ARCHIV - 01.07.2008, Somalia, Bohol: Somalische Hirten, die ihren gesamten Viehbestand wegen anhaltender Trockenheit verloren haben, stehen neben den Kadavern der Tiere. Vier von f

Diese somalischen Hirten verloren 2008 ihren gesamten Viehbestand wegen anhaltender Trockenheit. Bild: dpa / Badri Media

Klima-Risiko-Studie: Extremwetter trifft vor allem Entwicklungsländer – aber nicht nur

Wetterextreme wie Wirbelstürme, Hitze oder Starkregen haben in den vergangenen Jahren vor allem Entwicklungsländer hart getroffen. Hunderttausende Menschen starben innerhalb von 20 Jahren aufgrund solcher Ereignisse. Das geht aus dem Globalen Klima-Risiko-Index hervor, den die Umweltorganisation Germanwatch an diesem Montag vorgestellt hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) plädierte unterdessen bei einem virtuellen Gipfel zur Anpassung an den Klimawandel für mehr internationale Kooperation.

Zwischen 2000 und 2019 hatten demnach vor allem ärmere Länder mit Hitzewellen, Dürren und Stürmen zu kämpfen, allen voran Puerto Rico, Myanmar und Haiti (Platz eins bis drei). Fast 480.000 Menschen starben in diesem Zeitraum infolge von mehr als 11.000 Extremwetterereignissen. Die Sachschäden summierten sich der Studie zufolge kaufkraftbereinigt auf 2.56 Billionen US-Dollar und sind damit im Vergleich zum vorherigen Langfrist-Index erneut gestiegen.

ARCHIV - 04.03.2020, USA, Nashville: Passanten gehen an der stark beschädigten Hopewell Missionary Baptist Church vorbei. Die Vereinigten Staaten haben vergangenes Jahr der US-Klimabehörde NOAA zufolge beispiellose Schäden durch Klima-Katastrophen erlitten. 
22 extreme Wetterereignisse hätten dabei jeweils einen Schaden von mehr als einer Milliarde Dollar angerichtet. Darunter waren zum Beispiel die verheerenden Waldbrände an der Westküste und ein zerstörerischer Tornado-Ausbruch in Nashville im Bundesstaat Tennessee. (zu dpa

Auch die USA sind mit 22 extremen Wetterereignissen im Jahr 2020 stark betroffen: Hier im März in Nashville. Bild: dpa / Mark Humphrey

An der Spitze der Negativ-Liste für das Jahr 2019, das neben dem 20-Jahres-Zeitraum separat betrachtet wurde, stehen Mosambik, Simbabwe und die Bahamas, die es mit schweren Wirbelstürmen, Überflutungen und Erdrutschen zu tun hatten. In Mosambik, Simbabwe und Malawi (Rang fünf im Index für 2019) gehen schwere Schäden auf den Zyklon Idai zurück. Es war der bis dahin verheerendste Wirbelsturm, der jemals im westlichen Indischen Ozean beobachtet wurde. Die drei afrikanischen Länder hatten zusammen mehr als 1100 Todesopfer zu beklagen und verzeichneten kaufkraftbereinigt einen Gesamtschaden von mehr als sieben Milliarden US-Dollar.

Tödliche Hitzewellen in Deutschland

Deutschland landet für 2019 auf Platz 56 unter den 180 Ländern, deren Daten in die Studie eingeflossen sind. Im Langfrist-Vergleich rangiert die Bundesrepublik aber unter den 20 am stärksten betroffenen Ländern (Platz 18). Von 2000 bis 2019 starben in Deutschland der Analyse zufolge mehr als 10.700 Menschen durch Extremwetter - vor allem infolge von Hitzewellen. Der wirtschaftliche Schaden lag für Deutschland kaufkraftbereinigt jährlich im Schnitt bei 4.27 Milliarden US-Dollar (3.54 Milliarden Euro).

Der jährlich veröffentlichte Klima-Risiko-Index basiert auf einer Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er vergleicht die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden nach Kaufkraftparitäten, und zwar sowohl die absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandsprodukt.

"Menschen in Enwicklungsländern am verwundbarsten" – Merkel sagt zusätzliche 100 Millionen Euro Hilfsgelder zu

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass der Klimawandel Wetterextreme "in allen Kontinenten und Regionen der Welt" begünstigt. "Der Klima-Risiko-Index zeigt, dass Menschen in den besonders armen Entwicklungsländern am verwundbarsten sind. Sie, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, benötigen nun dringend finanzielle und technische Unterstützung, um sich soweit wie möglich an deren Folgen anzupassen", sagte Studien-Co-Autor David Eckstein von Germanwatch.

ARCHIV - 21.07.2020, Nepal, Kathmandu: Nepalesen stehen auf einem Felsen am Ufer des überfluteten Flusses Bagmati und fotografieren die Strömung. Heftiger Monsunregen hatte in Nepal, Indien und Bangladesch zu mehr als 200 Toten geführt und Tausende Menschen obdachlos gemacht. Vier von fünf Naturkatastrophen sind nach einer Studie des Roten Kreuzes in den vergangenen zehn Jahren auf extremes Wetter und die Folgen der Klimakrise zurückgegangen. Dazu gehören Unwetter, Überschwemmungen und Hitzewellen. (zu dpa:

Am Ufer des überfluteten Flusses Bagmati in Nepal. Mehr als 200 Menschen starben nach heftigem Monsunregen in Nepal, Indien und Bangladesch. Bild: dpa / Niranjan Shrestha

Mit Blick auf den internationalen Klimagipfel Climat Adaptation Summit, der am Montag digital stattfand, richtete die Organisation einen Appell an die Industrienationen, den besonders schwer getroffenen Entwicklungsländern zusätzliche Mittel im Kampf gegen Extremwetterereignisse bereitzustellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Mittag in einer Video-Botschaft zu, die vulnerablen Länder mit weiteren 100 Millionen Euro bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen zu wollen.

"Der Klimawandel gefährdet unsere Umwelt, unsere Wirtschaft, unsere Sicherheit – überall auf der Welt. Aber gemeinsam haben wir es in der Hand, die Folgen einzudämmen", sagte die Kanzlerin in einer Video-Botschaft am Montag. Deutschland verfolge international eine Strategie der Anpassung, aber auch der Emmissionsminderung.

Umweltministerin Schulze: Auch Deutschland muss sich wappnen

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze warb am Montag für mehr Solidarität. "Wir brauchen jetzt mehr denn je Solidarität auf der Welt, damit diejenigen, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, auch Unterstützung erhalten", sagte die SPD-Politikerin. Aber auch Deutschland müsse sich besser gegen Wetterextreme wappnen. Alte und kranke Menschen sowie das Personal im Gesundheitswesen müssten "viel besser vor extremer Hitze im Sommer" geschützt werden, erklärte Schulze.

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Es gibt mehr extreme Hitzetage in Deutschland als früher. Bild: imago images / Achim Duwentäster

Aus den Reihen der Opposition kam teils scharfe Kritik. Die Industrienationen seien "die Hauptverursacher für die Eskalation der Klimakrise" und würden sich trotzdem "aus der Verantwortung stehlen", wenn es darum gehe, die Schäden zu begleichen, sagte die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum, der Deutschen Presse-Agentur. Dieses Vorgehen sei "pervers". Die Klimaanpassung müsse endlich solidarisch finanziert werden, forderte Badum.

Linke: Klimawandel-Hilfe nicht mit Entwicklungshilfe verrechnen

Der Linke-Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin kritisierte Deutschlands Anteil an der internationalen Klimafinanzierung als "deutlich zu gering". Er warf der Bundesregierung vor, das Geld zum Kampf gegen den Klimawandel mit der Entwicklungshilfe zu verrechnen, statt es separat zu investieren.

Bei dem von den Niederlanden organisierten virtuellen Gipfel beraten Staats- und Regierungschefs aus aller Welt über Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. An der Eröffnungsveranstaltung des zweitägigen Gipfels nahm auch der Klima-Beauftragte der neuen US-Regierung, John Kerry, teil.

(andi/dpa)

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