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So dicht beieinander sieht man derzeit keine TV-Hosts: Klaas (l.) und Joko. Bild: ProSieben

Meinung

ProSieben zeigt Fernseh-Welt vor Corona – das schmerzt

Für 140 Minuten war die Fernsehwelt am Dienstagabend plötzlich wieder ganz normal. Joko und Klaas blödelten in ihrer Battle-Show gegen ihren Haus- und Hofsender ProSieben miteinander herum. Zur Begrüßung fielen sie sich in den Arm, Moderator Steven Gätjen wurde abgeklatscht, Promi-Gäste wie Vanessa Mai oder Paul Jahnke mit Handschlag begrüßt. Das Publikum, dicht an dicht, klatschte frenetisch, wurde teilweise mit in die Sendung integriert. Joko stelzte durchs Studio, Buddy Klaas hinterher. Requisiten wurde angetatscht. Und keiner störte sich daran. Nur ein kleines Banner machte das schöne Konstrukt kaputt: "Diese Sendung wurde vor der Corona-Krise aufgezeichnet".

140 Minuten, die wieder ein Gefühl davon gaben, wie unser Leben vor dem landesweiten Lockdown am 15. März aussah. Sicher gibt es in diesen Zeiten wesentlich wichtigere Dinge als die Gestaltung einer Fernsehshow. Doch auch diese Branche leidet in der Corona-Krise und mit ihr das Ziel, was Entertainer wie Joko und Klaas verfolgen: Beim Publikum für Unterhaltung und Zerstreuung zu sorgen. Gerade jetzt.

ProSieben wurde bei den am Dienstagabend ausgestrahlten Bildern direkt selbst sentimental: "Die Älteren erinnern sich: Die heutige Folge #JKvsP7 zeigt noch sogenanntes 'Publikum', das sich durch Klatschen an der Sendung beteiligt", schrieb der Sender auf Twitter. Und weiter: "Wir vermissen euch". Mit dem Posting traf er den Nerv der 1,58 Millionen Zuschauer.

Die Fernsehbranche tut ihr Bestes, um uns auch jetzt noch zu unterhalten. Abstandsregeln wurden gefordert und werden penibel eingehalten, Plexiglas-Trennwände montiert, das Publikum aus den Studios verbannt. Entertainer, die von den Reaktionen der Menschen leben, spielen gegen ein leeres Studio, unterhalten live vielleicht noch den Kameramann und den Tontechniker. Authentische Reaktionen? Passé. Feedback, ob der Gag auch ankam? Undenkbar. Unterhaltungs-Shows zur besten Sendezeit mutieren zum Kammerspiel. Distanz auf allen Ebenen.

Als ProSieben vergangene Woche das "Masked Singer"-Finale mit Retortenapplaus aus der Auftaktshow zeigte, wurde ich selbst sentimental. Schmerzlich erinnert an eben jenen Märzabend im Kölner TV-Studio, als meine Kollegen und ich dicht an dicht auf dem Podium saßen, mein Hintern am Plastikstuhl klebte, die trockene Luft im Hals kratzte und mich der Securitymann nervte, ich sollte endlich mein Handy ausschalten.

Jetzt ist meine Couch weich, das Wohnzimmer bestens temperiert, zum Fernsehen könnte ich aus meinem Kühlschrankinhalt zwölf verschiedene Cocktails zusammenkippen und nebenbei Facetimen. The new normal. Und doch fehlt etwas. The old normal.

Deswegen tut solch eine Show-Aufzeichnung erstaunlich gut. Denn sie zeigt nicht nur, was einmal war. Sondern auch, was wieder sein wird.

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