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Gesichtstätowierungen stechen sich hauptsächlich Stars und VIPs. Ob auf Schläfe oder Stirn, die Tätowierungen haben Auswirkungen auf Karrierechancen. Das Gesichts Tattoo im Bewerbungsgespräch? Da werden viele Arbeitgeber direkt ablehnen. Sich Namen über die Augenbrauen stechen stellt die wahrnehmung des Gesichts für den Rest des Lebens auf den Kopf

Chris Brown: Auch der Sänger ist ein Fan von Gesichtstattoos. Bild: Getty images/ Amy Sussman

Interview

Von Amanda Bynes bis Chris Brown: Warum Tattoos im Gesicht ein fragwürdiger Trend sind

Es scheint, als hätten die Stars und Sternchen ihre Vorliebe für ausgefallene Tattoos neu entdeckt. Bei genauerer Betrachtung sticht die Körperbemalung im Gesicht noch direkter ins Auge. Hier geht die Liebe der Promis zu ihren Tattoos besonders auffällig unter die Haut.

Die Liste der VIPs mit Gesichtstattoos wird immer länger. Es scheint, als hätten die Stars den Trend wieder für sich neu entdeckt. Ob Chris Brown, Amber Rose, The Game, Presley Gerber, Justin Bieber, Aaron Carter oder Amanda Bynes: Sie alle lieben ihre Botschaften, die sie im Gesicht tragen.

Tattoos im Gesicht? Für Tätowierer ein No-Go

Im Interview mit watson erklärt der Tätowierer und Pressesprecher Maik Frey von DOT e.V. (Deutsche Organisierte Tätowierer) den Hype um Gesichtstattoos. Seit 31 Jahren tätowiert er selbst und rät Kunden dringend von Tattoos im Gesicht ab. In seinem Studio ist es untersagt, an dieser Körperstelle zu tätowieren. Seine Gründe dafür sind eindeutig.

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Maik Frey: Seit 31 Jahren tätowiert er selbst. In Esslingen befindet sich sein Studio. Bild: dpa/ Daniel Maurer

watson: Warum entscheiden sich immer Menschen für Gesichtstattoos?

Maik Frey: Den Trend, sich das Gesicht tätowieren zu lassen, gibt es noch nicht so lange. Ich beobachte seit fünf bis acht Jahren, dass die Art der Tattoos immer beliebter wird. Mittlerweile nimmt das immer mehr zu. Die Hemmschwelle, sich das Gesicht tätowieren zu lassen, ist aber noch sehr groß und das ist auch gut so. Ich tätowiere jetzt seit 31 Jahren. In der Zeit gab es immer schon Tabus. Vor 30 Jahren wollten die meisten Kunden ihre Tätowierungen sogar noch verstecken, als explizit zu tragen.

Wie sah das damals aus?

Tattoos am Hals oder an den Händen gab es gar nicht. Genauso sah es bei den Fingern und beim Unterarm aus. Die Tätowierungen sind meistens auf Körperstellen gerutscht, die gut zu verstecken waren – wie zum Beispiel beim Schulterblatt. Über die Zeit sind Tätowierungen immer mehr zum Mainstream geworden. Heute tragen immer mehr Menschen Tattoos. Früher war das nicht so.

Was war damals anders?

Die Körperstellen sind jetzt sichtbarer geworden. Anfang der 2000er Jahre kam der Trend, dass sich Menschen die Hände oder den Hals tätowieren ließen – zumindest die, die sich das hinsichtlich ihres Jobs erlauben konnten.

Wie verhält es sich bei Tattoos im Gesicht?

Die letzten acht Jahre fingen die Menschen allmählich an, ihr Gesicht zu tätowieren. Bis heute sind das vor allem Personen aus der Musikwelt. Bei Rockstars und Rappern ist der Trend deutlich zu beobachten. Die können sich das leisten und müssen keine Angst vor Konsequenzen im Job oder in ihrem privaten Umfeld haben. Ein Justin Bieber kann sich die Augenbraue mit irgendeinem Spruch versemmeln. Er hat ja schon die Millionen auf dem Konto. Der muss sich um seine Zukunft und um sein Werden keine großen Gedanken mehr machen.

Ich frage mich immer, wie tolerant unsere Gesellschaft gegenüber Gesichtstätowierungen ist

Ist es immer noch so ein Tabu?

Jedes Mal, wenn ich in Berlin bin, die Stadt mit den meisten Tattoo-Studios, wundere ich mich, wie viel Leute sich mittlerweile das Gesicht tätowieren lassen. Ich frage mich immer, wie tolerant unsere Gesellschaft gegenüber Gesichtstätowierungen ist. Dabei stellt sich auch die Frage, in welchem Berufsfeld Menschen mit einem Gesichtstattoo eingesetzt werden können. Ein Arbeitnehmer mit Kundenkontakt kann sich so ein Tattoo in der Regel nicht leisten. Selbst die bemalten Finger oder Hände können da schon zum Problem werden.

Was beachten Sie bei Tattoos?

Bei mir im Tattoo-Studio und auch bei anderen Kollegen ist es so, dass wir Hände, Finger und Unterarme unter 25 Jahren überhaupt nicht tätowieren. Personen, die unter 25 sind, befinden sich noch in einer unsicheren Situation, was ihre Berufs- und Lebenssituation angeht. Bei der Bank oder einer Arztpraxis ist die Toleranz der Arbeitgeber noch nicht so groß.

Und was bedeutet diese fehlende Toleranz für Sie als Tätowierer?

Wir als Tätowierer haben eine gewisse Verantwortung und raten den Kunden von besonders sichtbaren Stellen ab. Wenn jetzt eine 22-Jährige schon beide Oberarme heftig tätowiert hat und sich das auch auf den Unterarmen wünscht, dann ist das was anderes. Die junge Frau hat sich schon mit ihrer Umwelt, ihren Eltern, dem Boss und ihrer Oma, die sie noch nicht enterbt hat, auseinandergesetzt.

Der Durchschnitt kann sich das eben nicht erlauben, da der Normalverbraucher an die Zukunft denken muss

Wie klären Sie Interessierte speziell über Gesichtstattoos auf?

Wir haben da eine gewisse Verantwortung. Bei den expliziten Stellen wie Hals, Hand, Unterarme und Finger müssen wir als Verantwortliche besonders auf unsere Kunden aufpassen. Ich wundere mich manchmal, was ich in Doku-Soaps sehe. Da gibt es schon 16-Jährige, die sich die Unterarme oder Hände haben tätowieren lassen.

Als Bill Kaulitz sich zum Beispiel die Finger und Hände tätowierte, hatte er bereits eine große Karriere. Da konnte er es sich leisten, mit so einer speziellen Körperbemalung aufzutreten. Der Durchschnitt kann sich das eben nicht erlauben, da der Normalverbraucher an die Zukunft denken muss.

Sind die Tattoos im Gesicht gefährlicher als an anderen Körperstellen?

Es gibt ein paar Stellen, wo es ganz schön schwierig ist, die Nadel anzusetzen. Das betrifft vor allem das Nasenloch. Auch um die Augen herum gibt es sehr dünne Hautschichten, wo man höllisch aufpassen muss, dass das Ergebnis auch optimal ist. Die Tätowierer müssen aufpassen, dass sie den Kunden nicht verletzen. Dort werden nämlich die Schleimhäute angegriffen. Da muss man anders arbeiten als sonst.

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Carmen Geiss beim Tätowierer: In der Sendung "Die Geissens" ist zu sehen, wie sich die 54-Jährige "Kiss" auf ihre Unterlippe tätowieren ließ. Bild: RTL ZWEI

Es ergibt beispielsweise gar keinen Sinn, sich die Innenlippe tätowieren zu lassen. Carmen Geiss hat sich zum Beispiel dort ein Tattoo mit dem Wort "Kiss" machen lassen. Sie wird merken, dass das Tattoo später sehr stark verläuft. Das Gewebe ist dafür ungeeignet, sodass die Tattoos dort nicht schön werden können.

Wir raten konsequent davon ab und tätowieren keine Kunden im Gesicht

Wie sieht es bei anderen Körperstellen aus?

Schwierig wird es bei den Kniekehlen, Achseln oder den Fingern. An diesen Stellen hat der Mensch nicht das einfachste Gewebe. Sehr oft verläuft die Farbe auch auf den Fingern. Die Handinnenflächen sind super schwierig, um dort überhaupt etwas kreieren zu können. Bei den Fußsohlen macht es auch überhaupt keinen Sinn. Die Schläfen, Wangen oder selbst das Kinn stellen den Tätowierer vor keine Herausforderungen. Ich bin da trotzdem sehr skeptisch.

Raten Sie von Gesichtstattoos ab?

Bei mir im Tattoo-Studio gibt es keine Gesichtstätowierungen. Wir raten konsequent davon ab und tätowieren keine Kunden im Gesicht. Ich habe schon Mal einer jungen Frau ein Sternchen auf der Wange im Schläfenbereich verschönert. Das war ausgelaufen und die Linien waren völlig unscharf. Das habe ich lediglich verbessert. In diesem Moment tat mir die Trägerin des Sternchens leid. Die wollte das nicht verlieren, sodass eine Laserbehandlung für sie nicht infrage kam.

Ist der Trend eher in den USA zu beobachten?

Wer sich ein Gesichtstattoo vom Job oder vom Umfeld her erlauben kann oder mag, der soll das machen. Ich hoffe aber, dass Tattoos im Gesicht in Deutschland nicht zu einem größeren Trend werden. In den USA ist es noch deutlicher zu beobachten.

Es ist aber schon zu sehen, dass sich immer mehr Menschen für die Körperstelle im Gesicht entscheiden. Eine Kollegin von mir in Hamburg hat sich schon relativ früh, wie Kat Von D, an der Schläfe tätowieren lassen.

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