Leben
Foto Manuel Geisser 16.6.2020 Waldshut GER : Fleischregal in einem deutschen Discounter

Viele Kunden schauen inzwischen mit viel Skepsis in die Fleischregale deutscher Supermärkte. Bild: www.imago-images.de / MANUEL GEISSER

Exklusiv

Lidl wirft Tönnies-Fleisch raus: Diese Konsequenzen ziehen Supermärkte aus dem Skandal

Der Tönnies-Skandal hat in Deutschland eine breite Diskussion um Fleischkonsum ausgelöst. Dabei stehen zwei Aspekte im Fokus: Zum einen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Fleischindustrie. Und zum anderen das Wohl der Schlachttiere.

Um beides stand und steht es beim Fleischproduzenten nicht zum Besten. Dies war erst durch den kürzlich erfolgten, größeren Corona-Ausbruch im Werk in Rheda-Wiedenbrück in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt – und damit auch in das der Verbraucher.

Die Supermärkte und Discounter reagieren deshalb schon auf den Skandal. Lidl hatte als erstes Handelsunternehmen erklärt, seine Fleischprodukte zumindest temporär ausschließlich über andere Fleischlieferanten in seinem Lieferantennetzwerk zu beziehen. "Mit Tönnies befinden wir uns dennoch weiter in Gesprächen", erklärt ein Sprecher gegenüber watson.

Bei der Konkurrenz hingegen geht man unterschiedlich mit der neuen Situation um. Wir haben bei allen großen Einzelhändlern nachgefragt, wie sie auf den Skandal und mögliche Bedenken der Kunden reagieren. Dabei zeigt sich, dass die meisten weiterhin Fleisch von Tönnies verkaufen.

Aldi Süd:

Aldi Süd stoppt den Verkauf von Tönnies-Produkten vorerst nicht. "Grundsätzlich beziehen wir weiterhin auch verschiedene Fleischartikel von unserem Lieferanten Tönnies", sagt eine Sprecherin zu watson. Aktuell würden jedoch keine Waren mehr aus dem Standort Rheda-Wiedenbrück heraus an Aldi Süd geliefert.

Weiter sagt die Sprecherin, man arbeite gemeinsam mit den Lieferanten daran, die Versorgung mit Fleischartikeln "auf gewohnt hohem Niveau" zu gewährleisten. Dabei lege man großen Wert darauf, dass die Produktion unter den aktuell verschärften Hygiene- und Sicherheitsregeln erfolge.

Aldi Nord:

Auch Aldi Nord bietet weiter Produkte von Tönnies an. Zwar zeigt man sich "betroffen über das Ausmaß an Infektionen" und stehe zu den aktuellen Vorkommnissen im engen Austausch mit Tönnies und anderen Lieferanten. Die von Tönnies angekündigten Verbesserungen lobt man aber ausdrücklich.

"Wir begrüßen die Entscheidung von Tönnies und Westfleisch, dass sie mit ihrem angekündigten Maßnahmenplan künftig ihrer Verantwortung gegenüber all ihren Beschäftigten und der Gesellschaft mehr Nachdruck verleihen und sich darüber hinaus für bessere Tierwohlbedingungen einsetzen möchten." Bei der Umsetzung ihres Vorhabens wolle man alle Lieferanten unterstützen und werde die konkreten Maßnahmen mit ihnen im Detail besprechen.

Kaufland:

Bei Kaufland nimmt man die Produkte von Tönnies nicht aus dem Sortiment – weil sie ohnehin nicht drin waren. "Unsere Filialen wurden und werden nicht mit Fleisch von Tönnies beliefert", so ein Sprecher gegenüber watson. Ein Großteil des Fleisch-Sortiments werde von Kaufland-eigenen Fleischbetrieben produziert. Allerdings hatte man indirekt doch mit Tönnies zu tun: "Von dem betroffenen Standort von Tönnies (Rheda) haben wir Rohstoffe bezogen, die wir aus aktuellem Anlass problemlos auf andere Standorte bzw. andere Lieferanten umgestellt haben", heißt es dazu.

Edeka:

Edeka betont gegenüber watson, man verfüge über vielfältige Beziehungen zu regionalen Erzeugern und Schlachtbetrieben in ganz Deutschland. "Damit sind wir unabhängig vom Unternehmen Tönnies." Zur Frage, ob man Tönnies-Produkte ausgelistet hätte, äußert sich Edeka nicht direkt. Das Fleisch- und Wurstsortiment unterscheide sich von Markt zu Markt und sei auf den jeweiligen Standort und die Kundenwünsche vor Ort zugeschnitten, heißt es dazu nur.

Außerdem stehe man in der aktuellen Situation mit den Lieferanten im engen Austausch und beobachte alle durchgeführten Maßnahmen und Entwicklungen in den betroffenen Schlachtbetrieben sehr genau.

(om)

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