Unterhaltung
 Angelo Kelly The Kelly Family beim ZDF Jahresrückblick Menschen 2019 im Studio 2 auf dem Phoenixhof. Hamburg, 16.12.2019 *** Angelo Kelly The Kelly Family at ZDF Jahresrückblick Menschen 2019 in Studio 2 at Phoenixhof Hamburg, 16 12 2019 Foto:xgbrcix/xFuturexImage

Sänger Angelo Kelly steckte im Kakerlaken-Kostüm. Bild: imago images/future image/ collage watson / gbrci via www.imago-images.de

Interview

Kakerlake Angelo Kelly zu "Masked Singer"-Aus: "Noch nie etwas abgesagt – dann kam Corona"

Das hatte es in der "The Masked Singer"-Geschichte bis dato noch nicht gegeben: Am Dienstagabend verkündete Moderator Matthias Opdenhövel, dass mit der Kakerlake erstmals ein Kandidat freiwillig die Show verlassen hatte. Der Grund dafür: die aktuelle Corona-Krise. Im Kakerlaken-Kostüm steckte Sänger Angelo Kelly, der in diesen Zeiten bei seiner Familie in Irland sein wollte. Für das ProSieben-Team und Fans der Show eine absolut verständliche Situation.

Nach seinem freiwilligen Aus sprach watson mit Angelo über die Hintergründe für seine Entscheidung, wie er und Ehefrau Kira ihren fünf Kindern die Corona-Krise erklären und was die unabsehbare Lage für ihn als Künstler bedeutet.

watson: Angelo, wie geht es dir aktuell?

Angelo Kelly: Vielen Dank, mir geht es sehr gut. Ich bin jetzt zu Hause bei meiner Familie in Irland, wo wir seit acht Jahren leben. Keiner von uns fühlt sich krank, hat Corona-Symptome oder muss sich testen lassen.

Du hast "The Masked Singer" freiwillig verlassen, um in der Corona-Krise bei deiner Familie sein zu können. Wann kam der Punkt, an dem dir bewusst wurde, dass du die Show abbrechen musst?

Ich bin für die ersten zwei Shows immer von Irland nach Deutschland hin- und zurückgeflogen. Denn für sechs Wochen von meiner Familie getrennt zu sein, kam für mich nicht in Frage. Bei der ersten Show fühlte sich alles noch ganz normal an. Man hatte von Corona aus China und Italien gehört, es gab auch erste Fälle in Deutschland, aber das wirkte alles noch sehr weit weg. Bei der zweiten Show war es dann schon anders.

"Kurz nach der zweiten Show war dann aber klar, was die weitere Teilnahme für mich bedeuten würde."

Inwiefern?

Wir hatten kein Studiopublikum mehr, auch die Sicherheitsvorkehrungen wurden hochgefahren und es wurde sehr auf die Hygiene geachtet. Die Produktion hat sich aber hervorragend um uns alle gekümmert und ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Kurz nach der zweiten Show war dann aber klar, was die weitere Teilnahme für mich bedeuten würde.

Was wäre passiert, wenn du bei "The Masked Singer" geblieben wärst?

Ich hätte nicht mehr die Option gehabt, jede Woche nach Irland zu fliegen. Denn das wäre nicht verantwortungsvoll gewesen, weder für das "Masked Singer"-Team, meine Familie oder mich, weil ich beim Reisen mit zu vielen Menschen in Kontakt gekommen wäre. Also hätte ich für vier oder fünf Wochen in Köln bleiben und mich selbst isolieren müssen. Ich hätte nur allein mit dem Auto ins Studio hin- und zurückfahren können. Und ich wollte meine Familie nicht allein lassen, in diesen Zeiten braucht man einander.

"Ich habe noch nie ein Konzert abgesagt. Dann kam Corona."

War ein Ausstieg für dich als Künstler schwierig?

Die Show hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht. Ich stand schon als Baby auf der Bühne und habe in 40 Jahren noch nie ein Konzert abgesagt. Auch, wenn ich Grippe hatte. Ich habe immer 100 Prozent gegeben. Und dann kam Corona, so eine Situation hat noch nie jemand von uns erlebt. Ich denke, wir werden noch in 100 Jahren darüber sprechen, wie unser aller Leben durch diese Extremsituation beeinflusst wurde.

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Angelo Kelly mit Ehefrau Kira (vorne links) und vier seiner fünf Kinder auf der Bühne. Bild: imago images / Future image

Du hast fünf Kinder. Wie erklärst du ihnen, was da gerade in der Welt vor sich geht?

Sie wissen, dass wir gerade eine ganz außergewöhnliche Situation haben. Denn wir sind nur noch zu Hause und unternehmen nichts mehr. Die Freizeitaktivitäten fallen aus. Meine kleine Tochter kann nicht mehr zum Ballett gehen, meine 17-jährige Tochter Helen hätte eigentlich Englischkurse und müsste sich außerdem auf ihr Studium vorbereiten. Das liegt jetzt alles auf Eis. Nur die Schule fällt bei uns nicht aus.

Warum das?

Wir machen Homeschooling. Das ist in Deutschland nicht so verbreitet, ich denke aber, dass es nach der Coronakrise größere Akzeptanz findet. Die Kinder wissen also alle Bescheid, den jüngeren haben wir aber nur das Nötigste erzählt. Für meine Frau und mich ist das Wichtigste, dass sie keine Angst haben – und die haben sie auch nicht. Ansonsten achten wir auf die Hygieneregeln und Besuch bekommen wir auch nicht mehr.

Zurück zur Show: Schon nach deinem ersten Auftritt gab es Vermutungen, dass du im Kakerlaken-Kostüm stecken könntest. Was hat dich verraten?

Meine Stimme, mein Aussehen ja hoffentlich nicht (lacht)! Auch die Rolle des Gangsters passt nicht zu mir persönlich, die Musikstile ebenso wenig. Ja, es muss die Stimme gewesen sein. Aber das nehme ich als Kompliment, dass die viele Menschen erkennen.

Stefanie Heinzmann hat ihre Stimme verstellt, du nicht.

Ja, ich habe von Anfang an gesagt, dass ich meine Stimme nicht verfremden möchte. Ich empfinde das als falsch. Denn mit einer verfremdeten Stimme kann ich Menschen nicht so berühren wie sonst und Musik soll nun einmal die Seele erreichen. Ich hatte gehofft, dass das Kostüm und die Songs genug Ablenkung bringen, aber das ist nicht ganz aufgegangen. Das macht aber nichts, ich hatte trotzdem eine super Zeit.

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Dalmatiner Stefanie Heinzmann wurde in der ersten Show enthüllt. Bild: ProSieben/Willi Weber

Hast du eigentlich einen von den anderen Kandidaten erkannt?

Ich habe zu allen eine Vermutung, weil ich selbst permanent mitgeraten habe. Aber das macht die Show ja so spannend. Hinter den Kulissen wird es auch wirklich durchgezogen: Wir haben keinen Kontakt zu den anderen Kandidaten und du kannst nicht sehen, wer da in dem Kostüm steckt.

Und deine konkreten Vermutungen?

Am Anfang dachte ich, dass der Wuschel vielleicht Mike Singer sein könnte. Beim Faultier dachte ich zuerst an Sasha, aber nach dem Auftritt gestern war ich baff. Jetzt habe ich da gar keine Ahnung mehr. Und zum Drachen kursieren ja schon viele Namen im Netz und ich will es jetzt nicht schlimmer machen. Aber: Ich bin mir ziemlich sicher, dass in dem Kostüm ein Kumpel von mir steckt. Ich habe ihm die ganze Zeit nicht geschrieben, weil ich mich selbst nicht verraten wollte. Jetzt kann ich das aber tun und werde ihn mit Nachrichten bombardieren!

"Ich muss natürlich von der Musik leben und daher sind Auftritte auch wichtig."

Konzerte fallen erst einmal aus - wie geht es jetzt beruflich für dich weiter?

Ich bin dankbar, dass ich mit der Kelly Family die letzte große Tour noch beendet habe, bevor es losging. Meine eigene Tour startet erst Mitte Juli und vielleicht haben sich die Dinge bis dahin normalisiert. Aber mein neues Album konnte ich noch fertigstellen, das erscheint bald. Ich muss natürlich von der Musik leben und daher sind Auftritte auch wichtig. Aber im Moment gibt es noch Wichtigeres im Leben als die Musik: Familie und Gesundheit. Deswegen konzentriere ich mich jetzt zunächst auf diese beiden Sachen und hoffe, dass wir alle die kommende Zeit gut und gesund überstehen.

ProSieben zeigt "The Masked Singer" immer dienstags um 20.15 Uhr.

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