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Young woman with sleep mask waking up in bed and snoozing alarm clock on cell phone, mobile telephone. Girl sleeping in bedroom at home and waking up after receiving text message or call on smartphone

Wieso ist es schon so spät? Damit ihr euch das am Sonntag nicht fragt, gibt es hier den Hinweis zur Zeitumstellung! Bild: iStockphoto / diego_cervo

Achtung, Zeitumstellung! Alles, was ihr dazu wissen müsst

Die Zeitumstellung spaltet die Gemüter. Manche betonen die gesundheitlichen Vorteile der Umstellung, andere beklagen ihre praktischen Nachteile. Ein Überblick.

Leo Helfenberger / watson.ch

Der Frühling hat dieses Jahr gefühlt bereits Anfang März eingesetzt. Mittlerweile ist es sogar wirklich Frühling und damit Zeit für die Zeitumstellung. Die gute Nachricht: Am Abend bleibt es länger hell. Die schlechte Nachricht: Wir verlieren einen Stunde.

Der Unmut in der Bevölkerung ist sogar so groß, dass in der EU seit geraumer Zeit diskutiert wird, ob man die Zeitumstellung abschaffen sollte. Mehr zur Geschichte hinter der Uhrumstellung, ihre Vor- und Nachteile und wann sie frühestens abgeschafft wird, erfährst du hier:

Seit wann gibt es die Zeitumstellung?

Beginnen wir am Anfang. Die Idee, unsere Lebensweise und damit unsere Uhren besser dem Tageslicht anzupassen, kam erstmals im 19. Jahrhundert auf. Forscher aus der ganzen Welt propagierten die Idee, sie fand jedoch in der breiten Bevölkerung kaum Anklang. Zu kompliziert, entschied man damals.

Erst mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges erhielt die Zeitumstellung einen erneuten Schub, weil man knapp werdende Brennstoffe zur Beleuchtung sparen wollte. So führten fast alle am Krieg beteiligten Parteien die Sommerzeit ein. Nach Ende des Krieges wurde die teilweise unbeliebte Kriegsmaßnahme vereinzelt wieder abgeschafft, der 2. Weltkrieg brachte sie jedoch wieder zurück.

Ende der 70er-Jahre gab es wegen der Ölkrise erneut Bestrebungen in Deutschland und Österreich, die Sommerzeit permanent einzuführen. Die Schweizer Politik wollte mitziehen, die Bevölkerung machte ihr aber per Referendum und Volksabstimmung einen Strich durch die Rechnung.

Deutschland und Österreich führten die Umstellung 1980 endgültig ein.

Die Schweiz als Insel mitten in Europa, in der zur Hälfte des Jahres eine andere Zeit gilt, erschwerte damit die Organisation des mitteleuropäischen Bahnverkehrs erheblich. Am 1. Januar 1981 trat die Zeitumstellung also auch in der Schweiz in Kraft.

Warum stellen wir die Uhren um drei Uhr morgens um?

Diese Zeit machte die Umstellung einfacher, ein Großteil der Bevölkerung schläft und Nachzügler haben am Sonntag noch Zeit, die Uhren umzustellen.

Wie stelle ich am Sonntag die Uhren um?

Am Sonntag beginnt die Sommerzeit und die Winterzeit endet. Das heißt, wir stellen die Uhren eine Stunde vor. Also von zwei Uhr auf drei Uhr. Die meisten Uhren stellen automatisch um.

Die schlechte Nachricht: Wir verlieren mit der Umstellung auf Normalzeit die Stunde, die wir im nächsten Oktober dazugewinnen. Dafür ist es am Abend länger hell.

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Bild: wikimedia

PS: Die Backofenuhr geht gerne mal vergessen, also immer schön umstellen!

Was sind die Vor- und Nachteile der Zeitumstellung?

Die Begründung, man könne damit Energie sparen, hat sich nicht bestätigt. Zwar stimme es, dass während der Sommerzeit am Abend weniger Strom verbraucht wird, dieses Plus wird aber in der Winterzeit wieder kompensiert.

Viele Forscher würden eine Abschaffung der Sommerzeit begrüßen, und zwar aus gesundheitlichen Gründen. Die Umstellung zwei Mal im Jahr führt bei einigen Personen zu einem Mini-Jetlag und kann Schlafstörungen verursachen. Doch auch auf biologischer Ebene ist die Zeitumstellung belastend. Blutdruck, Pulsfrequenz und Körpertemperatur zum Beispiel folgen einer inneren biologischen Uhr. Verändert sich der Tagesrhythmus, kann dies zu Anpassungsschwierigkeiten und damit zu Bluthochdruck führen.

Wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Die CDU entschied sich bereits 2014, sich für die Abschaffung der Umstellung einzusetzen. Die EU trat erst 2018 auf den Plan. Das EU-Parlament beauftragte die EU-Kommission, die Umstellung neu zu bewerten. Diese startete daraufhin eine Umfrage. Eine erste Auswertung zeigte, dass 84 Prozent der Teilnehmer sich für eine Abschaffung aussprachen.

Daraufhin plante die EU, die Zeitumstellung auf das Jahr 2020 abzuschaffen und die Sommerzeit permanent beizubehalten. Sowohl die EU-Kommission wie auch das Parlament stimmte diesem Fahrplan zu. Das Problem ist hingegen, dass diese Änderung auch eine Mehrheit unter den EU-Staaten braucht. In vielen Ländern gab es aber bisher kaum Bestrebungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wenn die Zeitumstellung für das Jahr 2021 abgeschafft werden soll, müsste hier langsam etwas vorangehen. Sonst wird eine Verschiebung der Abschaffung auf 2022 immer wahrscheinlicher.

Ob man die Winter- oder die Sommerzeit als Normalzeit festlegen soll, ist jedoch umstritten. Wissenschaftler fürchten, dass es gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung haben könnte, sollte man sich für die Sommerzeit entscheiden.

In welchen Ländern gibt es die Zeitumstellung noch?

Nur etwa ein Drittel aller Länder haben sich auf die Sommerzeit festgelegt. Dazu gehören die meisten europäischen und nordamerikanischen Länder. Hinzu kommen noch Israel, Syrien, der Iran, Peru, Paraguay und Teile Australiens. Diese Karte zeigt einen Überblick:

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Bild: watson

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