Leben
Closeup of sad young Asian woman at cafe leaning head on clasped hands and staring into vacancy. Tired freelancer feeling burnout. Stress and bad news concept

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Diese Fragen solltest du dir stellen, wenn du deinen Job hasst

Manchmal ist es im Beruf so wie in der Liebe: Was zunächst die Erfüllung deiner Träume schien, entpuppt sich mit der Zeit als Alptraum. Du merkst: Deine Aufgaben sind langweiliger als gedacht. Die Aufstiegschancen gering. Der Chef ist launisch. Die Kollegen wortkarg. Nicht mal der Gratis-Kaffee kann die Lage noch retten – denn der schmeckt genauso fad, wie du deinen Job gerade empfindest.

Eigentlich ist nichts mehr gut an deiner Arbeit und einzig der Gedanke ans Wochenende trägt dich durch den Alltag. Solltest du dich für eine neue Stelle bewerben? Vielleicht. Bevor du allerdings den drastischen Entschluss fasst zu kündigen, solltest du dir folgende Fragen stellen.

Ist es das Unternehmen – oder deine Aufgaben?

Auch wenn es keinen Lichtblick mehr in deinem Job gibt: Manchmal liegt deine Unzufriedenheit gar nicht am Unternehmen selbst, sondern in deinen Aufgaben. Entweder, die Tätigkeiten entsprechen nicht der Stellenbeschreibung, wegen der du eingestiegen bist oder du hast im Laufe der Zeit gemerkt, dass dir beispielsweise Marketing nicht so viel Spaß macht, wie du dachtest.

Möglicherweise hat es auch persönliche Gründe, weswegen du dich im Job nicht wohlfühlst. Zum Beispiel, weil du dich mit deiner Chefin nicht gut verstehst oder mit den Kollegen nicht warm wirst. Auch Coach und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung, Jutta Boenig, rät im "GQ Magazine", sich zu fragen: "Sind es die Vorgesetzten, die Kollegen oder die Aufgabe an sich?"

Sollte es an den Job-Inhalten liegen, kannst du laut dem Karriere-Portal "Karrierebibel" deinen Vorgesetzten fragen, ob du neue Aufgaben bekommen kannst. Vielleicht gibt es gerade ein neues Projekt in deinem Team, dass du dir unter den Nagel reißen kannst.

Auch musst du nicht auf ewig mit unliebsamen Kollegen zusammenarbeiten: "Manchmal kann ein Team-Wechsel auch frischen Wind bringen", heißt es auf der Plattform. Es werden wahrscheinlich nicht alle Mitarbeiter deines Unternehmens unfreundlich sein. Vielleicht sitzen die Traumkollegen, die du dir wünschst, nur ein Büro weiter.

Spannende Aufgaben, steile Karriere oder nette Kollegen: Was ist dir wichtiger?

Die Studie "Arbeitsmotivation 2019" der Manpower Group zeigt, dass ein gutes Gehalt den deutschen Arbeitnehmern nicht so wichtig ist wie ein gutes Arbeitsverhältnis zu den Kollegen oder flexible Arbeitszeiten.

77 Prozent der Befragten würden einen gut bezahlten Job verlassen, wenn der Job zu stressig oder zu langweilig ist.

64 Prozent sagen, nette Kollegen sind ihnen wichtiger als ein guter Monatslohn.

Egal ob gutes Gehalt, Flexibilität oder tolle Kollegen: Finde für dich heraus, was du von deiner Position und deinem Arbeitgeber erwartest und auf was du nicht verzichten kannst. Ist es dir wichtig, spannende Aufgaben und gute Aufstiegschancen zu haben oder mit hochkarätigen Kunden zu arbeiten? Dann kannst du vielleicht darauf verzichten, mit deinen Kollegen eng befreundet zu sein. Wenn dir ein gutes Arbeitsklima am wichtigsten ist, kannst du möglicherweise damit leben, dass die Inhalte dafür etwas dröge sind.

Dass bestimmte Anforderungen nicht vollständig abgedeckt sind, ist nicht unbedingt ein Grund zur Kündigung. So gesehen kannst du deinen Job vielleicht wieder in einem besseren Licht sehen, wenn zumindest das, was dir am wichtigsten ist, stimmt.

Du wirst dir diese Frage nicht gerne stellen – aber liegt es an dir?

Es gibt eine Anekdote über den amerikanischen Motivations-Trainer Zig Zigler: Er hat einmal eine Frau beraten, die sich fürchterlich über ihren Job aufregte. Nichts, rein gar nichts, gefiel ihr.

Zigler sagte daraufhin, sie solle sich auf ihre Kündigung einstellen. "Warum?", fragte die perplexe Frau.

"Ich glaube, es gibt in ganz Amerika kein Unternehmen, das groß genug ist für so eine giftige Persönlichkeit", sagte Zigler.

Erst als der Frau bewusst wurde, dass sie und ihre Unzufriedenheit das Problem sein könnten, konnte sie konstruktiv an ihre Situation herangehen und überlegen, was sie ändern kann. Ohne ihren Arbeitgeber oder Kollegen zu beschuldigen.

Wenn du dich selbst zum Opfer stilisierst und alles schwarz siehst, nimmst du dir viele Handlungsmöglichkeiten. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen du wirklich nichts für die schlechte Atmosphäre, die langweiligen Aufgaben oder die mies gelaunten Kollegen kannst. Bevor du allerdings selbst zum Miesepeter (und auch so behandelt) wirst, versuch es mit einem Perspektivwechsel.

"Du solltest nie vergessen, dass du immer nur dich selbst ändern kannst, andere Menschen jedoch nicht", sagt auch Jochen Mai von "Karrierebibel" im Gespräch mit watson. Er meint, es helfe deine eigene Denkweise und Perspektive anzupassen, wenn du dich von anderen gestört fühlst.

Weiterhin sagt der Coach:

"Nur indem du dich selbst veränderst, kannst du andere Menschen ändern: Wenn du mit einer anderen Haltung auf Menschen zugehst, werden sie ihr Verhalten entsprechend anpassen."

Es geht nicht darum, dass du dir alle Missstände in deinem Job schönreden sollst. Sondern darum, dass deine eigenen Handlungsspielräume erkennst. Denn gerade, wenn du frustriert bist, verlierst du manchmal aus dem Blick, wie du deine Lage aktiv verbessern kannst. Und manchmal hilft eben der Perspektivwechsel. Damit du keine schlechte Stimmung im Büro verbreitest – und die ungewollt zurückgespielt bekommst.

Du magst deinen Job nicht? So kannst du deine Einstellung zum Positiven wandeln:

1. Klassiker: Schreib eine Liste mit allem, was dir an deinem Job gefällt – und was nicht. Manchmal fühlen sich die negativen Dinge größer und schlimmer an, als sie eigentlich sind. Das erkennst du allerdings erst, wenn du auch die guten Dinge vor Augen hast.
2. Wenn dir wirklich nichts Positives über deinen Job einfällt: Versuch ganz klein zu denken. Vielleicht gefallen dir die Büroräume. Oder der nette Dackel von der Empfangsdame. Oder vielleicht hast du viele Urlaubstage.
3. Mach dir bewusst: Dein Job ist nicht dein ganzes Leben – und er bleibt auch nicht dein ganzes Leben lang. Nicht jede Stelle muss dein Traum-Job sein. Vielleicht fällt es dir leichter, dich von deinem Arbeitsalltag nicht herunterziehen zu lassen, wenn du weißt: Es bleibt nicht für immer so.

https://karrierebibel.de/sinnloser-job/

Hilft alles nicht? Dann ist es an der Zeit, dich nach einem neuen Job umzusehen

Du hast versucht, mit deiner Chefin über neue Aufgaben zu sprechen. Hast versucht, dir eine Liste zu erstellen von Dingen, die dir gut gefallen an deiner Arbeit. Hast versucht, deine Perspektive auf den Kopf zu stellen, um deine negative Sichtweise zu vertreiben.

Und geholfen hat's: nichts. Wenn du den Eindruck hast, alles versucht zu haben und nichts mehr ändern zu können, um deine Arbeitssituation zu verbessern, hilft tatsächlich nur die Kündigung. Es ergibt schließlich keinen Sinn, wenn du dich monate- oder gar jahrelang zur Arbeit quälst – davon profitieren weder du noch dein Arbeitgeber.

Wie in jeder Beziehung, die zu Ende geht, helfen dann das respektvolle Gespräch und die ruhige Trennung. Auch wenn es nicht gut für dich lief: Versuche, das Arbeitsverhältnis freundlich zu beenden. Natürlich kannst du deinem Arbeitgeber zurückspielen, was für dich nicht funktioniert hat – aber auf wohlwollende Art und Weise. Schließlich bist du sowieso bald weg – und wahrscheinlich in einem für dich besseren Job.

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