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 Capital Bra beim 12. Kiss Cup 2019 in der Max-Schmeling-Halle. Berlin, 09.10.2018 *** Capital Bra at the 12 Kiss Cup 2019 in the Max Schmeling Halle Berlin, 09 10 2018 Foto:xN.xKubelkax/xFuturexImage

Der Rap-Megastar bei einem Auftritt 2019 in Berlin. Bild: imago images / Nicole Kubelka

Analyse

Capital Bra im Millionenrausch: Das System hinter seinem Erfolg

Der Bratan bleibt der gleiche, er wird nur immer reicher. Denn so gut wie alles, was Capital Bra anpackt, wird zu (Platten-)Gold. Dabei hält der Rap-Superstar nicht engstirnig an seinem Musikgenre fest, sondern holt seine Homies mit an Bord, probiert sich aus oder verbindet im Idealfall beides. Sei es die Kollabo mit Pop-Titan Dieter Bohlen für die neu aufgelegte Version des Modern-Talking-Klassikers "Cheri, Cheri Lady" oder seinen neuen Track "Andere Welt", den er zusammen mit Schmusesänger Clueso und Buddy KC Rebell in der Nacht zu Freitag droppte.

Bekanntermaßen ist der 25-Jährige, gemessen an der Anzahl seiner Nummer-eins-Hits, in Deutschland der erfolgreichste Künstler der Geschichte. Langweilig wird es ihm nicht: Sein neues Album "CB7" erscheint im September, es ist das mittlerweile siebte in nur vier Jahren.

Watson analysiert die drei größten Erfolgsgaranten des 25-Jährigen, mit deren Hilfe er heute nicht nur Millionen Abrufe bei den Streamingdiensten erzielt, sondern auch Millionen scheffelt.

Seine Musik: Capital Bra liefert ab

Der Bratan beweist: Man muss kein Weltklasse-Sänger sein, um die Massen zu begeistern. Schon früh in seiner Karriere entdeckte der Rapper Autotune für sich, spielte in seinen Songs mit Pop-Elementen oder Anleihen aus anderen Genres herum. Fun Fact: In seinem Berliner Tonstudio sitzt auch ein Produzent, der schon Songs für Helene Fischer schrieb. Capital Bra ist offen, erfindet sich immer wieder neu. Und seine Fans schätzen offensichtlich nicht nur harte Rap-Tunes, sondern auch experimentellere Tracks wie seinen Nummer-Eins-Hit "110", für den er sich mit Samra und Sängerin Lea zusammentat. Der Song von September 2019 hält sich bis dato ganze 43 Wochen in den Top 100. Sage und schreibe 96 Capital-Bra-Tracks sind in den offiziellen deutschen Single-Charts gelistet. Während andere Kollegen monatelang über einer neuen Single brüten, schüttet er in einer Nacht auch gerne mal zwei aus dem Ärmel. Oder drei. Egal, Hauptsache die Fans bekommen Nachschub.

Und damit begeistert Capital Bra vor allem seine junge Zielgruppe. Laut einer Umfrage des IfD Allensbach hören 45 Prozent aller 14- bis 19-Jährigen in Deutschland sehr gerne Rap oder Hiphop, bei den 20- bis 29-Jährigen sind es 30,1 Prozent.

Capital Bra mit drei Songs in den Spotify-Top-100

Und die streamen seine Hits besonders gern bei Spotify. In der vergangenen Woche vom 16. Juli war der Rapper gleich mit drei Songs in den deutschen Top 100 vertreten: "Ich weiß nicht mal wie sie heißt" wurde binnen sieben Tagen 1,84 Millionen mal gestreamt, "Nicht verdient" kam auf 834.000 Aufrufe, "110" auf 746.000. Das sind 3,42 Millionen Streams in einer Woche – die niedrigeren Positionen nicht eingerechnet. Und dahinter steckt reichlich Geld.

Denn das Label eines Künstlers bekommt für eine Million Streams durchschnittlich zwischen 3000 und 4000 Euro, wobei marktüblich rund ein Viertel an den Musiker direkt fließt. Geht man also von durchschnittlich 3500 Euro aus, hätte der Bratan in nur einer Woche mit gerade einmal drei Songs 2992 Euro verdient. Wahrscheinlicher ist aber, das der Rapper als absoluter Megastar der Szene einen besseren Vertrag mit seiner Plattenfirma ausgehandelt hat und eine wesentlich größere Summe kassiert.

Dies sind aber nur Peanuts. Zum Vergleich: Seine aktuell beliebteste Single "Ich weiß nicht mal wie sie heißt" wurde bei Spotify bis dato insgesamt 16 Millionen mal gestreamt. Damit dürften also rund 14.000 Euro in die Bratan-Börse geflossen sein. Mindestens. Für einen Song auf einer Plattform. Aufs Jahr gerechnet wären es bereits 168.000 Euro.

Im Mai 2019 landete er übrigens einen neuen Rekord: Nach einer Auswertung der GfK Entertainment kam Capi auf insgesamt 1,4 Milliarden Abrufe bei kostenpflichtigen und werbebasierten Musik-Streaminganbietern.

Seine Vermarktung

Musiker verkaufen hauptsächlich CDs, klar. Den größten Umsatz machen sie normalerweise aber mit Konzerten. Aktuell sind noch Tickets für Capis "Berlin lebt II"-Tour, die coronabedingt auf 2021 verschoben werden musste, zu haben. Einen Stehplatz gibt es ab rund 43 Euro. Ein Drittel des Kartenpreises, so Schätzungen von Musikexperten, geht an den Künstler. Tritt der Rapper also etwa in der ausverkauften Münchner Olympiahalle mit 15.500 Plätzen auf und wird sie nur in der günstigsten Ticketkategorie komplett ausverkauft (und sollte dies aufgrund der Pandemie überhaupt möglich sein), kassiert der Rapper für den Abend schätzungsweise 222.000 Euro. Bei 16 angekündigten Auftritten im kommenden Jahr kommen so schnell Millionen-Summen zustande. Für seine Gigs rührt Capital Bra fleißig die Werbetrommel auf Instagram, spezielle (und teurere) Premium-Tickets mit einem signierten Poster und bevorzugtem Einlass versprechen ein einzigartiges Erlebnis.

Beim für Künstler üblichen Merchandise zieht der 25-Jährige aber alle Register. Exklusive oder limitierte Produkte bestimmen den Shop des Musikers, so seine Deluxe-Box zum neuen Album, die für 53,60 Euro vorbestellt werden kann. Und klar ist: Was nur in begrenzter Anzahl vorhanden ist, weckt Begehrlichkeiten, der Hype wird umso größer. Schnöde T-Shirts? Klar, die gibt es auch, den Vogel schießt er aber mit seinen "Capiletten" für 25,90 Euro ab.

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Die Badeschuhe gibt es mit der Aufschrift "Bratan" oder "Bratina". Bild: capitalbrashop

Wer braucht schon Gucci am Fuß, wenn er stylisch mit der Capi-Kollektion durchs Freibad schlappen kann? Noch intensiver wird das absolute Fan-Erlebnis nur, wenn man sein Idol auch anknabbern kann.

Vor wenigen Monaten war ihm mit seiner "Gangstarella" ein absoluter Coup gelungen. Als einziger Rapper weltweit, so das Werbeversprechen, brachte er eine eigene Pizza auf den Markt. Die Kreation in den Sorten "Grillgemüse" und "Rindersalami" wurde bis dato über eine Million Mal verkauft. Die Berliner Firma Freiberger, die die Tiefkühlware produziert, erklärte watson: "Auf die hohe Nachfrage haben wir reagiert und unsere Produktion entsprechend ausgeweitet. Die Prozesse und die Qualitätsansprüche bleiben dieselben."

Seine Person: Nahbarer Kumpel-Typ

Ja, der Rapper schwört auf Gucci-Käppi, Louis-Vuitton-Pulli und überhaupt sämtliche Produkte mit großflächigem Markenlogo. Er zeigt sich in dicken Schlitten (und manchmal auch mit dicken Joints), aber zwischendurch gibt er sich doch herrlich volksnah.

Er fährt mit der Berliner S-Bahn, shoppt im Saturn am Alexanderplatz, kauft eine Kiste Ingwer im Normalo-Supermarkt (allerdings nicht, ohne jeweils eine Meute Fans auf sich aufmerksam zu machen). Seine Löckchen lässt er sich nicht etwa beim Promi-Friseur, sondern in einem kleinen Barbershop in Berlin-Tempelhof trimmen.

Noch dazu lebt der Musiker gefühlt auf Instagram (4,2 Millionen Abonnenten) und Tiktok (1,4 Millionen Follower). Capi kauft ein? Seine Fans sind mit dabei. Capi cruist in der Gegend herum? Schnell her mit einem Livestream. Capi versucht, sich eher mit rudimentären Englischkenntnissen durch New York zu schlagen? Peinlich ist ihm wenig, selbst seine Festnahme, weil er mitten auf der Straße einem Mann seinen Hut klaute, machte er noch zu einem Medienspektakel und schoss Fotos mit den Cops.

Fazit: Auch wenn Capital Bras Konto sich von unseren um einige Nullen unterscheiden mag, bleibt er nach außen hin der etwas weirde 25-Jährige mit einer unvorteilhaften Frisur und einem Herzen aus Gold. Denn er sagt es ja selbst: Der Bratan bleibt der Gleiche.

(ab)

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