Nachhaltigkeit
Processed with VSCO with c1 preset

Lecker, gesund, nachhaltig: Snack-Insekten, probiert auf der Messe Grüne Woche. Bild: watson

Snack-Käfer und Keks-Löffel: Food-Trends, die verändern werden, wie wir essen

Agatha Kremplewski, Maria Pelteki

Augen zu, Zähne zusammenbeißen – um dann festzustellen: Schmeckt wie ölfrei gebackene Chips. Oder wie stark gewürztes Popcorn. Jedenfalls nicht nach Heuschrecke. Mal abgesehen davon, dass wahrscheinlich die wenigsten Menschen hierzulande eine Vorstellung davon haben, wie Heuschrecke schmeckt.

Auf der landwirtschaftlichen Messe Grüne Woche, bei der Start-ups auch Ernährungstrends vorstellen, lernen wir von watson allerdings, dass Insekten nicht nur in vielen Formen und Farben, sondern auch Geschmäckern kommen: von "nussig bis zitronig" ist alles dabei, sagt Christian Bärtsch von Essento, die Nahrungsmitteln mit Grillen, Heuschrecken oder Maden herstellen.

Warum Insekten essen aber nicht nur irgendwie abgefahren, sondern auch total sinnvoll ist, welche Food-Inovationen wir aufgespürt haben sowie unsere Tops und Flops der Grünen Woche erfahrt ihr hier.

Top: Snacks und Burger aus Insekten

Etwa 60 Kilo Fleisch isst der Durchschnittsdeutsche pro Jahr. Abgesehen davon, dass zu viel Fleisch ungesund ist: Der übermäßige Konsum schadet dem Klima. So hat die Fleischproduktion in Deutschland fast 27 Tonnen CO2 verursacht.

Wer nicht Fleisch verzichten möchte, kann sich zumindest nach Alternativen umsehen – wie zum Beispiel Insekten. Bärtsch zählt die Vorteile auf, wenn wir von herkömmlichen Fleisch auf Insekten umsteigen würden: Die Produktion würde weniger CO2 verursachen, weniger Wasser verbrauchen und die Insekten könnten lokal gezüchtet werden.

Auch moralisch gibt es gute Gründe, Heuschrecken, Grillen und Maden zu essen: Man kann sie in Schwärmen halten, wie sie auch in der Natur leben, und sie zur Verarbeitung herunterkühlen: Die Insekten schlafen dann ein und erfrieren schließlich. Das bedeutet zwar immer noch Töten, aber zumindest deutlich weniger brutal. Und lecker schmecken soll's auch noch, wie Gründer Bärtsch im Video sagt:

Video: watson/Maria Pelteki, Agatha Kremplewski

Auf der Messe probiert haben wir Snack-Insekten in den Geschmacksrichtungen Paprika Acheta (Grillen), Curcuma Tenebrio (Maden) und – unser Favorit – Provençal Locusta (Heuschrecken). Zum Nachtisch gab's Protein-Bars mit Grillenmehl. Uns hat's geschmeckt – und mindestens als Mitbringsel für die nächste Party eigenen sich die Snacks.

Top: Blended Meat

Eine gute Lösung für alle, die gerne auf Fleisch verzichten möchten, aber dann doch irgendwie nicht so richtig: Blended Meat. Der Food-Trend aus dem Silicon Valley in den USA kommt nun auch in Deutschland an. Das Prinzip ist simpel: Das Fleisch-Produkt besteht zur Hälfte aus Fleisch, zur anderen Hälfte aus pflanzlichen Inhaltsstoffen.

Auf der Grünen Messe treffen wir Cornelia Habacher. Sie ist Mitgründerin des Start-ups Rebel Meat, das Burger-Pattys herstellt. Die bestehen zur Hälfte aus Bio-Rindfleisch, zur anderen Hälfte aus Pilzen und weiteren pflanzlichen Inhaltsstoffen. In Zukunft will das Unternehmen weiter daran arbeiten, zunehmend weniger Fleisch in ihren Pattys zu verwenden, erklärt Habacher.

Probieren konnten wir die Burger auf der Messe leider nicht. Aber das Konzept allein überzeugt uns.

Top: Essbares Besteck

Ein Trend, der uns besonders begeistert: essbares Besteck. Wie praktisch wäre es doch, wenn du zum Beispiel den Eislöffel gleich zum Eis mitessen könntest! Oder dir unterwegs eine Suppe holst – und den Löffel gleich mit verputzt, nachdem du fertig gegessen hast.

Auf der Grünen Messe probieren wir die Löffel von Kulero. Die Esslöffel bestehen aus natürlichen Inhaltsstoffen, sind vegan und kommen in verschiedenen Geschmackssorten, wie Kakao oder Minze. Wir haben begeistert Apfelmus gelöffelt: Der Geschmack geht tatsächlich nicht auf das Mus über, der Löffel hält. Bis er nach dem Essen weggesnackt wird.

Schmecken tut der Löffel wie ein sehr fester Keks. Beim Essen wir er allerdings mit der Zeit etwas weicher und somit leichter zu kauen.

Bild

Diese Löffel kann man gleich mitessen – besonders der mit Kakao ist lecker. Bild: watson

Flop: Fruchtkugeln mit Nussmus

Egal, wie gesund du dich ernährst: Auch dich packt mal die Snack-Lust. Wenn du dann trotzdem nicht zu ungesunden Gummibärchen oder Schokoriegeln greifen willst, sind Energy-Kugeln vielleicht eine Alternative. Sie enthalten natürliche Zutaten wie getrocknete Früchte und Nüsse.

Wie zum Beispiel Yammbits, die wir auf der Grünen Messe probiert haben. Die Kugeln sind mit Cashewmus verfeinert, was sie im Gegensatz zu anderen Energy-Kugeln besonders weich und lecker macht.

Dennoch sind wir von der Neuartigkeit der Idee nicht überzeugt: Fruchtkugeln gibt es schließlich in jedem Drogerie- und Bio-Markt mittlerweile. Auch sind exotisch Zutaten wie Mango und Kokos nicht nachhaltig, zudem sind die süßen Kugeln in einer Plastikschale verpackt, weil sie sonst zerdrückt werden würden. Immerhin besteht die Schale aus recyceltem Plastik, und die Hersteller arbeiten laut eines Vertreters von Yammbits an nachhaltigeren Verpackungsmöglichkeiten.

Und so sehen die Kugeln aus:

Flop: Alkoholfreie Destillate

Bier und Sekt ohne Alkohol kennst du schon lange. Nun kannst du auch Longdrinks wie Gin Tonic ohne echten Gin trinken. Alkoholfreie Destillate, die aus Kräutern und Pflanzen hergestellt werden, machen es möglich. So kannst du hochwertige Drinks ohne schlechtes Gewissen genießen.

Vom Start-up Easip sind wir auf der Grünen Messe nicht vollkommen überzeugt. Das klare Destillat, das an Gin erinnert, begeistert uns noch: Im Longdrink erinnert es tatsächlich an einen blumigen Gin Tonic. Das goldfarbene Destillat hingegen hat beim ersten Schluck einen penetranten Seifen-Geschmack. Die Zimt-Note im Abgang versöhnt uns wieder ein wenig.

Pluspunkt: Die Idee ist prima, am Geschmack kann noch ein wenig gefeilt werden.

Flop: Schokolade mit Kurkuma

Schokolade mit Ingwer, Chili, Meersalz – was haben wir in den letzten Jahren nicht schon alles probiert. Auf der Grünen Messe finden wir Schokolade mit Kurkuma: Das Trend-Gewürz soll sehr gesund und entzündungshemmend sein – und schmeckt auch tatsächlich ganz gut.

Nur nicht in Schokolade, mussten wir feststellen. Das schmeckt ein wenig so, als hätte man eine gute Portion Hausstaub mit in der Süßigkeit mit verarbeitet: trocken, pappig, pulverig. Und der sehr spezifische Kurkuma-Geschmack geht mit der Schokolade nicht wirklich zusammen.

Grüne Woche: Ein paar gute Ideen, aber wenig Neues

Bis auf das essbare Besteck von Kulero und ein paar wenige andere Angebote fanden wir wenige Produkte, die gezielt auch Nachhaltigkeit setzten. Viel Obst und Gemüse war in Plastik verpackt – Alternativen dafür zu finden, könnte ein Projekt für die Grüne Messe im nächsten Jahr sein. Auch hatten wir bei einigen Produkten, wie den Fruchtkugeln, den Eindruck, sie bereits zu kennen.

Vor allem aber, was den Fleischkonsum betrifft, bietet das Start-up-Angebot der Grünen Woche praktikable Ideen: Blended Meat, wie es von Rebel Meats vertreten wird zum Beispiel, ist vielleicht keine Vegetarier-freundliche Alternative. Dafür aber eine, die auch für leidenschaftliche Fleischesser praktikabel ist. Und wir haben gelernt: Insekten essen muss nicht eklig, sondern kann auch einfach lecker sein.

Hier der Beweis: Heuschrecken schmecken gar nicht übel!

Video: watson/Maria Pelteki

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0

Vegetarier wissen: Mit diesen 5 Lebensmitteln wird dir Fleisch nicht fehlen

Skandale in der Fleischindustrie sind nicht neu: Ob Gammelfleisch in Imbissbuden, Pferdefleisch in der Lasagne oder gar tödliche Listerien in der Wurst – schockiert haben uns die Vorfälle schon. Unser Essverhalten nachhaltig beeinflusst allerdings wohl kaum.

Nun aber wurden wegen eines einzigen Corona-Ausbruchs in einer Schlachterei ganze Landkreise lahmgelegt: Nachdem im Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück über 1500 Mitarbeiter positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden sind, wurde unter …

Artikel lesen
Link zum Artikel