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BERLIN, GERMANY - MARCH 30: Technicians test patient swabs for possible coronavirus infection in a specialized lab room at the IFLb medical lab on March 30, 2020 in Berlin, Germany. The IFLb lab is currently processing approximately 300 coronavirus tests a day and is one of several labs conducting the tests in Berlin. The German government is seeking to greatly increase Germany's coronavirus testing capacity as a means to possibly ease restrictions on public life that are having a devastating effect on the economy.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

In einem Berliner Labor werden die Proben von Patienten auf Corona getestet. Bild: Getty Images Europe / Sean Gallup

Virologe rät von Corona-Test ab, wenn man keine Symptome hat

Viele Corona-Erkrankungen verlaufen symptomlos. Unter Umständen hast du also bereits Corona bekommen und es nicht einmal gemerkt. Klar, dass sich viele Menschen daher gerne testen lassen würden, um Gewissheit zu haben.

Bei Deutschlands Spitzen-Politikern, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, werden die Tests im regelmäßigen Abstand durchgeführt. Für die Masse gilt: Um auf Corona getestet zu werden, muss man Krankheitssymptome aufweisen und aus einem Risikogebiet kommen beziehungsweise mit einer positiv getesteten Person zu tun gehabt haben. (Mehr Informationen hier.)

Aber wäre es nicht sinnvoll, alle daran Interessierten zu testen – ob nun Symptome oder nicht? Im MDR-Podcast "Kekulés Corona-Kompass" beantwortet Virologe Alexander Kekulé diese Frage.

Lieber keine grundlosen Tests

"Da muss man ein bisschen unterscheiden zwischen der Situation jetzt und was wir hoffentlich bald haben", erklärt der Wissenschaftler. "Was wir jetzt haben, ist, dass die Tests relativ knapp sind und da ist es vernünftig, dass man diese Tests für die medizinisch relevanten Fälle aufhebt." So empfiehlt es auch das Robert-Koch-Institut.

Richtiges Verhalten bei Coronavirus-Verdacht

Sars-CoV-2 ist eine neue Form des Coronavirus – einem Virus-Typ, der grippeähnliche Infekte auslöst. In den allermeisten Fällen in Deutschland verläuft eine Ansteckung mit dem Coronavirus symptomfrei bis milde: Du könntest leichtes Fieber, Halsweh und Abgeschlagenheit erleben.

Danach klingt die Krankheit meist wieder ab. Wirklich gefährlich kann das Virus vor allem dann werden, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst: Ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen (wie Krebs oder Lungenkrankheiten) sollten im Falle eines Infektionsverdachts ihren Arzt kontaktieren.

Wenn du Bedenken hast, ruf deinen Arzt bitte an, bevor du in die Praxis gehst. In Menschenmengen können sich Erreger eher verbreiten und so Patienten treffen, für die sie wirklich eine Bedrohung darstellen (die Risikogruppen). Laut Robert Koch-Institut sind Atemschutzmasken nicht erforderlich.

Auch Desinfektionsmittel benötigen nur Menschen mit geschwächtem Immunsystem und solche, die mit vielen anderen in Kontakt kommen (Verkäufer, Pfleger etc.). Achte stattdessen auf gründliches Händewaschen und Niesetikette.

Von sogenannten Hamsterkäufen jeglicher Art, ob Medizin oder Lebensmittel, ist abzuraten. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in Deutschland ist sichergestellt.

Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums soll die Kapazität derzeit bei 300.000-500.000 Tests pro Woche liegen, der Berufsverband Deutscher Laborärzte meldet allerdings, dass schon jetzt die Testmaterialien knapp werden.

Sich zur Sicherheit testen zu lassen, ist aber auch aus einem anderen Grund momentan Unsinn, so Kekulé weiter: Der derzeitige Test zeigt nämlich erst positiv an, wenn sich das Coronavirus bereits voll im Körper entfaltet hat.

"Das ist eine falsche Sicherheit. Denn man kann sich ja vor ein paar Tagen angesteckt haben – VOR Ausbruch der Symptome..."

Alexander Kekulé

Bedeutet: Der Test zeigt zwar kein Corona, das Virus ist jedoch schon im Körper. "Da testet man in der Inkubationszeit, man ist negativ – und ein, zwei Tage später scheidet man doch Viren aus", so der Wissenschaftler weiter. Man müsse den Test also ständig wiederholen, um eine valide Aussage zu haben.

Und das würde nicht nur teuer, sondern auch anstrengend. Denn wer symptomfrei ist, aber auf einen Test besteht, muss die 170 Euro dafür aus eigener Tasche zahlen. Noch dazu wird sofort nach dem Test eine 2-wöchige Quarantäne verordnet, bis die Ergebnisse da sind. Eine strenge Maßnahme, die laut dem Virologen zu hart ist. "Weil viele Leute sich einfach aus einer übergroßen Sorge testen lassen."

Sein Rat: Lass den Test lieber sein. Zumindest vorläufig!

In der Zukunft sollten alle getestet sein

"Wenn wir aber bald in der Situation sind, dass wir wesentlich mehr testen als bisher, vielleicht auch mit einem neuen Verfahren", so Kekulé weiter, "dann kommt es so, dass quasi jeder Bundeskanzler sein darf."

"Da darf dann jeder sagen: Ich mache jetzt mal so einen Test, um zu sehen, ob ich positiv bin, bevor ich meine Oma besuche. Weil die ja bekanntlich eine Risikoperson ist. Das wäre die nahe Zukunft, die ich mir wirklich wünschen würde."

Alexander Kekulé im MDR-Podcast

Er hofft auf eine Liberalisierung, wenn Corona so schnell getestet werden könnte wie eine Schwangerschaft. Seine Idealvorstellung? "Jeder darf sich testen wie er will, ohne irgendwelche Formalie." Das könnte den Umgang der Bevölkerung mit der Krankheit erleichtern – und Besuche bei den Großeltern wieder einen Schritt näher bringen.

(jd)

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