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Eine Filiale von Aldi Süd auf der Luxemburger Straße. Köln, 04.04.2020 *** A branch of Aldi Süd on the Luxemburger Straße Cologne, 04 04 2020 Foto:xC.xHardtx/xFuturexImage

Aldi Süd hat wegen einer vergleichenden Werbeanzeige Ärger bekommen. Bild: www.imago-images.de / Christoph Hardt

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Im Discounter-Zoff mit Lidl bekommt Aldi jetzt Ärger von oben

Jetzt gibt's Ärger: Die ganze Woche über hatten sich Aldi und Lidl einen regelrechten Preiskrieg geliefert. Zu Beginn der Woche warben beide Discounter öffentlich damit, jeweils günstiger als der Konkurrent zu sein. Dafür präsentierten Aldi und Lidl von ihnen zusammengestellte Warenkörbe, die beim Gegner jeweils teurer seien (mehr dazu hier).

Seite 2 der Lidl-Werbeanzeige in der

Bild: watson

Nachdem Lidl Mitte der Woche mit einem Werbespot gegen Aldi nachgelegt hatte, mischte sich am Donnerstag schließlich Edeka ein und wandte sich in einem offenen Brief gegen die beiden Streithähne: "Den Weg zum Discounter können Sie sich sparen", versicherte Edeka seinen Kunden. Man könne preislich mithalten – und biete außerdem mehr als nur günstige Preise.

Ausgangspunkt der Preis-Streitereien ist die Mehrwertsteuersenkung im Zuge der Coronakrise um drei Prozent – die der Lebensmitteleinzelhandel kreativ umsetzt.

Beschwerde bei der Wettbewerbszentrale gegen Aldi und Lidl

Doch das mitunter amüsante Hin-und-her im Lebensmitteleinzelhandel hat jetzt die Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen.

Mehrere Beschwerden von Verbrauchern und Konkurrenz-Ketten über die Werbeanzeigen von Aldi und Lidl sind bei der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eingegangen, wie diese watson gegenüber bestätigte. Zuerst hatte die "Lebensmittelzeitung" über die Beschwerden berichtet.

Was ist die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs?

Hinter dem leicht sperrigen Namen verbirgt sich ein Verein mit Sitz in Bad Homburg, der bundesweit tätig ist und geltendes Recht gegen unlauteren Wettbewerb durchsetzten möchte. Der auch Wettbewerbszentrale genannte Verein sieht sich als unabhängige Institution der deutschen Wirtschaft und stellt eine Selbstkontrollinstanz dar.

Die Wettbewerbszentrale erklärte gegenüber watson am Freitag: "Wir haben bisher die Aldi-Werbung aufgegriffen und beanstandet." Der Grund: Zwar nenne das Prospekt, in dem sich Aldi als günstiger als Lidl darstellte, eine Quelle für den Vergleich. Dieser ist zu entnehmen, wer die Erhebung durchgeführt hat, in welcher Stadt diese an welchem Tag durchgeführt wurde und bei welchen Supermarkt-Ketten.

Dieses Prospekt fällt Aldi jetzt auf die Füße:

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Unten links im Bild: Das Aldi-Süd-Prospekt nannte eine Quelle für seine Behauptung, "Preissieger" zu sein. Bild: Screenshot Prospekt Aldi Sued

Aber: "Weder in der Anzeige noch in den Erläuterungen wurde geschildert, welche Waren genau gekauft wurden. Aufgeführt war lediglich die Warengruppe, etwa Feinkost, aber nicht, welches Produkt aus dem Bereich Feinkost gekauft worden sein soll", sagte die Wettbewerbszentrale zu watson.

Zur Erläuterung: In dem Prospekt war Anfang der Woche noch ein Link angegeben zu einer Mitteilung eines Beratungs- und Marktforschungsunternehmens. Darin war etwa aufgeführt, dass für den Warenkorb, den die Aldi-Werbung mit Lidl und anderen Supermarkt-Ketten verglich, Artikel aus der Warengruppe "Tiefkühlung" eingekauft wurden.

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So sieht die Quelle für die "Preissieger"-Behauptung von Aldi Süd aus. Bild: Wettbewerbszentrale

Welcher Artikel genau im schlussendlich beworbenen Einkaufswagen landete, war der Mitteilung aber nicht zu entnehmen. "Damit wird der Vergleich, der dieser Werbeanzeige zugrunde liegt, für den Verbraucher nicht mehr nachvollziehbar", so die Wettbewerbszentrale zu watson. "Aus dem Tiefkühlsortiment können etwa günstige Fischstäbchen oder teurer Steinbutt gekauft werden. Beides fällt in dieselbe Warengruppe, ist aber zu unterschiedlichen Preisen zu haben."

Unterlassungsaufforderung: Was Aldi jetzt nicht mehr behaupten darf

Insbesondere die Nachvollziehbarkeit eines Vergleichs sei allerdings gesetzliche Voraussetzung für vergleichende Werbung. "So wird gewährleistet, dass Verbraucher auch wirklich Nutzen aus dem Vergleich ziehen können", erklärte die Wettbewerbszentrale. "Letztlich könnten Sie jeden Tag einen Warenkorb zusammenstellen, der etwas billiger ist, als der eines Konkurrenten. Der Vergleich muss für den Verbraucher transparent sein, und das ist aus unserer Sicht nicht gegeben."

Im Falle des Aldi-Prospektes hat die Wettbewerbszentrale nun Aldi zur Unterlassung aufgefordert. Das heißt, der Discounter darf mit dem Warenkorb aus dem Prospekt, der angeblich günstiger sei als etwa bei Lidl, nicht mehr werben.

Sollte Aldi das ignorieren, drohen gerichtliche Konsequenzen. "Wenn Aldi dieser Unterlassung mit Frist bis Montagmorgen nicht nachkommt, dann wird die Wettbewerbszentrale ihren Unterlassungsanspruch vor Gericht durchsetzen", so die Wettbewerbshüter gegenüber watson.

Aldi hat die "Preissieger"-Behauptung zurückgenommen

Das beanstandete Prospekt hat sich inzwischen geändert. Am Freitagmittag waren in der Online-Ausgabe etwa die "Preissieger"-Behauptung sowie die zu ihr angeführte Quelle nicht mehr aufzufinden, auch das Layout war stark verändert. Zwar ist noch immer ein Einkaufswagen abgebildet (auf der Titelseite des Prospekts), aber vergleichende Behauptungen wurden entfernt.

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So sieht das Prospekt für die laufende Woche jetzt aus. Bild: Screenshot Prospekt Aldi Süd

Watson hat bei Aldi Süd nachgefragt, ob diese Änderungen eine Reaktion auf die Unterlassungsaufforderung der Wettbewerbszentrale darstellt. Der Discounter bestätigte gegenüber watson lediglich die Änderung des digitalen Prospekts, wollte sich hinsichtlich "etwaiger Unterlassungserklärungen" jedoch nicht äußern.

Auch Lidl drohen Konsequenzen

Und was ist mit Lidl? Zwar hatte Aldi Süd im Preiskrieg der Discounter den ersten Stein geworfen, Lidl ließ sich dafür im Gegenzug auch nicht gerade lumpen, zog mit einem eigenen Einkaufswagen nach und veröffentlichte sogar einen ganzen Werbespot in dem Zusammenhang. Dazu hieß es von der Wettbewerbszentrale: "Auch gegen die Lidl-Werbung sind bereits Beschwerden eingegangen, die die Wettbewerbszentrale gerade prüft." Die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen.

(pcl)

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Aldi, Edeka, Kaufland: Discounter kündigen Ende der 9-Cent-Regel an

Die Bundesregierung hat beschlossen, ab dem 1. Juli die Mehrwertsteuer von aktuell 19 Prozent auf 16 Prozent zu senken. Die meisten Supermärkte und Discounter kündigten auch bereits an, die Steuersenkung an ihre Kunden weitergeben zu wollen.

Aber was bedeutet das für die Preise? Aufgrund der prozentualen Senkung könnten uns bald kuriose Preise in den Filialen erwarten. Sind die Zeiten von 9,99 Euro vorbei? Werden alle Preisschilder in den Filialen ausgetauscht?

Als gebrochener Preis bezeichnet …

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