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Yutaka (r.) und Satomi Iwakami sind große Fans von Mainz 05. Die beiden 48-jährigen Eheleute leben in Tokyo. Er ist IT-Analytiker, sie ist ausgebildete Kimono-Lehrerin. bild: zvg

Origami als Glücksbringer: Warum dieses Ehepaar aus Japan den FSV Mainz unterstützt

Sein Deutsch ist nicht ganz perfekt, aber man versteht immer, was er meint: "Schade, FSV hat ein Punkt gegen S04 verpasst. Es ist auch immer bitter, dass Ex-Mainzer gegen uns das Tor macht. Aber die Jungs haben bis zum Ende den Gegenschlag nie aufgegeben. Es sieht aus, im Vergleich zum Anfang der Saison die Form nach und nach besser wird. Kopf hoch, Jungs!"

Geschrieben hat diese Zeilen Yutaka Iwakami aus Tokyo, nach der Niederlage des FSV Mainz 05 gegen den FC Schalke am vergangenen Freitag. Deutsch hat der Japaner an der Universität gelernt. Um in der Übung zu bleiben, twittert Yutaka regelmäßig in deutscher Sprache über seinen liebsten Bundesligisten. Seine Tweets sind stets charmant, positiv und aufmunternd.

Zum Beispiel dieser hier:

Aber warum wird man am anderen Ende der Welt ausgerechnet Fan von Mainz 05? Wir haben in Tokyo angerufen, und Yutaka hat es uns erklärt – auf Deutsch. Schuld ist vor allem seine Ehefrau Satomi...

Ein Gespräch über Origami-Kraniche und das Mitfiebern in einer anderen Zeitzone.

watson: Hallo Yutaka, wie kommt man als Japaner dazu, Fan von Mainz 05 zu werden? Haben Sie einen speziellen Bezug zu der Stadt?

Yutaka Iwakami: Das ist eine lange Geschichte. Meine Frau und ich haben 2011 unsere Hochzeitsreise nach Deutschland gemacht. Unter anderem haben wir auch Mainz besucht, und die Stadt hat uns einfach sehr gut gefallen. Eigentlich habe ich mich damals gar nicht für Fußball interessiert. Aber meine Frau Satomi ist seit 2004 Fan von der Bundesliga, nachdem Michael Ballack sie in einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan sehr beeindruckt hat. Und weil wir beide Mainz so schön fanden, sind wir nun Fans vom FSV.

Mainz hat am vergangenen Spieltag knapp mit 2:1 gegen Schalke verloren. Können Sie die Spiele von Mainz in Japan überhaupt live verfolgen?

Ja, es gibt einen TV-Sender in Japan, der die Bundesliga via Satellit live im Fernsehen überträgt. Die Zeitverschiebung beträgt sieben Stunden, das heißt, wenn die Spiele um 15.30 Uhr beginnen, dann ist es hier schon spätabends. Wir müssen dann immer lange wach bleiben. Für Abendspiele um 18.30 Uhr deutscher Zeit stelle ich einen Wecker. Wir versuchen, die Spiele von Mainz so oft wie möglich live zu sehen. Nur, wenn wir am nächsten Tag arbeiten müssen, zeichnen wir das Spiel auf und schauen es wann anders.

Waren Sie denn auch schon mal im Mainzer Stadion?

Ja, wir waren leider erst einmal da, das war im Jahr 2013. Wir wollen aber so bald wie möglich wieder nach Mainz. Spätestens im übernächsten Jahr. 2020 bekommen wir nämlich erstmal Besuch von Bekannten aus Mainz, wenn die Olympischen Spiele in Tokyo sind.

Was mögen Sie besonders an Mainz 05?

Den Zusammenhalt. Zum Beispiel, dass die Elf, bevor sie in der Halbzeitpause gemeinsam in die Kabine geht, immer erst auf dem Feld zusammenkommt und miteinander spricht. Die Spieler sind sehr freundlich miteinander, es herrscht eine gute Atmosphäre, und die die Mannschaft hat Charakter, gibt immer alles. In der Partie gegen Hertha BSC am vierten Spieltag zum Beispiel hat Pierre Kunde nach einem Freistoß der Berliner den Ball auf dem Bauch liegend geklärt. Sehr originell. Toller Einsatz.

Wer sind aktuell Ihre Lieblingsspieler?

Ich mag Danny Latza am liebsten, den Kapitän. Satomis Lieblingsspieler sind die Torhüter: Florian Müller, Robin Zentner und Finn Dahmen.

Satomi, Ihre Frau, bastelt vor jeder Saison Origami-Kraniche als Glücksbringer für Mainz 05...

... ja genau, 102 rote und weiße Kraniche – das steht für jeweils drei Punkte an jedem der 34 Spieltage. Sie macht das sogar zusätzlich vor jedem Mainz-Spiel: Sie faltet stets drei Kraniche für drei Punkte. Bei Heimspielen zwei rote und einen weißen. Bei Auswärtsspielen zwei weiße und einen roten.

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Glücksbringer: "Das Amulett mit Pfeil und Bogen (的中御守) rechts neben der Gummi-Ente ist für die Genauigkeit der Torschüsse. Das andere hölzerne (韋駄天) ist ein Schild, dass dafür sorgen soll, dass die Spieler schneller laufen können", sagt Yatuka. bild: zvg

Haben Sie noch ein weitere Rituale?

Ja, wenn Mainz verliert, dann waschen wir unsere Mainz-Schals. Solange Mainz gewinnt, waschen wir sie nicht.

Wenn der Verein in eine Krise gerät, besuchen wir Schreine und beten dort. Da bei Mainz 05 aktuell viele Spieler verletzt sind, wollen wir bald einen Schrein besuchen, in dem man für die Heilung von Verletzungen betet.

Für drei Punkte hilft manchmal auch ein beherzter Schlag auf drei Dachziegel...

Gelber Fleck auf blauem Grund – mutige BVB-Fans auf Schalke

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