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Mit einem Tuch oder Schal vor dem Mund kannst du andere vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. (Symbolbild) Bild: E+ / bymuratdeniz

Coronavirus: Virologe erklärt, welchen Nutzen Schal oder Tuch haben

Immer häufiger sieht man sie nun auf der Straße: Menschen mit Schutzmasken im Gesicht. Viele Menschen fühlen sich angesichts der Coronavirus-Pandemie verunsichert und wollen sich zusätzlich zu den verordneten Maßnahmen, wie dem Kontaktverbot, schützen.

Schon vor Wochen haben besonders besorgte Menschen sich deswegen Schutzmasken in der Apotheke gekauft oder im Internet bestellt, teilweise auf Vorrat. Mittlerweile berichtet medizinisches Personal in Krankenhäusern regelmäßig, dass OP-Masken geklaut werden.

Krankenhäuser sind besonders auf die Schutzmasken angewiesen

Da nun an Krankenhäusern im ganzen Land ein Mangel von Schutzmasken droht, wurden zehn Millionen Stück nachproduziert und nach und nach ausgeliefert. Höchste Priorität ist nun, die Versorgung mit Schutzmasken in den Kliniken zu gewährleisten. "Deswegen machen sich auch Einkaufsabteilungen an großen Krankenhäusern berechtigte Sorgen, wenn die Öffentlichkeit jetzt auf dieselben Bestände zugreifen will", sagt auch Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus-Update".

In der Folge von Montag spricht der Virologe von der Berliner Charité darüber, dass in Bezug auf die Schutzmasken keine Marktkonkurrenz zwischen Krankenhäusern und der Bevölkerung entstehen darf. Weiterhin erklärt er, wen die Masken eigentlich genau schützen – und warum selbstgemachte Gesichtsmasken, zum Beispiel auch Schals oder Tücher, einen positiven Effekt haben könnten.

Entgegen vieler kritischer Stimmen meint Drosten, dass die deutschen Krankenhäuser sich im Prinzip vorbereitet hätten auf den erhöhten Bedarf von Schutzmasken. Wo die Vorräte knapp wurden, wurde entsprechend nachbestellt – aber sowohl Bestellung als auch Produktion brauchen eben eine Weile. Gerade in Zeiten, in denen auch die zivile Bevölkerung starkes Interesse an den Masken zeigt.

Masken schützen nicht dich selbst – aber andere

Dabei sind die normalen OP-Masken nicht erwiesenermaßen wirksam gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus: Dass die Einzelperson sich mithilfe einer Schutzmaske selbst vor dem Krankheitserreger schützen kann, ist laut Drosten nicht wissenschaftlich bewiesen. Hingegen kann man andere davor schützen, sie mit den eigenen Viren anzustecken und so zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus beitragen.

Warum ist es nun so, dass man sich mit einer Maske nicht selbst schützen kann? Der Virologe erklärt, beim Niesen zum Beispiel werden Tröpfchen abgegeben, welche Viren enthalten. Je weiter du von der Person entfernt bist, die geniest hat, umso feiner werden die Tröpfchen, die sie abgibt. Und die kannst du selbst einatmen, wenn du eine Maske trägst – nämlich durch die seitliche Öffnung.

Drosten schlussfolgert:

"Deswegen muss die Maske an der Quelle sein, und nicht am Empfänger."

Wenn du selbst allerdings krank bist, kann selbst eine einfache Stoffmaske Tröpfchen abfangen und so andere vor einer Ansteckung bewahren. Ähnliches gilt für Schal oder Tuch, das sich gerade viele zum Beispiel beim Einkaufen um Hals und Mundpartie wickeln.

Mit der Schutzmaske ein Zeichen gegen Corona setzen

Auch meint Drosten: Wer eine Maske trägt, setzt quasi ein visuelles Zeichen – er erinnert andere daran, sich zu schützen und zeigt, dass er sich auch selbst in Acht nimmt. Das könnte seiner Ansicht nach vor allem jüngere Menschen zu mehr Vorsicht mahnen:

"Wer draußen eine Maske trägt, wird diese Maske nicht vom Gesicht nehmen, um dann einen Schluck aus der Bierflasche zu nehmen bei einer Coronaparty.”

Auch Schal oder Tuch haben positiven Effekt

Um grobe Tröpfchen abzufangen oder ein Zeichen gegen Corona zu setzen, braucht es auch nicht die Atemmasken, die so dringend im Krankenhaus benötigt werden: "Für den Effekt, den wir gerade besprochen haben, ist es vollkommen ausreichend, wenn man eine Stoffmaske trägt", sagt Drosten.

Du kannst dir also auch ein Tuch um den Mund binden oder einen Schal. Auch das hat einen positiven psychologischen Effekt:

"Das, finde ich, ist eine gute Geste in der Öffentlichkeit."

Stoffmasken oder -tücher kannst du natürlich regelmäßig waschen. Am besten ist es, du hast mehrere Masken oder Tücher, die du tragen kannst, während die anderen in der Wäsche sind. Bei 60 Grad in der Waschmaschine werden die Viren laut Drosten übrigens zerstört.

Wenn du andere schützen oder ein sichtbares Zeichen setzen willst, kannst du also eine Maske tragen. Bitte sieh allerdings davon ab, die Bestände in der Apotheke leer zu kaufen oder die Masken online in Massen zu bestellen. Binde dir lieber ein Stofftuch um den Mund. Und nicht vergessen: Das Tragen von Masken ist weder Pflicht, noch schützt es dich selbst vor einer Ansteckung. Da hilft nur Abstand nehmen und regelmäßig Hände waschen.

(ak)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rena Tellmann-porter 24.03.2020 13:04
    Highlight Highlight guten morgen! auch mal die fachwelt in deutschland aufgewacht? das sage ich seit 5 wochen, auch tut man so als wäre ganz asien völlig bescheuert. was für eine erkenntnis! eine frechheit, ist das zum jetzigen zeitpunkt diese info zu verkünden! wo sich bereits etliche kranke sinnlos in den ellenbogen gehustet haben, hätten die vielleicht mal schon früher masken oder schals vor dem gesicht gehabt und man das nicht dauern als sinnlos verteufelt, wären die zahlen deutlich niedriger! so ärgerlich, jetzt wo drosten das ENDLICH sagt , alle hellwach? alle so wissenschaftshörig oh je

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