter an: "Schon Kindergartenkinder werden ausfällig". Am häufigsten seien es aber Pubertierende, sagt Zemp. Sie wählten ihre Opfer gezielt aus: In vielen Fällen seien es junge Lehrpersonen mit wenig Erfahrung.

Der Hauptgrund für den schwindenden Respekt gegenüber Lehrpersonen sei gesellschaftlicher Art, meint Zemp: "Gewalt wird in der heutigen Gesellschaft immer mehr toleriert und die Sprache immer gewalttätiger. Im Sport sagt man, es wurde zu wenig aggressiv gespielt, wenn man ein Match verliert. In der Wirtschaft heißt es, es wurde zu wenig aggressiv investiert."

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