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Wollte offenbar mehr Macht im Verein: Ex-Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann (rechts). Doch da hatte er die Rechnung ohne Michael Preetz gemacht. Bild: imago images / Bernd König

Klinsmanns Rücktritt ging Machtkampf voraus

Es war ein Schock für alle Hertha-Fans: Am Dienstagvormittag teilte Jürgen Klinsmann auf Facebook mit, dass er nicht mehr für das Amt des Cheftrainers zur Verfügung steht. Die Klubführung war von den Ereignissen offenbar ebenso überrascht wie der Rest der Sportwelt.

Alles deutet auf einen Alleingang des ehemaligen Bundestrainers hin. Nun wird langsam klar, was die konkreten Hintergründe sind.

Wie der "Kicker" schreibt, wollte Klinsmann ab Sommer das Amt des Technischen Direktors übernehmen. Das gibt es bei der Hertha bisher nicht, es hätte also neu geschaffen werden müssen.

Klinsmann wollte demnach einen Zwei-Jahres-Vertrag. Das schreibt übereinstimmend auch die "Bild"-Zeitung. Demnach soll Klinsmann schon im Trainingslager Anfang Januar auf eine sofortige Verlängerung seines Vertrags gedrängt haben – mit der Drohung, ansonsten frühzeitig aus dem Trainingslager abzureisen und als Coach hinzuwerfen.

Den Berichten zufolge forderte Klinsmann zudem weitreichende sportliche Kompetenzen. Die liegen bisher ausschließlich bei Manager Michael Preetz. Die Klubführung habe das Ansinnen in den Gesprächen aber abgelehnt. Sein Rücktritt war demnach eine direkte Reaktion auf die Ablehnung seines Wunsches.

Klinsmann bestätigt Differenzen mit Preetz

Teile dieser Berichte bestätigte Klinsmann am Mittwochabend in einem Facebook-Live-Video. Auslöser für seinen Rücktritt seien demnach Meinungsunterschiede über die Aufteilung von Kompetenzen zwischen ihm als Trainer und Sport-Geschäftsführer Michael Preetz gewesen.

Dies habe ihm "unglaublich aufgestoßen". Er habe im Trainingslager im Januar schon deutlich gemacht, dass er gerne einen längeren Vertrag hätte. Bis zuletzt habe er sich bei den Berlinern in einem vertragslosen Zustand befunden, sagte Klinsmann.

Auch Klinsmanns vorherige Aussagen deuteten auf einen Machtkampf hin

Ein Cheftrainer brauche das "Vertrauen der handelnden Personen", hatte Klinsmann schon zuvor in einem Facebook-Post geschrieben. Im Interview mit der "Bild" wurde Klinsi deutlicher: "Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über die Transfers." Das klingt tatsächlich, als ob er mehr Macht im Verein angestrebt hatte – und von Preetz und Präsident Gegenbauer ausgebremst wurde.

Weiter kritisierte Klinsi in dem Interview das "deutsche Modell" mit Sportvorständen und Direktoren – darin finde er sich nicht wieder. Zu viel Energie gehe für Dinge außerhalb des Spielfelds verloren. Indirekt bestätigte er das Gerangel um Zuständigkeiten innerhalb des Vereins und sagte: "Wir haben über eine mittelfristige Zusammenarbeit gesprochen und über die Kompetenzen diskutiert." Die Situation habe sich aber nicht verbessert, "sondern eher noch verschlechtert".

(om)

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