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Begehrt, aber auch umstritten: Schutzmasken bild: unsplash

Corona-Krise: Sollten in Deutschland nun alle Masken tragen? Das sagen Experten

Schon vor der Corona-Pandemie war es in vielen asiatischen Ländern wie China, Japan oder Südkorea üblich, während der Erkältungssaison einen Mundschutz zu tragen. Gerade Südkorea, wo es aktuell eine Mundschutz-Pflicht gibt, wird als Erfolgsgeschichte im Kampf gegen Sars-CoV-2 gehandelt. Entsprechend schauen nun auch andere Länder gen Osten, um sich die ein oder andere Maßnahme abzugucken.

So trat in Österreich kürzlich die neue Mundschutz-Pflicht in Supermärkten in Kraft. In Deutschland hat bisher nur die Stadt Jena verkündet, bald das verpflichtende Tragen einer Maske einzuführen. Gelten soll die Regel in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten. Das Ziel dahinter ist, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen und die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Können uns Masken vor Covid-19 schützen?

In der Bevölkerung herrscht Unsicherheit darüber, ob das Tragen von Masken sinnvoll ist. Das liegt nicht zuletzt daran, dass aktuell viele Meinungen von Experten parallel bestehen, was den schützenden Effekt von Masken angeht. Auch bei Twitter zeigen sich einige Nutzer verwirrt:

Was können nun also die Vorteile, was die Nachteile von Schutzmasken sein? Watson hat dafür Stimmen renommierter Experten zusammengetragen.

Das sagt das Robert Koch-Institut:

Auf der Seite des Robert Koch-Instituts (RKI) heißt es, dass es keine ausreichenden Belege dafür gebe, dass ein Mundschutz wirklich vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützt. Vor allem warnt das RKI davor, sich durch das Tragen einer Maske in einer falschen Sicherheit zu wähnen und dadurch eventuell andere Hygieneregeln zu vernachlässigen:

"Auf keinen Fall sollte das Tragen eines MNS (Mund-Nasen-Schutz, Anm. d. Red.) oder einer anderen Form der Barriere dazu führen, dass Abstandsregeln nicht mehr eingehalten oder die Händehygiene nicht mehr umgesetzt wird. Hingegen gibt es keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert."

Am Donnerstag änderte das RKI allerdings seine Empfehlung, was das Tragen von Masken betrifft. Wenn Menschen – auch ohne Symptome – vorsorglich eine Maske tragen, könnte das das Risiko einer Übertragung von Viren mindern, heißt es nun auf der Internetseite der Bundesbehörde. Wissenschaftlich belegt sei das aber nicht. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sich noch gegen das Tragen eines Mundschutzes aus und verweist dabei auf die mangelhafte Beweislage.

Das sagt Virologe Kekulé:

Der Virologe Alexander Kekulé hat gerade für Mitarbeiter in Supermärkten und andere Dienstleister OP-Mundschutz gefordert. Im Mitteldeutschen Rundfunk sagte er:

"Es gibt Menschen, die einfach Aufgaben haben, bei denen sie automatisch mit anderen in Kontakt kommen und die sich nicht zu Hause einsperren können. Für die bräuchten wir wesentlich konkretere Anweisungen und Empfehlungen."

Noch besser fände er es, wenn jeder eine einfache OP-Maske immer dabei hätte, wenn er das Haus verlässt. So sagt er in seinem MDR-Podcast "Kekulés Corona-Kompass": "Beim Smart-Distancing wäre mein Vorschlag, diese Maske zum Standard-Accessoire zu machen. Für den Fall das man Menschen draußen irgendwo trifft und sich näher kommt."

Außerdem kritisiert Kekulé die Haltung der Behörden zum Mundschutz. "Ich finde es ganz fürchterlich, dass das Robert-Koch-Institut immer noch daran festhält, dass diese Masken nichts brächten. Das stimmt nicht: Erst einmal schützt man andere. Zum anderen schützt man sich selbst."

Kekulé beruft sich dabei auf Daten aus China, die nahelegen, dass ein Mundschutz eben doch vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen könnte. So sagt er in seinem Podcast: "Es ist so, dass wir aus Hongkong wissen, dass das reine Tragen der OP-Masken, was die dort alle machen, offensichtlich doch einen ganz erheblichen Effekt hat um die Krankheit unter Kontrolle zu halten."

Das sagt Virologe Christian Drosten:

In seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update" hat der Virologe Christian Drosten schon mehrfach gesagt: Es ist nicht eindeutig wissenschaftlich erwiesen, dass Atemmasken vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen. Insofern stimmt er mit dem RKI und der WHO überein.

Vor allem warnte der Experte in der Podcast-Folge vom 23. März davor, dass beim Maskenkauf keine Konkurrenz zwischen Bürgern und medizinischem Personal entstehen dürfe. Professionelle Masken sollten also für Menschen reserviert sein, die im Patientenkontakt stehen und so einem größeren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.

Dennoch könnten Masken einen Schutz bieten, und zwar nicht für sich selbst, sondern für andere: Wer seine Mitmenschen nicht mit dem Coronavirus anstecken möchte, sollte nun einen Mundschutz tragen. So sagte Drosten im Podcast:

"Deswegen muss die Maske an der Quelle sein, und nicht am Empfänger."

Dafür reicht übrigens eine selbst gebastelte oder genähte Maske oder ein Tuch. Ein Stück Stoff vor dem Gesicht reicht nämlich schon aus, damit größere Tröpfchen beim Sprechen oder Husten aufgefangen werden und so nicht auf andere Menschen übergehen.

Einen weiteren Vorteil im Tragen einer selbstgemachten Maske sieht Drosten in dem Zeichen, das man damit setzt: Wer Maske trägt, mahnt zur Vorsicht vor einer Ansteckung mit Corona und zeigt Solidarität gegenüber seinen Mitmenschen: "Das, finde ich, ist eine gute Geste in der Öffentlichkeit."

Die Stadt Jena hat bei ihren Überlegungen zu Maskenpflicht die Möglichkeit, auf nicht professionelle Masken zurückzugreifen, übrigens mit einbezogen:

"Neben Masken werden auch Tücher oder Schals als Schutz anerkannt. Diese müssen aber auch die Nase und den Mund abdecken."

Stadt Jena

Gemeinsam gegen Corona

Auch wenn Masken einen selbst nicht vor Ansteckung schützen, schützen sie andere. Darum heißt es: Masken aus Solidarität und zur Verringerung der Ausbreitung aufsetzen! Jena hat mit der Maskenpflicht einen womöglich einen richtigen Schritt in diese Richtung gemacht.

(ks/ak)

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