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Die Waschstraße für Einkaufswägen im Eingangsbereich einer Rewe-Filiale. Bild: Saiko Maschinentechnik

Start-up-Idee: Edeka und Rewe testen Hygiene-Neuheit am Eingang

Wenn ihr in letzter Zeit mal einkaufen wart, habt ihr sie vielleicht gesehen: minder-motivierte Mitarbeiter des Supermarkts eures Vertrauens, die mit Sprühflasche und Lappen bewaffnet Einkaufswägen desinfizieren sollen. Der Desinfektionsvorgang sieht dann oft so aus: zwei Sprühstöße in die generelle Richtung des Wagens, kurz drüber gewischt und fertig.

Das Bild ist eines von dreifacher Unzufriedenheit: Die Mitarbeiter haben besseres zu tun (wer könnte es ihnen verdenken), die Märkte verschwenden Ressourcen und die Kunden hätten, gerade in der Corona-Krise, gerne keimfreie Wägen.

Ein Start-up aus NRW hat darin eine Marktlücke entdeckt – und sich an die Entwicklung einer Waschstraße für Einkaufswägen gemacht. Baris Karadas und sein Geschäftspartner Koray Celik aus Herford sind zwei PR-Profis, die mit der Desinfektions-Situation vor Supermärkten nicht zufrieden waren.

"Wir fanden das nicht effizient, weder für den Markt, noch für die Kunden", erklärt Karadas watson die Entstehung der kleinen Hygiene-Revolution. Er ist einer der Geschäftsführer der Saiko Maschinentechnik GmbH, die den Desocube – so nennt sich die Waschstraße – vertreibt.

Bei den Kunden sei das Hygienebewusstsein schon immer vorhanden gewesen – eine Lösung war gefragt. 2016 begannen die beiden damit, Abstriche bei Einkaufswägen zu nehmen, die Viren- und Bakterienbelastung ergeben hätten.

"Über die Jahre haben wir uns mehr Gedanken gemacht, bis wir im Sommer 2019 dann auf unsere Waschstraße gekommen sind, die Einkaufswägen desinfiziert", erzählt Karadas. "In einer Garage haben wir getüftelt, wie das so ist, als Start-up."

Die Corona-Pandemie habe den Entwicklungsprozess der Waschstraße beschleunigt, eigentlich wollten sie ihre Erfindung im September auf den Markt bringen – nun stehen bereits erste Demoversionen vor 60 Märkten in neun Bundesländern. Edeka und Rewe sind dabei, außerdem Bau- und Gartenmärkte. 10 weitere Waschstraßen sollen kommende Woche ausgeliefert werden.

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Vor einem Edeka-Supermarkt steht die Desinfektionsmaschine für Einkaufswagen. Bild: Saiko Maschinentechnik

Die funktionieren so: Kunden schieben ihren Wagen in die Straße, drücken dann einen Schalter, dann wird der Wagen mit Desinfektionsmittel eingesprüht. Ein Handdesinfektionsspender steht ebenfalls zur Verfügung, damit die "Hygienekette abgeschlossen ist", so Karadas. Etwa eine halbe Minute können Kunden ihren desinfizierten Wagen dann in den Markt schieben.

Einer dieser Märkte ist ein Edeka aus Borchen, der seine Waschstraße stolz auf Facebook präsentiert. Die kommt gut an bei den Kundinnen und Kunden: "Super"; "Unfassbar gut" und "Tolle Idee" kommentieren sie das Gerät. Kein Einzelfall, das Feedback sei insgesamt "sehr positiv" ausgefallen, sowohl von Kunden als auch von den Märkten, berichtet Karadas.

In der Coronakrise konnten sie Erfahrungen mit ihrem Produkt sammeln, die jetzt in die finale Version einfließen sollen: "Das Serienmodell ist grundsätzlich kontaktlos, der Prozess startet automatisch, die Abgabe des Desinfektionsmittels läuft ebenfalls automatisiert." Auch die Händedesinfektion läuft ohne Kontakt: Sensoren steuern das Gerät.

Die Idee macht ihre Runden

Langsam macht ihre Idee auch in den Medien die Runde. Die "Rheinische Post" berichtete, vor wenigen Tagen brachte ein Regionalableger von Sat.1 einen Beitrag. Zuletzt schaffte es der Desocube in die Berichterstattung des WDR.

Auch jenseits der Landesgrenzen scheinen Karadas und Celik mit ihrer Idee auf sich aufmerksam gemacht zu haben. Sie hätten Anfragen aus dem Ausland erhalten, so Karadas, unter anderem aus Polen, der Türkei und Holland. Selbst aus Brasilien hätten sich bereits Interessenten gemeldet: "Die Nachfrage ist immens."

Im Moment wollen die beiden sich aber auf den deutschen Markt konzentrieren. Die Auslieferung ihres Serienmodells soll am 1. Juli beginnen. Ein Patent ist angemeldet.

(pcl)

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