Leben
Bild

Bild: imago images / TT / Getty Images / watson Montage

Stefans Töchter sind Fans von Greta Thunberg: So beeinflusst das seine Familie

Stefan, 37, ist Vater von zwei Töchtern – und beide sind Fans von Greta Thunberg. Immer wieder entlarven sie Stefan, der eigentlich umweltbewusst ist, als Klimasünder – und stellen ihn auch schon mal beim Einkaufen im Supermarkt bloß. Warum Stefan das dennoch gut findet, erklärt er im Protokoll.

stefan f.

An Greta Thunberg kommt im Moment kaum einer vorbei – auch in meiner Familie ist der Kult um die Umweltaktivistin mittlerweile angekommen, vorrangig bei meinen Töchtern. Sich um seine Umwelt zu sorgen, ist für die beiden völlig selbstverständlich.

Meine Töchter sind gerade einmal fünf und sieben Jahre alt – und wissen aber ganz genau, dass die Erde immer wärmer wird, den Eisbären die Schollen wegschmelzen und das Ganze irgendwie mit Fliegen, Müll und Plastik zu tun hat. Und das lassen sie meine Frau und mich auch wissen – zur Not auch lautstark mitten im Supermarkt.

Meine Tochter hält mich davon ab, Plastik zu kaufen

Einmal stand ich zum Beispiel mit meiner Fünfjährigen im Laden, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Wir brauchten noch Käse, also ging es ab zur Kühltheke. Schnell hatte ich den gewünschten Käse in der Hand und war im Begriff, ihn in den Einkaufswagen zu packen.

"PLAAASTIIK!!!", schrie meine Tochter – natürlich, weil der Käse in eine Plastikverpackung eingeschweißt ist. Und wenn wir in den ganzen Diskussionen um den Klimawandel in den letzten Monaten etwas gelernt haben, dann das: Plastik ist schlecht. Da hat meine Tochter recht. Es ist mir aber trotzdem ein bisschen peinlich, wenn sie das so lautstark im Supermarkt verkündet.

Ein Gegenargument an dieser Stelle zu finden, ist allerdings schwierig – schließlich ist der Käse nun mal so verpackt, wie er verpackt ist. Also lassen wir den Plastik-Käse liegen und gehen zur Frischetheke, um dort noch einmal unser Glück zu versuchen.

Ich suche einen Käse aus. Die Verkäuferin schneidet, wiegt, packt ein – in Plastikfolie.

Was passiert? Richtig, es kräht wieder:

"PLAAAAAAASTIIIIIIK!!!"

Ähnlich laut. Ähnlich unangenehm. Aber leider wieder richtig.

Die Helden unserer Kinder heißen Greta Thunberg oder Luisa Neubauer

Solche Situationen machen mir vieles bewusst. Zum Einen, wie aufgeklärt unsere Kinder schon in so jungen Jahren sind: Sie wachsen in einem vollkommen anderen Bewusstsein auf als wir damals. Sie wissen, dass wir nicht ewig produzieren und konsumieren können, dass die Welt eben doch Grenzen kennt – zumindest in Hinblick auf ihre Ressourcen. Ihre Helden heißen nicht mehr nur Micky Mouse oder Superman, sondern Greta Thunberg oder Luisa Neubauer.

Zum anderen machen mir meine Töchter in solchen Alltagssituationen klar, wie viel Umweltsünder eigentlich noch in mir steckt. Im Prinzip weiß ich das alles, was sie mir predigen, ja auch. Aber manchmal bin ich doch zu bequem und nehme lieber den Flieger als den Zug, oder kaufe mir unterwegs eine Plastikflasche Wasser – oder den eingeschweißten Käse. Weil ich glaube: Das kann ich ja mal machen. Und dann mache ich es immer wieder.

Wenn die Kinder mich bei solchen Handlungen allerdings erwischen, komme ich ganz schön in Erklärungsnot. So richtig rechtfertigen, warum ich das Wasser jetzt in der Plastik- anstatt Glasflasche geholt habe, kann ich nicht immer. Oder warum ich Kind jetzt mit dem Auto zur Schule fahren muss. Oftmals lautet die Begründung: Weil's bequemer ist. Und wenn ich das den Kindern so sage, kann ich auch genauso gut nichts sagen und gleich nachgeben – weil ihre Einwände stimmen.

Alternativ könnte ich meine Kinder auch anlügen. Dass diese Lösung allerdings alles andere als optimal ist – das müssen wir hier nicht diskutieren.

Meine Töchter sind ähnlich unnachgiebig wie Greta

Die ganzen Proteste, die gerade in Deutschland stattfinden, die Schulstreiks, die Diskussionen – unsere Kinder sind an dem Thema Klimawandel und Umweltschutz noch viel näher dran als wir Erwachsene. Für sie hat das eine vollkommen andere Dramatik: Sie nehmen die Bilder von brennenden Wäldern im Amazonas oder Tieren, die in Plastikteilen feststecken anders wahr. Für sie haben diese Bilder, die wir gefühlt schon so oft gesehen haben, eine andere Drastik – und sie hinterfragen natürlich auch mehr: Warum passiert das? Was können wir tun? Und was passiert, wenn wir nichts tun?

Wenn wir unseren Kindern diese Fragen ehrlich beantworten, führen sie uns noch einmal deutlich vor Augen, dass wir handeln müssen. Denn Kinder sind kompromisslos – eine Eigenschaft, die auch Greta Thunberg zugeschrieben und für die sie häufig kritisiert wird.

Ich finde Gretas Unnachgibigkeit allerdings genau richtig. Ich finde es richtig, wie sie sich einsetzt, wie sie argumentiert – und bin froh darüber, dass meine Kinder eine ähnliche Unnachgiebigkeit im Alltag beiweisen und mich so dazu motivieren, mich ständig selbst zu hinterfragen und zu verbessern. Es ist so, als würden meine Töchter zwischen Greta und mir übersetzen: Sie tragen ihre Botschaften immer wieder neu und immer wieder deutlich an mich heran.

Und es funktioniert.

Unsere Familie wird durch unsere Töchter umweltbewusster

Je älter unsere Töchter werden, umso mehr wandelt sich auch das Umweltbewusstsein unserer Familie – zum Positiven. Das Auto lassen wir mittlerweile viel häufiger stehen und nehmen die Bahn oder den Bus. Strohhalme und Plastikbecher lassen wir möglichst weg. Und zum Einkaufen nehmen wir Stoffbeutel und Tupperdosen mit, um darin unseren Käse an der Theke einpacken zu lassen.

Wir haben uns außerdem vorgenommen, weniger zu fliegen: Kommendes Jahren nehmen wir nicht mehr das Flugzeug in den Urlaub, sondern das Wohnmobil. Und auch in meiner Firma versuche ich nun meine Kollegen davon zu überzeugen, Dienstreisen seltener mit dem Flugzeug, sondern mit der Bahn wahrzunehmen.

Wenn unsere Kinder sich im Kindergarten, der Schule oder von Aktivistinnen wie Greta Thunberg inspirieren lassen und uns darauf aufmerksam machen, was wir im Alltag verbessern könnten, sollten wir ihnen zuhören. Selbst wenn wir uns mal von ihnen ertappt fühlen, ist das immer ein guter Anlass, um zu hinterfragen: Ist das, was wir gerade tun, eigentlich in Ordnung? Und sei es auch nur, in Plastik eingeschweißten Käse kaufen.

Protokoll: Agatha Kremplewski

So liefen die Klima-Proteste von Aachen

Viel Urlaub, wenig CO2: So gehts!

Play Icon
8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Claus Alexander 07.10.2019 08:32
    Highlight Highlight habe selber einen 7 jährigen, wenn ich hier lese das ein 5 jähriges kind so sehr von politik und deren medien beeinflusst sind tun mir die kinder richtig leid.

    zu den uniformierten beispielen: wir sind mittlerweile so weit das plastikflaschen aus der region umweltschonender sind als glasflaschen. (google)

    das mit dem käse ist auch so eine sache, an der theke bekommt man ihn zwar auch ohne plastik, man sollte sich aber fragen woher diese große weltweite auswahl kommt und wie der aus aller welt in die theke gekommen ist und ob das dann noch so co2 schonend ist wie der plastik verpackte.
  • Fett Sack 07.10.2019 00:59
    Highlight Highlight Guter Artikel :)
    @ Dorian: Beim Lesen solcher Theorien wie der Ihrigen stelle ich mir auch die Frage, ob dies nicht eine Ansicht ist, die von einer Lobby des Gewinns wegen gezielt propagiert wird, um Leute, die sich für den Umweltschutz einsetzen zu diskreditieren.
  • Dannytec 06.10.2019 21:12
    Highlight Highlight Viele Verbote wie tlw. Plastikverbot halte ich für sinnvoll aber praktikable Lösungen für plastikfreien Handel sehe Ich noch nicht. Zum Thema Individualmobilität sehe Elektromobilität noch nicht als sinnvoll da die Kosten für eine Ladung für 100km beim E-Fahrzeug mit den 4 Ringen der eines V8 mit ca 20l Super entspricht.... Busfahren ist leider keine Alternative da mir meine Lebenszeit heiliger ist als Greta Thunbergs und deren familiäre Interressen.
    • Andy Ringo 09.10.2019 11:45
      Highlight Highlight Woher haben sie diese Kosten?
      Für 100 Km brauche ich ~11..14KWh. Das sind in der Stadt 2.75€. Ich habe, weniger
      als die Hälfte der Kosten, als mit meinem vorherigen Diesel hatte.
    • Dannytec 09.10.2019 13:50
      Highlight Highlight Mein Arbeitskollege hat sich ein E Fahrzeug ausgeliehen (beim Hersteller mit den Ringen) es standen 400 km Reichweite auf der Uhr gekommen ist er knappe 80km. Ab zum Hersteller an die Ladesäule ->22€ rund... naja. Im Grunde bin Ich persönlich Fan der E-Mobilität, nur infrastrukturell sehe Ich bei mir in der Stadt wenig Attraktivität dafür.
  • Dorian 06.10.2019 16:49
    Highlight Highlight Greta macht die meisten Menschen verrückt. Ich lasse mich von ihr nicht beeindrucken, in meinen Augen ist Greta nur ein armes, armes Mädchen, das gezielt von einer Lobby des Gewinns wegen mißbraucht wird. Wenn man so manche Zeitungsartikel liest, dann bekommt man den Eindruck, daß ihre Eltern und ihre Oma daran nicht ganz unschuldig sind.
    • beabe 06.10.2019 22:39
      Highlight Highlight na klar...einfach alles lassen, wie es ist und die Energie in obskure Vermutungen verpulvern...
    • kdirnbach 07.10.2019 10:24
      Highlight Highlight Ich rate Ihnen, sich so gut es geht über das Asperger-Syndrom zu informieren. Vielleicht ermöglicht Ihnen das den Blickwinkel, dass diese junge Frau niemanden hat und braucht, der sie beeinflusst - auch wenn dies unseren "erwachsenen" Außenblick vereinfachen würde. Ganz im Gegenteil - ich wage die These, dass sie (außer von echten wissenschaftlich fundierten Fakten) weitestgehend unbeeinflussbar ist...

30 Bilder, die zeigen, wie der DDR-Alltag in Ost-Berlin aussah

Vor 30 Jahren fiel die Mauer, heute am 3. Oktober wird die Deutsche Einheit gefeiert. Stellt euch vor: Vor gerade einmal 30 Jahren gab es eine Stadt, die in gleich ZWEI Ländern stand. Die Stadt war Berlin. Und eines der Länder war die Deutsche Demokratische Republik. Viele Westberliner hatten – durch die Mauer getrennt – keine Ahnung, was auf der anderen Seite vor sich ging.

Wie gut, dass diese Zeiten vorbei sind und man heute dank Bildarchiven genau sehen kann, wie die Ostberliner in …

Artikel lesen
Link zum Artikel