25.05.2020, Hamburg: Ein Mundschutz liegt in der Federmappe einer Schülerinnen einer 4. Klasse der Grundschule Wielandstraße. Nach drei Monaten Ferien und Online-Unterricht sollen in dieser Woche alle Hamburger Schüler ihre Lehrer wiedersehen. Foto: Christian Charisius/dpa | Verwendung weltweit

In Deutschland öffnen Schulen teilweise wieder ihre Pforten. Wie sinnvoll ist das? Bild: dpa/Christian Charisius

Studie zeigt, wie viel die Schulschließungen während der Corona-Krise gebracht haben

Nachdem Drosten seine Studie zur Virenlast von Kindern überarbeitet hatte, bleibt er dabei: Zwischen Kindern und Erwachsenen besteht kein Unterschied im Punkt Infektiosität. Entsprechend nahe liegt die Frage, was das für den Schulbetrieb in Deutschland bedeutet. Denn in der ursprünglichen Fassung der Studie warnten die Forscher noch vor einer uneingeschränkten Öffnung der Schulen. Nun heißt es aber, dass die Schulöffnungen mittels regelmäßiger Tests überwacht werden sollten.

Drosten selbst betont im NDR-Podcast "Coronavirus-Update", dass neben der Viruslast der Kinder auch noch andere Faktoren beachtet werden müssten – etwa, wie hilfreich die Schulschließungen eigentlich waren. Eine kürzlich erschienene Vorabversion einer Studie der Universität Oxford könnte diese Frage beantworten.

So effizient waren die Schulschließungen

In der Erhebung prüften Forscherinnen und Forscher neun verschiedene nicht-pharmazeutische Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus, darunter auch Schulschließungen, auf ihre Effizienz, also inwieweit sie die Reproduktionszahl R senken konnten.

Dafür schauten sie sich an, wie sich die Fallzahlen entwickelten, nachdem die jeweiligen Regierungschefs Corona-Maßnahmen verhängt hatten. Insgesamt 41 Länder sind in der Auswertung vertreten, auch Deutschland.

"Lange Rede, kurzer Sinn: Der größte Effekt von allen ist der Schulschluss. 50 Prozent Reduktion von R."

Christian Drosten ndr

Zum Vergleich: Das Verbot von Versammlungen von bis zu 10, 100 oder 1000 Personen führten zu einer Abnahme von jeweils 28, 17 und 16 Prozent. Bei einer Ausgangssperre waren es 14 Prozent.

Jetzt dürfe man die Ergebnisse aber nicht als absolute Wahrheit verstehen, erklärt Drosten. Vielmehr handele es sich um die wissenschaftliche Abbildung einer Wahrheit. Die Zahlen gelten erstmal nur für das Modell, das die Wissenschaftler nutzten. Dennoch ist es ein erster Hinweis, dass die Schulschließungen viel gebracht haben könnten. Zumindest zum entsprechenden Zeitpunkt.

Denn aktuell herrscht ein anderer Zustand als noch vor ein paar Monaten. Die Fallzahlen sind wesentlich niedriger, draußen ist es wärmer. "Jetzt haben wir die gute Situation, dass wir einen längeren Anlauf bräuchten, bis es zu einem Ausbruch in den Schulen kommt", sagt Drosten im Podcast.

Deshalb ist es wichtig zu lernen, vereinzelte Corona-Fälle in einer Schule früh zu entdecken, damit es nicht zu einem größeren Ausbruch kommt. Möglich wird das durch eine Schulöffnung unter strenger Beobachtung.

(tkr)

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