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June 22, 2019 - Alexandia, Guinea, Egypt - Anicet Andrianantenaina of Madagascar celebrating scoring to 1-1 during the African Cup of Nations match between Guinea and Madagascar at the Alexandria Stadium in Alexandia, Egypt on June 22,2019. Guinea v Madagscar:Group B - 2019 Africa Cup of Nations PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAn230 20190622_zaa_n230_1209 Copyright: xUlrikxPedersenx

Schon jetzt so gut wie nie: Madagaskar. "Barea" nennen die Fans ihr Team, "Buckelrinder". Deren Hörner sind die Jubelgeste. Bild: imago images / ZUMA Press / ulrik pedersen

Beim Afrika-Cup träumen die Außenseiter – 8 Geschichten zu den 8 Viertelfinalisten

Der Afrika-Cup in Ägypten geht in die entscheidende Phase. Am Mittwoch und Donnerstag stehen die Viertelfinalspiele an. Die Herzen neutraler Fans schlagen für die Underdogs Benin und Madagaskar.

Ralf Meile / watson.ch

Senegal

Für Sadio Mané ist am 1. Juni ein Traum wahr geworden: Mit dem FC Liverpool gewann er die Champions League. Doch jüngst ließ er verlauten, er würde diesen Triumph eintauschen, wenn er dafür mit Senegal den Afrika-Cup gewinnen könne. Für das westafrikanische Land, zweifacher WM-Teilnehmer, wäre es der allererste Erfolg an der kontinentalen Meisterschaft.

Mittwoch:
Senegal – Benin 18 Uhr

Nigeria – Südafrika 21 Uhr


Donnerstag:
Elfenbeinküste – Algerien 18 Uhr

Madagaskar – Tunesien 21 Uhr

Nun wartet Außenseiter Benin auf den Senegal. Napoli-Verteidiger Kalidou Koulibaly warnt: "Wir haben sie beobachtet. Benin hat ein kompaktes Team und spielt sehr gut."

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Sadio Mané vom FC Liverpool erzielte bisher drei Tore. bild: imago images / Zuma press

Benin

Vier Spiele, keines gewonnen – und trotzdem im Viertelfinal. Mit einem 2:2 und zwei 0:0 kam Benin als Gruppendritter dank der besseren Tordifferenz gegenüber Kenia weiter. Gegen Marokko stand es nach 120 Minuten ebenfalls unentschieden (1:1), im Elfmeterschießen setzten sich die "Eichhörnchen" durch.

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Benin feiert den Einzug in die Runde der letzten Acht. Bild: imago images / Xinhua / ai hamaide

Noch nie zuvor war Benin bei seinen bisher drei Teilnahmen am Afrika-Cup über die Gruppenphase hinausgekommen. Nach dem Scheitern im Jahr 2010 löste der Verband gar die Nationalmannschaft auf, wegen angeblich fehlendem Patriotismus der Spieler. Kein Jahrzehnt später rief der Staatspräsident in der Kabine an, um den Spielern auszurichten: "Ihr seid nun der Stolz unseres Landes." Und die genossen es ausgiebig, wie der in Deutschland geborene Stürmer von Arminia Bielefeld Cebio Soukou erzählte: "Wir haben im Bus und später im Hotel gefeiert, gesungen und getanzt. Und das alles ohne einen Tropfen Alkohol."

Den Beninern blieb vor dem Viertelfinal noch Zeit fürs Sightseeing. Hier piekst sich Arminia Bielefelds Cebiou Soukou an einer Pyramide – oder doch nicht?

Nigeria

Der letzte von drei Titelgewinnen der "Super Eagles" liegt sechs Jahre zurück. Der deutsche Coach Gernot Rohr, 66, der auch schon Nationaltrainer in Gabun, Niger und Burkina Faso war, soll Nigeria nun wieder zum Erfolg führen, nachdem es mit einheimischen Ex-Stars an der Linie (Stephen Keshi, Daniel Amokachi und Sunday Oliseh) nicht geklappt hat.

Rohr wurde mit einer Streikdrohung konfrontiert. Seine Spieler forderten, dass versprochene Prämien ausbezahlt würden. Dass Nigerias Verband daraufhin Geld von der Frauen-WM zu den Männern umleiten wollte, fanden diese falsch, man müsse dies anders regeln. Er rechne das seinen Spielern hoch an, sagte Rohr der NZZ.

Locker easy: Die Nigerianer entspannten sich vorgestern nach dem Viertelfinal-Einzug.

Südafrika

Die Zuschauer hat Südafrika bestimmt nicht auf seiner Seite. Denn die "Bafana Bafana" warf Afrika-Cup-Gastgeber Ägypten aus dem Turnier – und das nach einer mühsamen Vorrunde mit einem mageren 1:0-Sieg gegen Namibia und zwei Niederlagen. Im Land des WM-Ausrichters von 2010 hatte es Kritik gehagelt. Zu Recht, wie Goalie Ronwen Williams befand. "Wir versuchten, die Kritik als Anregung anzunehmen, und wir haben gegen Ägypten allen bewiesen, was wir können."

Auch Trainer Stuart Baxter ist sich bewusst, dass die Leistungen nicht gut waren. Aber es kümmert ihn nicht: "Nun geht es ums Eingemachte. Derjenige, der wie ein Sieger auftritt, wird das Turnier gewinnen. Es wird im Kopf entschieden."

(190702) -- CAIRO, July 2, 2019 -- South Africa s players pose for group photos before the 2019 Africa Cup of Nations Group D match between Morocco and South Africa in Cairo, Egypt on July 1, 2019. (SP)EGYPT-CAIRO-FOOTBALL-AFRICA CUP OF NATIONS-MOROCCO VS SOUTH AFRICA LixYan PUBLICATIONxNOTxINxCHN

Südafrika hat aktuell keine großen Stars im Team, die "Bafana Bafana" knipste dennoch Mitfavorit Ägypten aus. Bild: imago images / Xinhua / li yan

Elfenbeinküste

Der Captain der "Elefanten" ist auch in Deutschland bekannt: Geoffrey Serey Dié. Der Mittelfeldspieler stand in der Saison 2015/16 beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Serey Dié war schon 2015 beim Afrika-Cup-Triumph der Elfenbeinküste dabei und er spielte bislang in allen vier Partien durch.

Feiern mit Serey Dié: So bejubelt die Elfenbeinküste den Viertelfinal-Einzug.

Auch ein aktueller Bundesliga-Spieler ist im Kader: Jean-Philippe Gbamin. Der Mainzer stand bisher in zwei Spielen auf dem Platz und bereitete ein Tor vor. Im Sturm ist Wilfried Zaha (Crystal Palace) gesetzt, im Mittelfeld führt Franck Kessié (AC Milan) Regie.

Algerien

Schon seit 1990 hoffen die Anhänger der "Wüstenfüchse" vergeblich darauf, dass ihre Lieblinge zum zweiten Mal den Afrika-Cup gewinnen. Die Hoffnungen ruhen insbesondere auf Dirigent Riyad Mahrez vom englischen Meister Manchester City. Drei Siege in den Gruppenspielen und im Achtelfinal ein 3:0 über Guinea ließen die Erwartungen in Nordafrika steigen.

Aufregung gab's schon vor dem Start zum Turnier, als Haris Belkebla aus dem Kader geworfen wurde. Mitspieler Alexandre Oukidja zockte nachts um 1 Uhr Fortnite und streamte die Partie live. Den 25-jährigen Belkebla sah man dabei hinter dem Torhüter stehend und den Zuschauern seinen blanken Hintern zeigend.

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bild: twitter/watson

Madagaskar

Zum ersten Mal dabei und gleich in den Viertelfinals – Madagaskar ist das große Überraschungsteam des Turniers. Es profitierte davon, dass dieses von 16 auf 24 Teilnehmer aufgestockt wurde und setzte sich dank eines 2:0-Siegs über Nigeria als Gruppensieger durch. Das Achtelfinale war ein Thriller: Nach einem 2:2 nach Verlängerung schlugen die Madagassen die Demokratische Republik Kongo vom Elfmeterpunkt aus.

25 Millionen Einwohner hat der Inselstaat im Indischen Ozean, der sportlich noch nie groß in Erscheinung getreten ist, sieht man einmal von den zwei Mannschafts-Weltmeistertiteln im Pétanque (1999 und 2016) ab. Nationalsport ist Rugby.

In der Hauptstadt Antananarivo wurde der Viertelfinal-Einzug groß gefeiert.

"Wir sind so stolz. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", schwärmte Mittelfeldspieler Marco Ilaimaharitra. "Es ist ein Geschenk für die Leute in unserem Land, die uns alle zuschauen." Trainer Nicolas Dupuis, ein Franzose, arbeitet nicht ausschließlich auf Madagaskar, weil er dort fast nichts verdient. Im Alltag ist er Clubtrainer des französischen Viertligisten FC Fleury. Sein Erfolgsrezept am Afrika-Cup: "Die Jungs wachsen immer mehr zusammen. Wir sind wie eine große Familie." Madagaskar kann befreit aufspielen, weil es schon jetzt mehr erreicht hat, als alle dem Team zugetraut haben. Und eine solche Lockerheit verlieh schon oft Flügel.

Tunesien

Mehr schlecht als recht – mit drei Unentschieden – mogelten sich die Tunesier durch die Gruppenphase. Beim Achtelfinal-Erfolg über Ghana wurde der Ersatzgoalie zum Helden: Farouk Ben Mustapha. Er wurde für das Penaltyschießen eingewechselt, zum Ärger von Stammkeeper Moussez Hassen. Der wollte sich erst weigern, das Spielfeld zu verlassen.

FRANCE OUT July 8, 2019: Dylan Daniel Mahmoud Bronn of Tunisia celebrating with Wahbi Khazri of Tunisia during the 2019 African Cup of Nations match between Ghana and Tunisia at the Ismailia Stadium in Ismailia, Egypt. /CSM. Ghana v Tunisia - 2019 African Cup of Nations PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAc04_ 20190708_zaf_c04_057 Copyright: xUlrikxPedersenx

Bild: imago images / ZUMA Press / ulrik pedersen

Einen Tag darauf entschuldigte er sich für seine Reaktion. Hassen führte sie auf die Hitze des Gefechts zurück. Ob Trainer Alain Giresse seine Nummer eins gegen Madagaskar wieder ins Tor stellt, ist noch nicht bekannt.

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