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Die Lage am deutschen Himmel ist kompliziert – das trifft auch die Passagiere. getty

Ostern vor der Tür, und an den Flughäfen droht Chaos – was am Himmel alles schief läuft

Koffer gepackt? Ist ein starkes Nervenkostüm auch dabei? Denn in den kommenden Tagen wird es an den deutschen Flughäfen ernst.

Wie die Luftfahrtbranche um eine Lösung kämpft

Auf einem Luftfahrtgipfel hatten die Beteiligten Ende März in Hamburg konkrete Maßnahmen angekündigt, zugleich aber Erwartungen gedämpft. "In diesem Sommer können wir noch nicht alle glücklich machen", erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hinterher und sprach von unvermeidbaren "Ruckeleien". Nach Einschätzung der Deutschen Flugsicherung (DFS) wird der Flugverkehr im deutschen Luftraum auch in diesem Jahr wachsen, und zwar um rund vier Prozent nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen im Chaosjahr 2018.

Der Flughafenverband ADV sieht seine Mitglieder gut vorbereitet: Überall werde das Personal aufgestockt, Prozesse würden optimiert. Auch werde den bislang beengten Passagier- und Handgepäckkontrollen mehr Platz eingeräumt. Die Bundespolizei hat in den vergangenen Monaten erfolgreich neue Kontrollspuren getestet, die mit einfachen Konstruktionen die Zahl der stündlich zu kontrollierenden Passagiere mehr als verdoppeln kann.

Doch es gibt ein Problem...

Diese neuen Kontrollspuren stehen mit wenigen Ausnahmen in München, Hamburg und Frankfurt noch nirgendwo zur Verfügung. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wird für sieben neue Spuren ein eigener Anbau errichtet, der aber frühestens im Sommer bereit ist. Bis dahin setzen die Beteiligten auf Verbesserungen im Detail.

Der Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte hält ohnehin an der Forderung fest, die bislang von der Bundespolizei angeleiteten privaten Kontrolleure künftig selbst zu steuern. Beim Gipfel hatte es für einigen Unmut gesorgt, dass in Berlin die beiden bestellten Gutachten zu diesem sicherheitsrechtlich heiklen Thema immer noch nicht vorliegen.

Welche Rolle der Streit um das Air Berlin-Erbe spielt:

Die Airlines hatten mit ihren engen Flugplänen im vergangenen Jahr kräftig zu Verspätungen und Flugausfällen beigetragen, weil sie nach der Pleite von Air Berlin möglichst große Marktsegmente besetzen wollten. Lufthansa, ihre Tochter Eurowings, Condor und Co. haben sich im laufenden Jahr beschränkt und stellen deutlich mehr Reserveflugzeuge und Crews bereit. Allein der Lufthansa-Konzern wendet nach Angaben von Vorstand Detlef Kayser eine Viertel-Milliarde Euro für einen stabileren Betrieb auf.

Und auch Boeing macht Probleme...

Wegen der Probleme um Boeings Pannenflieger 737 Max sind Mittelstreckenflugzeuge in Europa allerdings schon jetzt ein knappes Gut. Nach dem Absturz einer Boeing in Äthiopien hatten zahlreiche Länder rund um den Globus, darunter Deutschland, Flugverbote für diesen Typ erlassen. Neben der Billig-Airline Norwegian ist insbesondere der Reisekonzern Tui getroffen, dem 23 fest eingeplante Jets auf ungewisse Zeit bis zur Wiederfreigabe des Flugzeugtyps fehlen.

Auf 200 Millionen Euro hat Tui-Chef Friedrich Joussen die Mehrkosten bis Mitte Juli beziffert, wenn auslaufende Leasingverträge verlängert und neue Mietverträge abgeschlossen werden. Bleiben die Boeings noch länger am Boden, wird es schnell noch teurer.

Die mit Abstand größte Baustelle bleibt derweil vorerst die bundeseigene Deutsche Flugsicherung GmbH, bei der rund 2000 Lotsen arbeiten. Wie viele zur Bewältigung der kommenden Verkehrsspitzen insbesondere im oberen Luftraum fehlen, ist umstritten: DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle beziffert die Lücke auf 90 Leute, während die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) mindestens 200 neue Kollegen will.

Ihr Vorsitzender Matthias Maas wirft Scheurle vor, die Ausbildung seit seinem Amtsantritt 2013 kaputt gespart zu haben und auch seit der Sommer-Krise nicht entschlossen genug umzusteuern. Der DFS-Chef verweist hingegen auf eine Reihe von bereits eingeleiteten Maßnahmen, die Flüge zu bündeln und effizienter zu ordnen. Auch wurden fertig ausgebildete Lotsen aus dem Ausland angeworben und die Kapazität der eigenen Ausbildungsakademie hochgefahren. Kurzfristig benötigt die DFS aber die Mehrarbeit ihrer Bestandslotsen und dafür wiederum die Kooperation der GdF. Eine Einigung dazu steht noch aus.

(pb/dpa)

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