Nachhaltigkeit
Family making barbecue in dinner party camping at night

Auf deutschen Grills wird eine Menge Tropenholz verfeuert – oft ohne, dass wir es ahnen. Bild: iStockphoto / Peera_Sathawirawong

Gute Nachricht

Grillkohle aus Supermarkt kann Tropenholz enthalten: So grillst du nachhaltig

Die Temperaturen steigen, die Tage werden länger und die Sonne strahlt vom Himmel: Die perfekte Zeit, um den Grill aus dem Keller zu holen und im Garten, auf der Terrasse oder im Park aufzubauen. Doch um Steak, Würstchen, Grillkäse oder Gemüse durchzubrutzeln, verfeuern wir oft Tropenholz aus Südamerika oder Afrika – ohne es zu merken.

Denn in der Grillkohle aus dem Supermarkt steckt oft etwas ganz anderes als das auf der Verpackung angepriesene Holz "Made in Germany". Wie kann das sein?

Weit mehr als 90 Prozent der Grillkohle, die in deutschen Gärten und Parks verfeuert wird, wird aus dem Ausland importiert. Laut Statistischem Bundesamt führte Deutschland im Jahr 2017 215.000 Tonnen Grillkohle ein – hauptsächlich aus Polen, Paraguay und aus der Ukraine. Doch selbst das vermeintlich aus dem Nachbarland kommende Brenngut hat häufig einen viel längeren Transportweg hinter sich: Kohle aus Polen wird wiederum unter anderem aus Nigeria importiert – wo sie nicht selten als Nebenprodukt bei illegalem Regenwald-Raubbau abfällt.

Das Perfide: Selbst wenn Angaben wie "kein Tropenholz" oder "natürliche Herkunft" auf der Verpackung prangen, heißt das mitnichten, dass die Holzkohle mit gutem Gewissen verfeuert werden kann. Denn selbst ein "Made in Germany" bedeutet im Grunde nichts weiter, als dass die Kohle in Deutschland gesiebt, mit Holzabfällen gestreckt und abgefüllt wurde. Dass das Holz trotzdem illegal in den Tropen gerodet worden sein könnte, wird da schnell vergessen.

Kontrolle liegt beim Herkunftsland

Wenn keinerlei Angabe zur Herkunft des Holzes gemacht wird, bedeutet das im Umkehrschluss, dass mit großer Wahrscheinlichkeit Tropenholz involviert ist. Und das ist nicht selten der Fall: Stiftung Warentest kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass bei der Hälfte der untersuchten Grillkohlesäcke Holzart und Herkunft fehlten, in jedem dritten getesteten Kohlesack wurde Kohle aus den Tropen oder Subtropen gefunden.

Das ist möglich, weil die Herkunft importierter Grillkohle laut WWF in Deutschland kaum kontrolliert wird. Die Kontrolle wird stattdessen dem Herkunftsland überlassen. Auch Kohle aus Nigeria, deren Produktion selbst das nigerianische Umweltministerium auf Anfrage des WWF Deutschland als illegal einstufte, kann laut Bundestag "per se legal" importiert werden.

Angesichts dieser Fakten vergeht die Lust auf Gegrilltes natürlich erst einmal. Müssen wir am Ende also ganz aufs Grillen verzichten, wenn wir nicht die Abholzung des Regenwaldes befeuern wollen?

Kohle aus Oliven, Reben oder Kokos

Die Antwort lautet zum Glück: Nein. Denn es gibt Siegel, die umweltfreundliche Grillkohle ausweisen. Nabu und BUND empfehlen etwa das Naturland-Siegel oder das Forest Stewardship Council (FSC), das Rohstoffe aus ökologisch verträglicher Holzwirtschaft garantiert. Wenn möglich, sollte heimisches Buchenholz verwendet werden. Das Prüfzeichen DIN EN 1860-2 sichert zudem, dass kein Pech, Erdöl oder Kunststoff enthalten ist.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, statt mit Holzkohle mit ganz anderen landwirtschaftlichen Abfallprodukten den Grill zu befeuern. Weinreben und Weinstöcke können beispielsweise zu Grillkohle verarbeitet werden. Allerdings raucht diese beim Abbrennen vergleichsweise stark, schreibt das Portal "Utopia". Es sei zudem nicht immer gesichert, ob nicht doch noch Pestizide in den Reben stecken.

Als Alternative werden Kokosnussschalen genannt, die bei der Herstellung von Kokosnussöl und Kokosnussmilch als Abfallprodukt anfallen. Der Nachteil hierbei: Die Schalen müssen einen weiten Weg auf sich nehmen, bis sie in unserem Grill landen.

Lieber Gemüse als Fleisch grillen

Der Nabu empfiehlt deshalb das Grillen mit sogenanntem Oliventrester – das sind die Kerne und Schalen, die beim Pressen von Olivenöl als Abfall übrig bleiben. "Sie zünden sehr schnell, brennen länger als herkömmliche Holzkohle und entwickeln weniger Rauch und Funkenflug – sie sind daher auch besonders geeignet für das Grillen auf Terrasse und Balkon", heißt es dazu auf der Homepage des Nabu. Zu kaufen gibt es die Briketts aus Olivenöl unter anderem bei Obi – ein Teil des Erlöses geht an Natur- und Umweltschutzprojekte der Nabu.

Und wenn wir gerade dabei sind: Neben der Art und Herkunft der Kohle gibt es natürlich noch eine ganze Menge anderer Dinge, die das Grillen umweltfreundlicher und nachhaltiger machen: Wer statt Fleisch und Würstchen Gemüse brutzelt, spart eine Menge CO2 in der Fleischproduktion ein, wer statt dem Einweggrill eine öffentliche Grillstelle oder den heimischen Grill nutzt, verursacht weniger Müll.

Grillanzünder gibt es mittlerweile auf natürlicher Basis und wer kein Porzellangeschirr mitschleppen will, kann auf deutlich leichteres und ebenfalls mehrfach verwendbares Geschirr aus Palmblättern zurückgreifen. Dem entspannten – und nachhaltigen – Grillabend steht also nichts im Wege.

(ftk)

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