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Schwimmmeister Nordbad Erfurt 13.06.15 , Erfurt, Nordbad, Schwimmmeister / Bademeister beobachtet die Besucher im Wasser

Schwimmmeister Nordbad Erfurt 13 06 15 Erfurt Nordbad Schwimmmeister Lifeguards observed the Visitors in Water

Sommer, Sonne, Bademeister. (Symbolbild) Bild: imago stock&people

Interview

Gewalt im Freibad: "Die Hemmschwelle ist gesunken, die Aggressivität nimmt zu"

Es ist sein letzter Sommer. Bademeister Peter Harzheim macht in drei Monaten Schluss. 45 Jahre hat der 64-Jährige am Beckenrand gestanden, strenge Blicke verteilt, Wunden verarztet und Sprünge vom Beckenrand verhindert.

Dieser letzte Sommer aber hat es noch einmal in sich. Die Hitze drückt und in deutschen Freibädern geraten immer wieder Badegäste aneinander. Meldungen von einem Massenstreit in Düsseldorf oder Pfefferspray-Einsätzen in Mannheim machen die Runde. Peter Harzheim sieht diese Entwicklung mit Sorge. Der Frust unter den Badegästen nehme zu, die Aggressivität auch, will er beobachtet haben.

Peter Harzheim ist außerdem Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, der Bademeister unter den Bademeistern sozusagen, und wünscht sich mehr Rückendeckung von Seiten der Politik und Bevölkerung. Ein Interview.

watson: Herr Harzheim, es wird gerade ein bisschen das Bild vermittelt, als seien die Freibäder zu rechtsfreien Orten geworden. Ist das so?
Peter Harzheim:
Nein, Gott sei Dank nicht. Was da im Moment wohl abläuft, da sag' ich mal ganz salopp: Da ist den Leuten wohl die Sonne zu stark ins Hirn geschienen. Das hängt auch mit den extremen Temperaturen zusammen. Der Adrenalinspiegel steigt, Hormone werden vermehrt ausgeschüttet und dann kann ein verkehrtes Wort sehr viel bewirken. Außerdem prallen in den Bädern auch schon mal kulturelle Unterschiede aufeinander. Das hängt damit zusammen, dass einige glauben, dass Frauen nichts zu sagen hätten und teilweise aggressiv gegen weibliche Mitarbeiter oder Badegäste werden. Normalerweise sind Freibäder aber Orte der Erholung, der Wellness, der Kommunikation, der sozialen Kompetenz – und das soll auch so bleiben.

Bild

Bademeister Peter Harzheim. Bild: privat

Ich kann mich erinnern, dass Bademeister absolute Autoritäten waren. Mehr Angst hatte ich als Kind nur noch vor Hausmeistern. Hat sich da etwas verschoben?
Früher war der Bademeister neben dem Bürgermeister und dem Dorfsheriff die dritte Respektsperson im Ort. Das ist leider verloren gegangen.

Mittlerweile sehen uns die Badegäste nicht mehr als Garanten für die Sicherheit, sondern als Dienstleister und Lakaien.

Ich habe in den vergangenen 20 Jahren beobachtet, dass das Wort Respekt eine andere Bedeutung bekommen hat. Die Hemmschwelle ist gesunken, die Aggressivität nimmt zu. Jeder ist ein kleiner Egoist, jeder möchte für sich das Beste haben, jeder hat erstmal grundsätzlich Recht – und versucht das dann im Zweifel mit der Faust durchsetzen. Das geht aber nicht.

Klingt, als müssten die Bademeister ausbaden, was an anderer Stelle schief läuft?
Ja. Die Menschen lassen an uns ihren Frust aus. Das ist aber überall so, wo man mit Menschen zu tun hat. Aber der Frust nimmt zu. Ich habe es auch am eigenen Leib erfahren.

Inwiefern?
Es hat auch schon mal jemand mit dem Messer vor mir gestanden. Den habe ich angeraunzt und er bekam dann Schiss in der Butze, weil er alleine war. Solche Sachen passieren. Bedrohungen aller Art, nach dem Motto: "Wenn du rauskommst, wir kennen dich, wir machen dich platt." Da wünsche ich mir von der Politik mehr Unterstützung. Wenn Strafen ausgesprochen werden, dann müssen sie auch durchgesetzt werden. Statt nach Bewährung und Resozialisierung zu rufen oder zu sagen, das arme Kind kann ja nichts dafür.

Das hört sich jetzt alles nicht nach einem Plädoyer für den Beruf Bademeister an…
Es gibt sehr viele schöne Erlebnisse, die das Negative überwiegen. Es ist ein vielseitiger Beruf, der Spaß macht. Wenn ich heute noch mal die Wahl hätte, ich würde wieder Schwimmmeister werden. Und dann natürlich der Kontakt mit den Menschen selber: Das Kleinkind macht die ersten Züge, der Opa freut sich, die Familien haben Spaß.

Ihr Verband klagt, dass bundesweit mindestens 2.500 Bademeister fehlen. Wie kann man den Job eines Bademeisters attraktiver machen?
Wir brauchen familienfreundliche Arbeitszeiten. Natürlich arbeiten wir, wenn andere Urlaub machen, das lässt sich nicht vermeiden. Aber es fehlt an Wertschätzung aus der Bevölkerung und der Politik. Außerdem brauchen wir eine wertgerechte Bezahlung. Dass viele Bäder schließen, hängt auch damit zusammen. Die Gelder werden gestrichen. Andere Sachen sind viel wichtiger als die Daseinsfürsorge für unsere Bevölkerung. Ansonsten ist das ein schöner Beruf, das muss der Öffentlichkeit auch noch mehr bekannt gemacht werden.

Sie gehen in drei Monaten in Rente. Haben Sie sich etwas vorgenommen für ihre letzten Tage im Bademeisterdienst?
Ja, dass die unfallfrei von statten gehen, dass meine Gesundheit erhalten bleibt und ich auch weiterhin für meinen Verband eintreten kann.

Gehen Sie als Bademeister in Rente dann auch ins Schwimmbad?
Ja, sicherlich.

Das gilt dann für den Weg zum Schwimmbad: Lass deine Schuhe in der Bahn an, Matrose.

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