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Athens, Greece - February 18, 2019: The H1N1 virus, known as swine flu, has killed 56 people in Greece. In February of  2019, 18 people in intensive care units died due to H1N1 virus. People protect their self with the mask.

Wie sicher ist es in öffentlichen Räumen? Bild: Getty Images

Reagiert Deutschland angemessen auf das Coronavirus? Das sagen Experten

Wer kennt es nicht? Kurz zur Drogerie, den Wagen mit Desinfektionsmitteln vollknallen. Dabei stehen die doch schon kistenweise bei dir Zuhause... Spaß beiseite. Zumindest ein wenig.

Denn Hamsterkäufe sind leider ein aktuelles Problem – vor allem für jene, die auf Dinge wie Desinfektionsmittel oder Schutzmasken wirklich angewiesen sind. Und das, obwohl sich Bundesregierung, Virologen und Mediziner bemühen, die Menschen vor dem Coronavirus zu schützen.

Nun ist die Frage, ob diese Maßnahmen auch wirklich ausreichen. Auch angesichts der ersten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus, von denen wir seit Montag wissen.

Um das zu klären, sprach watson mit Experten verschiedener Fachgebiete. Mit dabei sind die beiden Hausärzte Jens Wasserberg und Wolfgang Kreischer, der Virologe Norbert Tautz und der Immunologe Carsten Watzl. Sie alle beschäftigen sich in ihrer Arbeit mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.

5 Fragen zu den Schutzmaßnahmen in Deutschland

Ist es sinnvoll, Unternehmen zu schließen oder Veranstaltungen abzusagen?

Ob Leipziger Buchmesse oder die Reisemesse ITB, aktuell werden Großveranstaltungen aufgrund des Coronavirus abgesagt. Das Bundesgesundheitsministerium rät, Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern abzusagen. Logisch: Immerhin besteht ein gewisses Infektionsrisiko, wenn viele Menschen aufeinander treffen. Unsere Experten sind in dem Punkt trotzdem unterschiedlicher Meinung.

Carsten Watzl (Immunologe): "Da gibt es zwei Aspekte. Der eine ist die Infektionsrate. Wenn ich jetzt als reiner Immunologe oder Virologe argumentieren würde, wäre meine Empfehlung, alle Menschen für zwei Wochen einzeln zu isolieren. Dann könnte sich niemand mehr anstecken und die Infektion wäre vorbei. Umsetzbar ist die Maßnahme aber nicht. Zu schwer wären die wirtschaftlichen Folgen.

Deshalb müssen wir da die Balance finden. Bei uns am Institut wurde auch angesprochen, Dienstreisen erstmal zu streichen. Da einigten wir uns aber darauf, dass das keinen Sinn macht. Man muss einfach mit einem gesunden Menschenverstand rangehen und sich an die Hygieneregeln halten. Das senkt das Infektionsrisiko. Geht es jetzt um Risikogebiete oder Unternehmen, in denen es bereits einen Infizierten gibt, müssen andere Maßnahmen getroffen werden."

Norbert Tautz (Virologe): "Das ist immer eine Abwägungsfrage. In Bayern wurde bei der Firma Webasto eine Infektion von Mitarbeitern durch eine Besucherin aus China ausgelöst. Man hat in diesem Fall die Kontaktpersonen identifiziert, in häusliche Quarantäne geschickt und damit die Situation ohne Firmenschließung in den Griff bekommen. Sollten in einer Firma aber sehr viele Fälle gleichzeitig auftreten, müsste man über eine temporäre Schließung nachdenken.

Internationale Veranstaltungen, bei denen Besucher und Aussteller aus 100 Ländern nach Berlin kommen, wie die abgesagte Tourismusbörse, sind sicher ein Risiko, das zur weiteren weltweiten Virusausbreitung beitragen kann. Wenn nur Besucher aus Deutschland erwartet werden, kann man das im Augenblick eventuell noch anders sehen, da wir hier aktuell noch nicht wirklich viele Fälle haben. Von daher muss hier mit Augenmaß und gemäß der aktuellen Lage vor Ort entschieden werden."

Jens Wasserberg (Hausarzt): "Also wenn man eine Infektionskette unterbrechen will, dann sollte man sich darüber Gedanken machen. Allerdings muss ich sagen, dass es dafür bereits zu spät ist. Denn so wie Deutschland das aktuell handhabt, macht es wenig Sinn. Ein Beispiel: An einem Ort wird zwecks Infektionsschutz eine Schule geschlossen.

Nun bleiben die Schülerinnen und Schüler aber nicht zuhause, sondern nutzen ihre gewonnene Freizeit, in dem sie mit ihren Freunden etwa in ein Einkaufscenter gehen. Das hat mit Infektvermeidung nichts zu tun. Meiner Meinung nach, hat der Normgeber da völlig versagt. Wenn man Quarantäne macht, dann richtig."

Wie sinnvoll ist es, Grenzen zu schließen und Flugverkehr einzuschränken?

Drehen wir die Frage zu den Großveranstaltungen noch ein wenig weiter. Denn die Frage, ob Grenzen zu Risikoregionen offen bleiben sollten, beschäftigt anscheinend viele Menschen. Verständlich ist das schon. Irgendwie. Unsere Experten halten das nur teilweise für sinnig.

Carsten Watzl (Immunologe): "Hier gilt das gleiche wie schon bei den Unternehmen. Warum sollte der Corona-Betroffene aus Italien gefährlicher sein als der aus Deutschland? Bei der aktuellen Lage machen Grenzschließungen nicht wirklich Sinn."

Norbert Tautz (Virologe): "In unserer globalisierten Welt ist es eine Utopie, zu glauben, sich noch so abgrenzen zu können, ohne einen wirtschaftlichen Totalschaden zu erleiden. Das kann man an der aktuellen Situation lernen. Wir werden lernen müssen, auch mit dem Risiko dieser Infektion zu leben.

Man kann sich als Land nicht einfach verstecken. Dazu sind wir international zu sehr vernetzt. Trotzdem kann sich jeder Einzelne überlegen, ob er aktuell reisen muss. Ich würde zum Beispiel nur ungern zwei Wochen irgendwo in Quarantäne verbringen. Man kann hoffen, dass bald ein Medikament gefunden wird, das die Symptome bei schweren Verläufen (circa 15 Prozent der Fälle) reduziert und somit die Auswirkungen der Infektion mildert.

Die Impfstoffentwicklung und vor allem die Zulassung eines wirksamen und sicheren Impfstoffs wird aber nach Expertenmeinung noch gut ein Jahr dauern. Das liegt vor allem daran, dass man so einen Impfstoff testen muss, bevor man ihn vielen Menschen verabreicht. Und das lässt sich nicht beliebig beschleunigen. Sicherheit geht hier vor."

Jens Wasserberg (Hausarzt): "Die Länder handhaben das ja unterschiedlich. Oft wird wirtschaftlich argumentiert, wenn es darum geht, Grenzen offen zu lassen. Wäre das ein gefährlicher Erreger, wäre das sehr fahrlässig. Ich glaube Indizien dafür zu erkennen, dass es nicht so schlimm ist wie ursprünglich befürchtet.

Deshalb sind wir da eventuell mit einem blauen Augen davongekommen. Dennoch sollte in dem Punkt nochmal überlegt werden, wie man solche eine Situation sinnvoll lösen kann."

Stellt das Coronavirus eine unterschiedliche Herausforderung in der Stadt und in ländlichen Gebieten dar?

In urbanen Regionen ist die Bevölkerungsdichte höher als auf dem Land, dafür aber die medizinische Versorgung wesentlich besser. Für wen ist das Coronavirus also minder gefährlich: Städter oder Dörfler? Beide können aus ihrem Lebensraum Vor- und Nachteile ziehen, sagen unsere Experten.

Carsten Watzl (Immunologe): "Auch wenn es zwischen Stadt und Land Unterschiede bezüglich der Bevölkerungsdichte gibt, kommt es darauf an, wie viele persönliche Kontakte ein Mensch hat und wie eng er mit diesen interagiert. Ein Stadtbewohner kann ja auch zurückgezogen leben und ein Dorfbewohner viel Kontakt mit Menschen haben. Was bisher aufgefallen ist, dass manche das Virus stärker ausscheiden und damit verbreiten können als andere. Woran das liegt, ist unklar."

Jens Wasserberg (Hausarzt): "In der Stadt ist das Infektionsrisiko erstmal tendenziell höher, weil die Menschen häufiger zusammenkommen und in engeren Räumen sind. Das gilt etwa, wenn sie S- und U-Bahn fahren. Natürlich gibt es auf dem Land auch Busse, aber trotzdem ist die Volumendichte dort eher geringer. Deswegen können sich in der Stadt Krankheiten erstmal besser verbreiten."

Wolfgang Kreischer (Hausarzt): "In Städten ist die Bevölkerungsdichte wesentlich höher, weshalb das Ansteckungsrisiko dort natürlich ebenfalls höher ist. Oft wird ja auch gesagt, dass die Gesundheitsversorgung auf dem Land nicht gut ist. Das halte ich für falsch. Es ist ja nicht so, dass die Leute auf dem Land in Armut und in Slums leben."

Wie gut sind Ärzte in Deutschland über das Coronavirus informiert?

Aktuell gibt es noch viele offene Fragen rund um das Coronavirus. Natürlich ist es da naheliegend, zu glauben, dass die Ärzte in Deutschland vielleicht noch nicht so recht wissen, wie sie mit dem Erreger umgehen sollen. Dem stimmen unsere Experten nicht zu.

Wolfgang Kreischer (Hausarzt): "Wir sind gut informiert, dank Robert Koch-Institut und Fachpresse."

Jens Wasserberg (Hausarzt): "Letztendlich führt das Coronavirus zu etwas Ähnlichem wie einem grippalen Infekt. Damit ist das Behandlungskonzept den Ärzten vertraut. Da brauchen wir keine politische Unterstützung. Was wir hingegen benötigen, sind Informationen zur Aggressivität der Coronaviren. Die Aussagen dazu waren meist widersprüchlich. Es gibt noch keine Antwort auf die Frage, ob das Coronavirus nur eine stärkere Grippe auslöst oder gefährlicher ist."

Wann können wir davon sprechen, dass eine Pandemie eingedämmt ist?

Aktuell steigt die Zahl der Infizierten noch mancherorts an. Ob sich das demnächst ändert, unklar. Erstmal scheint es nicht so. Unsere Experten erklären, wann wir von einer eingedämmten Pandemie sprechen können.

Wolfgang Kreischer (Hausarzt): "Wenn die Zahlen der Neuinfizierten deutlich abnehmen und die Krankheitsverläufe weniger dramatisch sind."

Carsten Watzl (Immunologe): "Da bin ich leider nicht Virologe genug, um etwas Genaues zu sagen. Blauäugig würde ich vermuten, dass China das Coronavirus langsam in den Griff kriegt. Die Zahl der Neuinfektionen nimmt ab.

Das gilt aber nicht für andere Länder. Wichtig ist, dass das Virus nicht noch auf viele weitere Länder übergeht. Wir haben in Deutschland nicht so hohe Fallzahlen wie in Italien, Südkorea oder im Iran. Kriegen die das Virus unter Kontrolle und verbreitet in anderen Ländern, dann bin ich hoffnungsvoll. Die Gefahr ist leider, dass sich das Virus zunächst unbemerkt verteilt."

Jens Wasserberg (Hausarzt): "Also erstmal ist die Frage, in welcher Situation wir aktuell stecken. Durch die unklare Gemengelage und die Tatsache, dass das mit den Abstrichen nicht richtig funktioniert, wissen wir noch nicht, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind. Entsprechend ist ungeklärt, ob nun wirklich eine Pandemie vorliegt.

Wann das eingegrenzt ist, kann man also aus meiner Sicht nicht sagen. Ich würde mich höchstens auf Erfahrungen berufen. Und meine Erfahrung ist, dass virale Infekte oft temperaturabhängig sind, also weniger vorkommen, wenn es wärmer wird. Aber ob das auch fürs neuartige Coronavirus gilt, wissen wir noch nicht."

Kurz gesagt: Wir sind vorbereitet

Unser Gesundheitssystem ist gut. Entsprechend sollten wir uns weniger Sorgen machen. Dennoch kann es nicht schaden, das eigene Verhalten an die derzeitige Lage anzupassen. Also nochmal: Regelmäßig und gründlich die Hände waschen, Abstand halten, Niesetikette beachten.

Das gilt besonders für alle, die regelmäßig unter Menschen sind oder vorhaben, eine Großveranstaltung wie Fußballspiele zu besuchen. Ja, die finden noch statt.

Zum Überblick: Die wichtigsten Telefonnummern zum Coronavirus

Unter der 030 346 465 100 erreichst du das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums.

Weitere wichtige Nummern:

116 117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
115: Einheitliche Behördennummer
0800 011 77 22: Unabhängige Patientenberatung Deutschland​

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