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CARDIFF, WALES - JANUARY 18:  Prince Harry whispers to Meghan Markle as they watch a dance performance by Jukebox Collective in the banqueting hall during a visit to Cardiff Castle on January 18, 2018 in Cardiff, Wales. (Photo by Ben Birchall - WPA Pool / Getty Images)

Sie sind raus: Herzogin Meghan und ihr Ehemann, Prinz Harry. Bild: Getty Images Europe

Britischer Journalist behauptet: Meghan spaltet schon die zweite Familie

Dirk krampitz

Als ob Großbritannien mit dem Brexit nicht schon genug zu tun gehabt hätte, kam Anfang Januar auch noch der "Megxit" dazu: Prinz Harry und seine Frau Meghan haben das Königshaus verlassen und sind nach Kanada gezogen.

Das ZDF widmete dem Thema die Sendung "Ärger im Buckingham-Palast" zur Hauptsendezeit am Dienstag. Um noch ein bisschen mehr Tiefe zu suggerieren, wird auch kurz der Fall von Lebeprinz "Randy Andy" Andrew angetippt: Der jüngere Bruder von Prinz Charles war gut bekannt mit dem amerikanischen Sexualstraftäter und Investmentbanker-Millionär Jeffrey Epstein, der im August 2019 in Haft Suizid begang.

Nach einem desaströsen TV-Interview, in dem Andrew sehr unglaubwürdig erklärte, von allen Verbrechen seines ehemaligen guten Bekannten nichts gewusst zu haben, wurde der Queen-Sohn von allen königlichen Pflichten entbunden. Und kurz danach sind nun Meghan und Harry auch raus.

Historiker Robert Lacey findet: "Die Schnelligkeit und Härte, mit der Andrew rausgeworfen wurde, zeigt: Die Monarchie hat nichts von ihrer Rücksichtslosigkeit verloren."

Ein schönes Zitat, das auch für Meghan und Harry gelten könnte. Und um die geht es in dieser Doku schließlich während 95 Prozent der Zeit. Andrew ist nur kurz öffentlich-rechtliches Alibi-Beiwerk, das eine breitere Perspektive suggeriert. Doch wen interessiert Lustonkel Andrew?

"Meghan hat das unglaubliche Potential erkannt, das in der Marke steckt"

Was alle interessiert ist der selbstgewählte Abschied des jungen Paars, der zum Rauswurf eskalierte. Zwei Historiker, drei Journalisten, zwei Buchautoren und ein ehemaliger Sprecher der Queen sitzen als meinungs- und hoffentlich auch sachkundige Talking Heads in dieser Doku vor der Kamera.

Zur Erinnerung: Am 8. Januar 2020 gaben Harry und Meghan bekannt, als hochrangige Mitglieder der Königsfamilie zurücktreten und finanziell unabhängig werden zu wollen. Und zwar über ihren gemeinsamen Instagram-Account. Den Pflichten des Königshauses wollten sie noch in Teilzeit nachkommen, die restliche Zeit in Kanada leben. Die Marke "Sussex Royal" haben sie sich schon zuvor schützen lassen.

Ohne Wissen des Palastes, wie Autorin Katie Nicholl sagt: "Meghan ist da sehr amerikanisch herangegangen. Sie hat das unglaubliche Potential erkannt, das in der Marke steckt." Das findet auch Historikerin Anna Whitelock:

"Sie agieren wie ein Unternehmen. Sie wollen nicht mehr nach den Regeln des Palastes spielen."

Meghan und Harry vertrauen Instagram mehr als der Kommunikationsabteilung des Palastes. Eben jene ließ dann zehn Tage später allerdings eine Antwort heraus: Am 18. Januar wurde vom Palast mitgeteilt, dass Harry (Platz 6 der Thronfolge) und Meghan nicht mehr mit "Königliche Hoheit" anzusprechen sind und dass sie einen Zuschuss aus staatlichen Geldern für den Umbau ihres Wohnhauses Frogmore Cottage in Höhe von 2,4 Millionen Pfund zurückzahlten.

Briten-Journalist: Meghan spaltet schon die zweite Familie

Doch wer hat das ganze Ausmaß des Royal-Debakels nun zu verantworten? Journalist Jobson vom "Evening Standard" sieht in Meghan eindeutig die Schuldige: "Ihr muss klar gewesen sein, dass das einen Keil zwischen die Familie treibt. Das hat sie mit ihrem Vater und ihrer Familie so gemacht und nun macht sie es mit seiner Familie, in der er perfekt aufgehoben war, bevor sie aufgetaucht ist."

Ein fieser Tritt unter die Gürtellinie, aber so zerstritten wie Meghans Familie ist, so kompliziert ist eben auch ein Leben in der Königsfamilie.

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Der Journalist ist kein Freund von Meghan. Bild: zdf screenshot

Queen "am Boden zerstört"

Jobson sieht den Grund für den Bruch der königlichen Familie vor allem im forschen Vorpreschen von Harry via Instagram: "Er wollte die Bedingungen diktieren, das ist, als ziele man mit dem Gewehr auf den Rest der royal family", so Jobson.

Und in der Tat: So hatte die Queen wahrscheinlich weniger Spielraum, ohne ihre Autorität zu untergraben, als wenn sie im Hinterzimmer verhandelt hätte. Vermutlich hat sich der Lieblingsenkel der Queen etwas verkalkuliert, was die Zuneigung seiner Oma angeht. Für Elizabeth II. kommt die Pflicht immer zuerst. Auch wenn "The Telegraph"-Journalistin Camilla Tominey über den Zustand der Queen nach der Entscheidung sagt: "Sie ist am Boden zerstört."

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Queen Elizabeth. Bild: zdf screenshot

Geradezu empört über Harry und Meghan sind der Historiker Robert Lacey ("Die britische Monarchie ist kein Showbusiness") und der "Sun"-Fotograf Arthur Edwards: "Als Mitglied der königlichen Familie, kannst du nicht einfach nur auftauchen, wenn es dir passt." Es habe wohl bei vielen so gewirkt, als wollten die beiden sich die Rosinen aus einem royalen und bürgerlichen Leben picken.

Die Historikerin Anna Whitelock meint, dass sich das Volk frage: "Was ist mit unserem geliebten Harry passiert?" Als er als Kind 1987 hinter dem Sarg seiner Mutter Lady Diana hinterherlief, hätten ihn die Briten ins Herz geschlossen. Er blieb, trotz oder gerade wegen seiner Eskapaden in Jugendjahren, der beliebteste Royal.

Ehemaliger Queen-Sprecher: William wollte Harry in Sachen Liebe reinreden

3500 Termine im Jahr nehmen die Royals wahr. Das sind knapp 10 am Tag. Da macht es sich auch im Arbeitsaufkommen bemerkbar, dass Andrew, Harry und Meghan nun komplett raus sind. Darum sei William ziemlich wütend auf seinen Bruder. Aber das habe er sich wohl auch selbst zuzuschreiben, meint "The Telegraph"-Journalistin Camilla Tominey: "Harry hat sich schon seit langem von William an die Seite gedrängt gefühlt."

Dickie Arbiter, ehemaliger Sprecher der Queen, behauptet sogar, William habe ins Liebesleben seines kleinen Bruders reinfunken wollen und ihn vor der relativ schnellen Hochzeit gewarnt, es sei ja eine "Romanze wie ein Wirbelwind". Aber Harry wollte sich nicht reinreden lassen. Und so kam es – erstmal – zu einer Traumhochzeit.

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Er arbeitete für die Queen: Dickie Arbiter, ehemaliger Pressesprecher. Bild: zdf screenshot

Meghan sei nach der Hochzeit "schon bald schwierig" geworden

Katie Nicholl, Autorin von "Harry und Meghan", sagt allerdings, dass Meghan "schon bald schwierig" geworden sei nach der Hochzeit. Zu viele Sonderwünsche ans Personal im Palast und zu selbstständig im offiziellen Auftreten: In England kann es eben schon mal für eine Skandal-Schlagzeile reichen, wenn ein Royal eine Autotür selbstständig zuschlägt, wie Meghan es getan hat, anstatt sich das abnehmen zu lassen, wie es das Protokoll vorsieht.

Wie dem auch sei: "Schon bald stand der beliebten Harry ihretwegen in der Kritik", sagt Anna Whitelock. Und Meghan natürlich auch. Konservative Medien nannten Meghan, die 1981 in Los Angeles als Kind eines Amerikaners mit irisch-deutschen Wurzeln und einer afroamerikanischen Mutter geboren wurde, immer wieder "exotisch", Harry empfand dies als rassistische Beleidigung. Er hatte ohnehin seit dem Tode seiner Mutter Diana 1997 ein gespanntes Verhältnis zur Presse.

Umso wichtiger ist für ihn ein emotionaler Rückhalt. "Harry will geliebt werden von jemandem, der ihm nahe steht, nicht nur von einem Publikum", sagt Ex-Sprecher Arbiter. Und genau das tue Meghan. Somit binde sich Harry eben ganz eng an Meghan. Das geht sogar soweit, dass Harry sein bisheriges Leben umgeworfen hat.

Katie Nicholl: "Harry hat sich neue Freunde gesucht und alte, die ihn lange Zeit begleitet haben, fallen lassen."

Aber vielleicht ist es auch eine Wandlung vom Royal zum Menschen bei Harry der Grund. Denn laut Katie Nicholl sei Harry "emotionaler geworden durch Meghan". Er habe den Tod seiner Mutter trotz zweijähriger Therapie nie ganz verarbeitet.

Auf der letzten Afrikareise des Paars war die Autorin mit dabei, und trotz aller Fröhlichkeit vor der Kamera habe es ohne Kamera ganz anders ausgesehen. "Ich hatte den Eindruck, Harry war am Rande eines Nervenzusammenbruchs", sagt Nicholl. Dazu passt auch Harrys verzweifelt klingendes Instagram-Statement vom 19. Januar: "Ich habe nicht alles richtig gemacht, aber hier gab es keine andere Möglichkeit."

Und so ist es für Harry und auch Meghan vielleicht auch das Beste, erst einmal eigene Wege zu gehen. In einem Jahr, will die Queen sich noch einmal mit der getroffenen Regelung befassen. Und der Historiker Lacey hat die Hoffnung, dass Meghan und Harry vielleicht eine "weltweite Megastiftung" aufbauen, mit der sie sich "mit dem Königshaus messen und einen guten Einfluss aufs Königshaus haben". Dann hätte Harry für das Fortbestehen seiner Dynastie wohl mehr getan, als er es als Nummer 6 der Thronfolge je gekonnt hätte.

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