Ein Obdachloser mit einem Einkaufswagen, aufgenommen waehrend starken Schneefalls in Berlin, 08.02.2021. In der nordlichen Haelfte Deutschlands gibt es teils unwetterartige Schneefaelle und zweistellige Minusgrade. Berlin Deutschland *** A homeless man with a shopping trolley, taken during heavy snowfall in Berlin, 08 02 2021 In the northern half of Germany there are partly unstable snowfalls and double-digit minus temperatures Berlin Germany Copyright: xFlorianxGaertner/photothek.dex

Obdachloseneinrichtungen mussten Plätze einstampfen, um Hygiene- wie auch Abstandsregeln einzuhalten. Leider werden die Plätze im Winter dringend gebraucht. Bild: imago

Interview

Schneechaos und Lockdown: Wie du Obdachlosen jetzt helfen kannst

Jetzt ist er da, der harte Winter. Schnee fällt, türmt sich auf den Straßen. Die Temperaturen kommen nicht über Minusgrade hinaus. Es ist feucht, es ist kalt, es ist unangenehm. Während die meisten in ihrer Wohnung ausharren, können sich viele andere Menschen nicht so leicht vor dem Winter verstecken. Ihnen fehlt schlicht der Wohnsitz.

Für Obdach- wie auch Wohnungslose ist es keine leichte Zeit. Erschwerend kommen die Folgen der Corona-Pandemie hinzu. Viele Einrichtungen, in denen sie normalerweise über Nacht Zuflucht finden, mussten Plätze reduzieren. Experten, etwa von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, gingen bereits lange vor der Pandemie davon aus, dass es zu wenig Unterkünfte für die offiziell rund 2000 Obdachlosen (ohne Dunkelziffer) allein in Berlin gebe.

Watson sprach mit der Sozialarbeiterin Christine Fritzsche von der Berliner Kältehilfe über das Problem, über mögliche Alternativen und die Frage, was Bürgerinnen und Bürger tun können, wenn sie jemanden in Not sehen.

"Da Pensionen, Hostels oder auch Hotels keine Besucher haben, meldeten sich einige Betreiberinnen und Betreiber, um ihre Zimmer zur Verfügung zu stellen."

watson: Derzeit herrschen Minusgrade, Schnee fällt beinahe den ganzen Tag. Hat Sie der Wetterumschwung überrascht?

Christine Fritzsche:
Dank des Wetterberichts wussten wir schon eine Woche vorher, was ungefähr auf uns zukommen könnte. Wir konnten uns also früh vorbereiten. Innerhalb von 24 Stunden konnten wir zusätzliche Notübernachtungsangebote aufstellen. Hilfreich dabei war die Zusammenarbeit mit den einzelnen Bezirken, der Senatsverwaltung und den Betreibern in der Berliner Kältehilfe.

Hat sich die Corona-Pandemie auf die Arbeit der Kältehilfe ausgewirkt? Wenn ja, wie?

Die Pandemie wie auch der erste Lockdown haben uns erstmal überrascht, das alles kam von jetzt auf gleich. Schlimm war vor allem, dass die Notunterkünfte Plätze reduzieren mussten, um Abstand- sowie Hygieneregeln einzuhalten. Viele Unterkünfte sind sehr klein, bieten wenig Platz. Das war gerade für diejenigen, die die Plätze brauchen, ein großes Problem.

Gab es Alternativen?

Da Pensionen, Hostels oder auch Hotels keine Besucher haben, meldeten sich einige Betreiberinnen und Betreiber bereits zum ersten Lockdown bei der Berliner Senatsverwaltung, um ihre Zimmer zur Verfügung zu stellen. Bis heute ist das eine große Hilfe. In einigen Einrichtungen können sich die Menschen den ganzen Tag aufhalten, sie bieten zudem Einzelzimmer an. Reguläre Unterkünfte schließen am Morgen.

Die Schneefälle sorgen auch für eingeschränkten Verkehr. Gab es bereits Schwierigkeiten, Menschen abzuholen und unterzubringen – etwa mit dem Kältebus?

Bisher nicht. Mittlerweile sind in Berlin knapp 20 Busse unterwegs, etwa die Wärmebusse vom Roten Kreuz oder die Kältebusse. Es klappt also ganz gut, den Menschen zu helfen – sei es sie in Einrichtungen zu bringen oder warme Getränke sowie Anziehsachen zu verteilen.

"Mittlerweile gibt es ausreichend Corona-Tests, die etwa von den Johannitern angeboten werden."

Durch den Lockdown und das Schneechaos werden Menschen angehalten, möglichst zu Hause zu bleiben. Dadurch können Meldungen über Obdachlose ohne Unterkunft ausbleiben. Gibt es dadurch Probleme?

Unsere Telefone klingeln den ganzen Tag. Die Menschen sitzen ja nicht zu Hause fest. Viele treffen vielleicht auf dem Weg zur Arbeit jemanden, der Hilfe braucht, und rufen durch. In dieser Woche ist das Aufkommen sogar deutlich höher als in der vergangenen. Wir haben den Eindruck, durch die Wetterlage sind die Menschen deutlich aufmerksamer.

Ein Problem war auch, dass es für Obdachlose keine Corona-Tests oder Masken gab. Hat sich da etwas getan?

Mittlerweile gibt es ausreichend Corona-Tests, die etwa von den Johannitern angeboten werden. Außerdem spendeten uns die Bezirksämter Masken, die wir verteilen können. Da hat sich seit Beginn der Pandemie einiges getan.

Wie kann ich selbst Obdachlosen helfen?

Wenn Sie draußen unterwegs sind und jemanden sehen, dann sollten Sie die Person ansprechen, vielleicht sagen, dass es besonders kalt ist und sie entsprechend besorgt sind. Ist die Person nicht ansprechbar oder braucht Hilfe, können Sie die Kältehilfe kontaktieren oder auch einen der Kältebusse rufen. Es gibt auch eine Kältehilfeapp, auf die Sie zurückgreifen können.

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